Ein ganzer Flur im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist vollgestopft mit, ja: Müll. Schläuche, Kanister, Autoreifen, ein ganzes, auf den ersten Blick halbwegs gut erhaltenes Tretboot, dazu viel Undefinierbares. Der Einstieg ist atemberaubend, weil er mit ganz einfachen Mitteln verdeutlicht, worum es in der Ausstellung „Endstation Meer?“ geht: Pro Sekunde werden weltweit 8000 Kilogramm Kunststoff hergestellt, langlebige Wegwerfprodukte, die allesamt im Müll landen, in nicht allzu ferner Zukunft. Müll, der nach den Gesetzen der Schwerkraft irgendwann im Meer endet, 6,4 Millionen Tonnen pro Jahr.

Darf man das? Als Kunstkritiker mit dem ästhetischen Blick auf die Zerstörung der Umwelt schauen? Darf man den ästhetischen Wert von Ruinen, von Tod, von Schmutz taxieren? Wird man dadurch zu Karlheinz Stockhausen, der 9/11 als „größtes Kunstwerk, das es je gegeben hat“ bezeichnete? Wird man zum dummen, alten Mann, der sich ästhetizistischen Provokationen gefällt? Vielleicht.

Ich jedenfalls habe die Ausstellung „Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe besucht. Und weil ich ein dummer, alter Mann bin, habe ich auch einen ästhetizistischen Artikel für die junge Welt geschrieben. Wobei, um ehrlich zu sein, auch Fukushima sieht alles in allem beeindruckend aus.

Edit: Isabel Bogdan hat die Ausstellung schon zuvor in Zürich besucht. Und ebenfalls einen Artikel geschrieben.

4 Kommentare

  1. Pingback: Endstation Meer?

  2. Aber gib’s zu, es macht Dir auch Spaß, in einem Atemzug die Tags „Fukushima, Junge Welt, Karlheinz Stockhausen, Museum für Kunst und Gewerbe, Plastik“ zu vergeben.

    • Was die Tags sollen, habe ich noch nie wirklich kapiert. Die vergebe ich einfach so aus der Hüfte.

  3. Also, ich mochte deinen Artikel. Echt jetzt. Auch wenn die Logik, dass man die Zusammenhänge auch alle selbst googeln könnte (ich kann die meisten Kunststoffe nicht mal richtig schreiben, ohne nachzuschauen), schon ein elitärer Ansatz ist. Aber ganz ohne Meckern kann ich nicht: Wenn du Cornelia Pitschis Lampe schon einen überbrätst, schau wenigstens genau hin. Ob schön oder unspektakulär liegt sicher im Auge des Betrachters – nur: zusammengeschmolzen ist da nix. „Medusa2“ wird von Klammern zusammengehalten.

    • Ich bin eben ein oberflächlicher Schluri … Ach, das ist das Blöde am Printjournalismus: Solche Ungenauigkeiten lassen sich nicht nachträglich korrigieren. Und das ist das Gute am Tageszeitungsjournalismus: Heute ist der Artikel ohnehin nur noch dazu da, einen Fisch einzuwickeln.