28. Oktober 2014 · Kommentare deaktiviert für Berlin · Kategorien: Cat Content · Tags: , ,

Ein Traum.

Ich erzähle, dass es damals die richtige Entscheidung war, nach Hamburg zu gehen. Ich erzähle, wie schwer ich mit dieser Stadt getan habe, jahrelang, aber dass ich mich mittlerweile hier wohl fühle, dass ich gerade das Gefühl habe: Nirgendwo passe ich besser hin als hierher. Ich erzähle, dass mir Berlin zu nahe kam, dass ich Abstand brauchte, dass mich Berlin wahrscheinlich über kurz oder lang aufgefressen hätte. Und dass mir immer noch das Herz aufgeht, wenn ich in Berlin bin.

Und sie nimmt mich in den Arm, zuerst denke ich, sie stimmt mir zu, aber dann merke ich, dass ihr Gesicht nass ist von Tränen. Sie schluchzt, dass sie sich freue, weil ich alles richtig gemacht hätte. Sie hält mich im Arm, lange, zu lange eigentlich, ich merke langsam, dass das hier ein Abschied ist. Ich weiß, wir werden beobachtet, ich weiß, dass uns ihr Mann beobachtet. Ich fühle, dass das jetzt ein Problem ist, ich fühle etwas Unangenehmes, aber all das, um das es hier geht, ist irgendwie unangenehm, ein Stich, eine Verletzung. Ich lasse es zu, beobachtet zu werden.

Der Traum bewegt sich in eine eigenartige Richtung.

25. Oktober 2014 · Kommentare deaktiviert für Skinheads · Kategorien: Cat Content · Tags: , , , ,

In dem schraddeligen, kleinen Punk- und Ska-Laden, in dem ich mir neulich eine Ben-Sherman-Reisetasche gekauft habe und mich hinterher fragte, ob ich mit sowas womöglich Nazis unterstützt habe (habe ich nicht, ergaben meine Recherchen), in diesem Laden ist jetzt ein Frisör. „Wunderkopf“ heißt er, er ist stilvoll minimalistisch eingerichtet, ein sehr schöner Herr und eine ebenso schöne Dame umschwirren einen Kunden, was machen sie? Richten sie ihm die Haare, oder geben sie ihm nur das Gefühl, angenehm umschwirrt zu sein?

Ich will nichts dagegen sagen. Die beiden sehen toll aus, gerade in Bezug auf ihre Haare, und es ist gut, wenn Frisöre selbst schöne Frisuren haben, das ist so ein Vertrauensding. So toll würde ich auch gerne aussehen, vielleicht würde es klappen, könnte ich mir einen Besuch bei „Wunderkopf“ leisten, wer weiß, vielleicht könnte ich es mir leisten. Ich finde es ein wenig schade, eigentlich wollte ich mir vor dem Herbst noch ein paar neue Doc Martens kaufen, das geht jetzt nicht mehr, zumindest hier nicht. Ist aber im Grunde auch egal.

Nur die Skinheads, die zuvor im Punkladen rumhingen, für die ist der „Wunderkopf“ sicher nichts mehr.

24. Oktober 2014 · Kommentare deaktiviert für Wodka · Kategorien: Cat Content

Vor ein paar Tagen wurde mir geraten, ich solle in meiner Facebook-Freundesliste Ordnung schaffen. Leute einzuteilen in „Enge Freunde“, „Bekannte“ und „Persona non grata“ würde die Timeline deutlich interessanter gestalten. Und ich mache ja, was mir aus berufenem Munde gesagt wird. Ich durchforste meine Freundesliste. Schiebe den einen zu „Enge Freunde“, die andere zu „Bekannte“, gut fühle ich mich nicht dabei, weil sowas ja heißt, dass ich eine Hierarchie unter meinen Freunden aufbauen würde, und Hierarchien fand ich noch nie besonders toll. Aber wat mutt, dat mutt, wie man hier sagt, also bilde ich Hierarchien.

Und dann stoße ich auf jemanden, der eigentlich unter „Enge Freunde“ fallen müsste, ach was, unter „Engste Freundin“, jeden Post von ihr würde ich lesen wollen. Obwohl sie nichts postet, im Grunde wäre es egal, in welche Schublade ich sie schöbe. Aber etwas sperrt sich dagegen, hier einen Klick zu machen, „enge Freundin“, das passt irgendwie nicht.

Weil sie tot ist. Seit ein paar Jahren.

Ich kann hier nicht weiter machen, ich kann hier nicht weiter kategorisieren. Ich kann nur feststellen, dass ich gerade sehr häufig an sie denke, dass mir durch den Kopf schießt: Ach, Mensch, ich rufe sie an und erzähle ihr dies und das. Und dann fällt mir wieder ein, dass das nicht geht. Im Schrank aber steht noch eine Flasche teurer Wodka, den wir einmal zu trinken angefangen haben, und dann tranken wir irgendwann nicht mehr weiter, und vielleicht mache ich den jetzt auf, vielleicht schmeckt er mir ja.

Und nichts wird gut. Und meine Freundesliste wird halbgeordnet bleiben.

Ich schreibe zu wenig. Genauer: Ich blogge zu wenig. Ich war im Urlaub in Schottland, das ergibt in der Regel immer ein paar interessante Blogbetrachtungen, aber diesmal habe ich nichts geschrieben. Keine Lust. Ich verbrachte ein paar schöne Tage in der alten Heimat Ulm, ich habe spannende Ausstellungen gesehen, vielleicht hätte ich da was drüber schreiben können, aber, ach, ich konnte es auch bleiben lassen. Die Serie „Was mache ich hier eigentlich?“, in der ich meine Lohnarbeit dokumentiere und verlinke, habe ich ausgesetzt, Sommerloch, verständlich, aber mittlerweile haben wir Oktober, das Sommerloch ist geschlossen, längst sind umfangreiche, neue Artikel von mir erschienen, und ich habe trotzdem nichts dazu geschrieben. Gibt ja torial, da findet man den ganzen Kram auch.

Ich habe den Blogblues.

Vielleicht schreibe ich gerade beruflich ausreichend. Vielleicht erlebe ich gerade soviel im eigentlich längst abgeschriebenen Real Life, dass ich die Bandschublade stiefmütterlichst behandle. Vielleicht bin ich an eine Grenze gestoßen, vielleicht ist das Bloggen, das ich hier betreibe, auch nicht mehr als das, was ich im Hauptberuf mache: klassischer Kulturjournalismus plus Links. vielleicht brauche ich neue Formen, sowas, wie wir es manchmal auf Les Flâneurs ausprobieren: kollektiv verfasste Artikel. Vielleicht mache ich was neues, vielleicht ein Fotoblog, vielleicht lasse ich einen Tumblr hier reinlaufen. So wie es zuletzt war: interessiert es mich gerade leider gar nicht.

Diese Seite wird nicht sterben, sie legt sich nur mal ein wenig schlafen. Klar, ich zahle jährlich für das Webhosting, aber natürlich ist falkschreiber.com eine schicke Adresse, wenn man Falk Schreiber heißt, die gebe ich so schnell nicht auf, und so teuer sind die Gebühren auch nicht. Vielleicht finde ich ja mal eine Verwendung für die Seite, vielleicht passiert hier demnächst was ganz neues. Vielleicht werde ich erwachsen, und falkschreiber.com wird eine klassische Präsentationsseite, mit Foto im Anzug und so. Vielleicht überkommt es mich auch wieder, und ich mache so weiter wie bisher. Bis dahin: Lasst euch nicht nerven, wenn es hier so öde zugeht wie während der vergangenen Monate. Ihr müsst nicht täglich vorbeischauen, ihr könnt mir auf Twitter folgen oder mich (falls wir uns persönlich kennen) auf Facebook befreunden, dann erfahrt ihr, was abgeht.

Ansonsten: Erstmal Danke fürs Interesse.