Liebe Teilnehmer der Hamburg Harley Days,

Wir mögen euch nicht.
Ihr stinkt, ihr lärmt, ihr verseucht die Umwelt, außerdem
seht ihr unmöglich aus und
vertretet einen Freiheitsbegriff, der schon vor 40 Jahren verlogen war.
Aber wir zeigen euch das nicht,
wir schütteln nicht die Faust, wenn ihr vorbeiknattert,
wir schauen euch nur nach, gleichgültig, mit stiller Verachtung.
Ihr mögt das Hanseatisches Understatement nennen,
Leben und leben lassen, Toleranz, Weltoffenheit, was auch immer.
Wir nennen es Professionalität.
Denn wir wissen: Ihr seid keine Rebellen,
ihr seid ekles Establishment, dumm und satt und fett,
Und wir wissen: Ihr lasst Geld in der Stadt.
Und deswegen lassen wir euch gewähren,
weil ihr doch ohnehin bald wieder weg seid,
in Soltau und Nordstemmen und Kierspe,
Dorfzahnärzte, Dorfanwälte, Dorfestablishment, das ihr seid.
Und wir sind eure stolzen Huren,
wir machen die Beine breit für euch,
wir lassen euch gewähren, mehr noch,
wir haben Berufsethos, wir wollen, dass ihr euch wohlfühlt.
Nur dass ihr uns wirklich gefallen würdet,
das bildet euch nicht ein.
Wir mögen euch nicht.

(In der Innenstadt nerven sie wirklich sehr.)

26. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Ästhetik des Scheiterns (1): Schweinefleisch mit Bratreis · Kategorien: Ästhetik des Scheiterns · Tags: ,

Versuchsanordnung:
1. Gehackten Ingwer (im Rezept stand 1 Esslöffel, ich nahm deutlich mehr), 100 ml Sherry (das Rezept verlangte eigentlich chinesischen Kochwein) und 200 ml Hoisin-Sauce einige Minuten einkochen lassen. 400 g in Streifen geschnittenes Schweinefilet zugeben, ungefähr 5 Minuten braten, bis das Fleisch durch ist.
2. Währenddessen eineinhalb Tassen gekochten Jasminreis bereitstellen (laut Rezept funktioniert das mit jedem Reis, aber was gibt es gegen Jasminreis einzuwenden? Ich habe ihn mit ca. 1 Esslöffel Butter und einer Prise Salz gekocht). In 2 Esslöffeln Sonnenblumenöl (laut Rezept Erdnussöl, das ich aber nicht im Haus hatte) eine gehackte rote Chilischote (besser mehr, mein Ergebnis war alles andere als scharf) und sechs klein geschnittene Frühlingswiebeln eine Minute anbraten. Reis zugeben, u.U. ein wenig salzen. Rund 5 Minuten braten, dabei ständig umrühren.
3. 6 Stangen grünen Spargel (das Rezept verlangt Pak-Choi, allerdings war ich zu faul, zum Asiaten zu gehen, und auf dem Markt gab es keinen, also habe ich ein anderes längliches und grünes Gemüse genommen – Fehler!) ein wenig schälen und zum Reis geben. Weitere 3 Minuten unter Rühren braten.
4. Fleisch auf dem Bratreis anrichten. Mit Sojasauce am Tisch würzen.

Ergebnis:
Schmackhaft, überraschenderweise optisch sehr ansprechend. Ich nahm gerne Sojasauce, die Liebste verzichtete, ging beides. Größte Fehlerquelle war der Spargel: Man hätte ihn vor dem Anbraten kochen müssen, dann wäre er aber wahrscheinlich in der Pfanne mit dem Reis zerfallen. Oder hätte man ihn besser seperat servieren sollen? Am Besten wäre natürlich gewesen, man hätte doch irgendwo Pak-Choi besorgt. Oder, von mir aus, Mangold. Spinat wäre nicht gegangen, den mag die Liebste nicht. Aber Spargel, nee. Ebenfalls ein Problem: Sonnenblumenöl ist schlicht kein Erdnussöl, trotzdem funktionierte das Anbraten ganz gut. Und die Schärfe? Ließe sich ebenfalls noch optimieren.

Gesamtnote: 2,5

25. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Hölle Hölle Hölle · Kategorien: Bretter · Tags: , , , ,

Dass ich nicht glaube, hat nichts mit Walter Mixa zu tun. Das hat, wahrscheinlich, gar nichts mit irgendwelchen Glaubensvertretern zu tun, das ist auch keine irgendwie politisch begründbare Entscheidung. Es ist nur so, dass ich, wohl mit 14, 15, zu dem Schluss kam: Das macht alles überhaupt keinen Sinn. Wenn es einen allmächtigen Gott geben würde, warum funktioniert hier rein gar nichts? Ist dieser Gott zwar allmächtig aber schludrig? Oder ist er womöglich böse, wenn er uns in diese Welt geworfen hat, mit der wir wohl oder übel klarkommen müssen? Und warum soll ich diese Type dann, bitteschön, anbeten? Ist die Theorie nicht stimmiger, dass es eben keinen Gott geben dürfte, dass das Wunder des Lebens kein Wunder ist sondern eine Kohlenwasserstoffverbindung, die sich durch, jawohl, Zufall zum genau richtigen Zeitpunkt unter den genau richtigen klimatischen Bedingungen bildete und jetzt immer noch über den Globus krebst, vergleichbar einem Schimmelpilz auf dem Joghurt?

So verlor ich meinen Glauben.

Woran ich lange Zeit immer noch glaubte: an den Mummenschanz, an die Inszenierung, an Prunk und Weihrauch, an die Akustik in alten Kirchebgebäuden, Gesänge, deren Ursprung nicht lokalisierbar ist. Ich trat aus der Kirche aus, ich glaubte nicht mehr, kulturell blieb ich aber Katholik. Kein Urlaub, in dem ich nicht begeistert von Kirche zu Kirche rannte, keine Diskussion über Glauben und Sexualität, in der ich nicht provokant das sadomasochistisch-sinnliche Motiv der absoluten Hingabe an Gott ins Gespräch warf, ein Motiv, das insbesondere Protestanten nicht verstehen konnten.

Überhaupt war das Ziel meiner Angriffe immer nur der Protestantismus. Den nahm ich als sinnesfern, unkünstlerisch, spießig wahr, während der Katholizismus für mich ein Spiel war, ein So-tun-als-ob. Wenn Protestanten mir spöttisch entgegenhielten, dass insbesondere der Zölibat ja wohl der Inbegriff von Sinnlichkeitsentsagung sei, antwortete ich, dass ich gerne auf Sexualität verzichten würde, dürfte ich mich dafür mit Kunst beschäftigen. Und dass der Protestantismus erschreckend kunsfrei sei, liege ja wohl auf der Hand, man müsse doch nur die schmucklose Ödnis evangelischer Kirchengebäude mit dem überbordenden Prunk ihrer katholischen Pendants vergleichen (wobei ich natürlich Bauwerke wie das Münster meiner Heimatstadt, den Hamburger Michel oder als Beispiel für großartige moderne Kirchenarchitektur die Temppeliaukio-Felsenkirche in Helsinki vollkommen unter den Tisch fallen ließ).

Auch politisch schien mir der Katholizismus sympathischer als der Protestantismus: Im 3. Reich waren die Protestanten deutlich systemnäher als die Katholiken, auch die protestantisch geprägten USA waren mir immer unsympathisch (gut, Bush war in einer Freikirche, aber es ist doch auch bezeichnend, dass der Protestantismus solche radikalen Abspaltungen zulässt, während der Katholizismus sie grundsätzlich ablehnt). Ebenso wie in der Architektur blendete ich hier die Gegenbeispiele für Rechtskatholiken wie Johannes Dyba konsequent aus.

Und jetzt der Missbrauchsskandal. Man muss nicht lästern, das Zerrbild des lüsternen Pfaffen, der vor allem deswegen Priester wird, weil er glaubt, so seine als problematisch empfundene Sexualität nicht ausleben zu müssen, ist so bekannt wie lächerlich. Was aber nicht lächerlich ist: Ein Fall nach dem anderen wird bekannt. Und fast immer in der katholischen Kirche. Walter Mixa ist in diesem Zusammenhang eine Nebenfigur. Ein problematischer Charakter, ja, aber die gibt es überall. Das Problem: Im Katholizismus scheint es sie zuhauf zu geben. Und plötzlich stelle ich mir die Frage: Was, wenn dieses massive Auftreten gar nichts zu tun hat mit diesem Glauben? Was, wenn es viel mehr zu tun hat mit, ja: Mummenschanz, Inszenierung, Weihrauch. Was, wenn diese Kultur des So-tun-als-ob, des Glaubens, dass ein Glas Wein zu Blut werde und eine trockene Oblate zu Fleisch, wenn all das problematische Charaktere wie Mixa anzieht? Und wenn Leute wie Mixa nur deswegen so lange ungestört agieren können, weil sie umgeben sind von ebenso problematischen Charakteren.

Mummenschanz, Inszenierung, So tun als ob. Was diese Erkenntnis fürs Theater bedeutet, mag ich mir gar nicht vorstellen. Ans Theater glaube ich übrigens. Noch.

25. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Punk · Kategorien: Aus der Produktion

Was ist Punk? „Ein Schmerz im Herzen über die hoffnungslose Schlechtigkeit der Welt, der sich irgendwann in erbarmungslose Wut und Verachtung verwandelt … Vielleicht.“ Diese wunderbare Definition gibt der Comiczeichner Andi Lirium (nicht nur Rapper haben diskutable Pseudonyme) in einem kurzen Interview mit mir im aktuellen uMag (das übrigens recht gelungen ist und außerdem seit gestern am Kiosk).

Und wo wir schon bei Kaufempfehlungen sind: Andi Liriums Comic Punkrock Heartland lohnt die Investition auch. Echt.

23. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Tismer! · Kategorien: Stoffe

In der Zeit, übrigens, steht ein wunderschönes Interview von Ijoma Mangold mit der ganz großartigen Schauspielerin und Künstlerin Anne Tismer. Besonders schön: dass Frau Tismer die Form des Interviews außer Kraft setzt und dem Autor einen Quasi-Verzicht auf Orthografie in den Block diktiert. Was die eher klischeesatten (und aus queerer Perspektive sicher nicht unproblematischen) Aussagen Tismers zur Frauerolle im sozialen Konstrukt Kulturszene zwar nicht aufhebt aber immerhin in einen schön unkonventionellen Kontext stellt.

Und während ich dieses Interview lese, fällt mir auf, dass ich auch schon einmal, nein, sogar zweimal Anne Tismer interviewt habe, einmal für die kulturnews, einmal fürs uMag. Beides waren Gespräche, an deren Inhalt ich mich konkret kaum noch erinnere (sind beide auch schon Jahre her), die aber mit zu den beglückendsten halben Stunden meines Kulturjournalistenkarriere zählen. Auch wenn ich damals ganz korrekt Kommas gesetzt habe.

(Und, ja, ich weiß, dass Anne Tismer trotz ihres schrägen Auftretens, trotz ihres forcierten Andersseins ganz elegant im Theater-Mainstream mitschwimmt. Trotzdem.)

23. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Der Ball fliegt lautlos · Kategorien: Daddeln

Ich gestehe, ich bin unterhalten. Ich hänge abends im Wohnzimmer und lege nicht die fünfte Folge Breaking Bad ein, obwohl ich schon lange wissen wollte, wie es weitergeht. Ich lese nicht das Buch, das schon lange auf dem Nachttisch liegt, ich gehe nicht aus. Ich schalte den Fernseher ein und schaue Argentinien-Griechenland. Oder, noch schlimmer, ich gehe aus. Beziehungsweise: Ich gehe in Kneipen, frage „Übertragt ihr nachher das Spiel?“ Und wenn sie nicht übertragen, dann gehe ich weiter. Ach.

Mich interessiert die Fußball-WM.

Zumindest bis jetzt noch. Es gab bisher gerade mal zwei deutsche Spiele, da hält sich das von mir so verachtete nationale Aufwallen noch in Grenzen, und, hihi, beim zweiten Spiel bekamen die Trottel ja ohnehin auf die Mütze.

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Womöglich fliegt die Nationalmannschaft heute abend ja auch raus. Okay, das wird nicht passieren, aber man wird ja noch träumen dürfen, solange das Träumen noch Spaß macht. Denn Spaß macht es über kurz oder lang nicht mehr.

Bisher war spannend, dass die großen Favoritenmannschaften der Reihe nach enttäuschten, am Schönsten, als Spanien gegen die Schweiz verlor. Diese WM schien die WM der Underdogs zu werden, weswegen ich plötzlich das Gefühl hatte, dass diese WM auch meine WM sein könnte. Aber mittlerweile rücken sich die Verhältnisse wieder gerade, Argentinien zählte zwar nicht zum ersten Kreis der Favoriten, wäre als Weltmeister aber auch keine Überraschung, Brasilien ist noch gut dabei, Spanien kann man trotz der Niederlage gegen die Schweiz was zutrauen, auch die doofen Nationalgenossen werden weiterkommen. Dafür sind alle afrikanischen Mannschaften so gut wie raus, auch in Asien geht höchstens noch bei Südkorea was. Prognose: Spätestens im Viertelfinale ist alles so, wie es sein sollte. Langweilig.

Schon jetzt bin ich ein wenig übersättigt. Und freue mich auf „Breaking Bad“.

Der Titel dieses Eintrags hat mit dem Inhalt nur periphär zu tun. Aber er ist so schön. Geklaut von einem Stücktitel der wunderbaren Showcase beat le mot.

… ein hübsches Beispiel für die These, dass ich nicht jeden Konflikt selbst mit mir ausfighten muss, ist Antje Schrupps überaus gelungener Artikel zum Berliner CSD-Eklat mit Judith Butler.

Ich finde Pornographie ja unglaublich interessant, also, von der ästhetischen Warte aus. Killerspiele sind in meinen Augen bedeutende künstlerische Äußerungen. Und auch wenn ich mich im Splatterbereich überhaupt nicht auskenne, bin ich der erste, der sich dagegen wehren würde, wenn jemand Hardcore-Horror verbieten möchte, schon Altersbeschränkungen sind mir hier ein Gräuel: Es geht hier um Kunst, wie kann der Jugendschutz es wagen, da Grenzen zu ziehen, Denkverbote auszusprechen.

Denkverbote. Ganz schlimm.

Zumindest im Kunstbereich. Da muss alles gezeigt werden dürfen, auch noch das Dreckigste, auch noch das Ärgste hat seinen ästhetischen Wert, dem keinerlei Fesseln angelegt werden dürfen. Das mag jetzt so pathetisch klingen, dass man denken könnte, ich würde gar nicht ernst nehmen, was ich hier behaupte. Aber es ist mein voller Ernst: Die. Kunst. Ist. Frei. Und Pfaffen, Moralisten und Beamte haben ihr nicht reinzureden. In allem Pathos.

So sieht es zumindest mit der Kunst aus. Und was ich ihr zugestehe, das lasse ich im Bereich des gesprochenen, mehr noch aber des geschriebenen Wortes plötzlich nicht mehr gelten. Es ist nämlich so: Matthias hat einen Artikel geschrieben, über die zurzeit das Land überschwemmende Flut von schwarzrotgoldenen Scherzartikeln. Der Autor vertritt hier die These, dass das nicht schlimm sei, die Dummdeutschen würdendie Fahne nicht aus blödem Nationalismus schwenken, sondern weil sie damit ihre Zuneigung zu einer bestimmten Fußballmannschaft zeigen wollten, ähnlich einem Vereinswimpel. Da bin ich zwar anderer Meinung, aber gut. Was mich aber schon schockierte, waren die Kommentare, die Matthias damit anzog; gleich als Zweiter schrieb ein anonymer „Sven“:

„Endlich mal eine angebrachte Kritik über die ‚linken Spießer‘ von heute.“

Und darauf reagierte ich allergisch. Weil, „linke Spießer“, das ist ein Jargon, den ich kenne. Wer von „linken Spießern“ spricht, der spricht auch von „Gutmenschen“, von der „linken Systempresse“, von „Mohammedanern“. Mein Kommentar:

„‚Linke Spießer‘ ist Junge-Freiheit-Jargon. Das rülpsen die Jungrechten, wenn sie beschwören, dass die Coolen doch bitte auf ihrer Seite der Barrikade stehen sollten. Hilft aber alles nichts: Spießertum ist ebenso wie Nationalismus und Diskussionunfähigkeit immer noch meist rechts zu finden, auch wenn die Rechten sicher kein Abo mehr darauf haben.“

Darauf Matthias:

„Zahnwart, entweder es gibt linke Spießer oder nicht, und wenn ja, dann werde ich mir auch die Freiheit (übrigens ein wichtiger und oft unterschätzter Begriff!) nehmen, sie so zu nennen – und mir keinesfalls von ein paar dahergelaufenen Rechten das Vokabular für Realitätsbeschreibung vorschreiben lassen.“

Womit er, das muss ich zugeben, recht hat. Und auch wieder nicht. Ja, als Urheber ästhetischer Produkte (zu denen Blogeinträge auf jeden Fall zählen) muss man schreiben dürfen, was man für richtig hält. Aber gleichzeitig ist das Gelände vermint: Die Freiheit, von der Matthias spricht, ist eigentlich ein Kampf gegen Political Correctness. Die ist abzulehnen, ohne Zweifel, Political Correctness ist in ihrer institutionalisierten Form die Versachlichung sinnlichen Sprachgebrauchs. Nur lässt sich dieser Kampf nicht so einfach führen: Weil diejenigen, die am lautesten gegen Political Correctness kämpfen, die Rechten sind. Die allerdings nicht in erster Linie gegen die Auswüchse politisch korrekter Spracheiferer kämpfen wollen, sondern gegen den Antrieb dieser Eiferer: Den Rechten geht es darum, Ziele wie Gleichheit, Solidarität, Achtung vor dem Anderen zu diskreditieren. Und das machen sie, indem sie einen bewussten Sprachgebrauch lächerlich machen. Und kaum kämpft man mit Matthias‘ lauteren Motiven für die Freieheit der Sprache, hat man gleich die jubelnden Rechten auf seinem Blog.

Sprache ist etwas Schönes, etwas Schillerndes. Und Politisch Korrekte wollen uns diese Schönheit nehmen. Die Schönheit besteht aber darin, dass Sprache in der Lage ist, ein Schimpfwort zu nehmen und in einen Ehrentitel zu verwandeln, ein Beispiel: „schwul“. Aber diesen Job konnte nicht ich machen, den konnten nur die Schwulen selbst machen. Im alltäglichen Sprachgebrauch. Als Blogger aber bin ich Beobachter: Meine Sprache beschreibt, sie ist starr und darf demnach politisch korrekt gefangen sein. Mit anderen Worten: Kunst darf alles, Journalismus nicht. Und Blogs demnach auch nicht.

In der Bandschublade wird nichts stehen von Gutmenschen, von linken Spießern und von der Systempresse.

21. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Keine Franzbrötchen · Kategorien: Was die Bandschublade sein könnte

Doch, ich war zufrieden mit Twoday. War schön, all die Jahre, manchmal ein wenig eingeschränkt in den Möglichkeiten, aber, doch. Dass ich jetzt auf WordPress bin, hat in erster Linie damit zu tun, dass ich das Handling hier angenehmer finde. Statistiken lassen sich besser verwalten, es gibt schönere Layouts (auch wenn man das in der Bandschublade bis jetzt noch nicht merkt). Vielleicht fühle ich mich hier wohl, doch.

Was mir nicht so gefällt: WordPress ist ein Riesenladen, im Vergleich zu Twoday. Und in solch einem Riesenladen kommt es eben auch vor, dass einem die Nachbarschaft nicht zusagt. Da kommt es vor, dass einem morgens als empfehlenswertes Blog heftigste Islamfeindlichkeit, unverblümte Xenophobie und brutalstes Dumpfbackentum um die Ohren gehauen wird – Politically Incorrect (wird hier konsequent nicht verlinkt) ist ein Ausbund an seriöser Diskussionskultur dagegen.

Muss man das aushalten? Vielleicht. Aber ein wenig fühlt man sich doch wie wenn man die erste Nacht mit der neuen Flamme verbracht hat, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass der Bäcker bei ihr um die Ecke a) einen florierenden Handel mit der Jungen Freiheit (wird ebenfalls nicht verlinkt) treibt und b) keine Franzbrötchen hat.

20. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Shuffle-Orakel, die Zweite · Kategorien: Schubladendenken

Um gut bei WordPress zu starten, spiele ich noch einmal Shuffle-Orakel, ziemlich genau ein Jahr nach dem ersten Versuch.

How does the world see me? (Damals) Im Schnee, Turismo Kennt kaum jemand mehr. So sieht man mich also, toll.

Will I have a happy life? Alles ist, Surrogat Unlustiger gehts ja wohl nicht.

What do people really think of me? Mariella, Kate Nash Bisschen eigenbrötlerig, aber schon in Ordnung. Können Sie Übleres denken, denk ich mal.

Do people secretly lust after me? Baby’s on fire, Superpitcher Ein wenig kühl, aber wer sagt, denn, dass das immer feurig zugehen muss?

How can I make myself happy? Last tango in Paris, Nouvelle Vague Das glaube ich unbehört.

What should I do with my life? Columbus, Tab Two Ein Song, den ich seit Jahren nicht mehr gehört habe. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf meine Lebensplanung.

Will I ever have children? Wassermann nd Fisch, France Gall Ein Orakel antwortet auf ein anderes Orakel. Und am Ende versteht man: gar nichts.

What is some good advice for me? Get it done, Ooze Auf jeden Fall.

What do I think my current theme song is? Sing it back, Moloko. Backback.

What does everyone else think my current theme song is? Transfer please, perfect wednesday, Sixtoo Was denken die Leute eigentlich von mir?

What song will play at my funeral? Le grand dôme, Biosphere Und wie vor einem Jahr passt das erschreckend gut.

Why am I here? Wir ziehen die Zeit, Klez.E Ja … War das die Frage?

What will people remember me for? Speed is the key, Sugarcubes Nein, daran erinnern sie sich sicher nicht.

What song will I get stuck in my head tomorrow? Master and servant, Depeche Mode Ein Ohrwurm, klar.

Are there people outside waiting to take me away? Rub ‚til it bleeds, PJ Harvey Creepy.

What will this year be all about? Musicland, Clymax I don’t think so.

Lustig. Keine Dopplungen, aber überraschend häufig Passendes. Das Spiel mache ich so weiter – bis nächstes Jahr.