20. Mai 2015 · Kommentare deaktiviert für Running up that Hill · Kategorien: Cat Content

Edit: Dieses Blogstöckchen wurde mittlerweile auch von mehreren maskulistischen Blogs beantwortet, und die verlinken hierher. Ich lasse die Pingbacks aus Gründen der Dokumentation drin, rate aber dazu, genau zu prüfen, auf welchen Link man klickt.

And if I only could
I’d make a deal with god
and i’d get him to swap our places.
(Kate Bush, Running up that hill)

Verena hat mir ein Stöckchen zugeworfen, es geht um die Frage, was anders wäre, wäre ich eine Frau. Ich bin kein Freund des dualistischen Geschlechterkonzepts, aber vielleicht ist es als Gedankensspiel ja ganz schön? Mal gucken. (Ich soll sechs weitere Blogger_innen nominieren, aber seit dem Blödsinn mit der Icebucket Challenge finde ich sowas ein wenig übergriffig. Das Stöckchen soll sich nehmen, wer mag.)

Was wäre anders in deinem Leben, wenn du eine Frau wärst?

Was wäre anders, wenn ich nicht das Kind meiner Eltern wäre? Was wäre anders, wenn ich nicht dort aufgewachsen wäre, wo ich aufgewachsen bin? Was wäre anders, wäre ich nicht an bestimmten Punkten in meinem Leben bestimmten Leuten begegnet? Wahrscheinlich vieles.

Was tust du nur deshalb, weil du ein Mann bist?

Nichts. Glaube ich.

Welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?

Liebevoll mit kleinen Kindern rumtollen. Das ist doof, aber man weckt mit sowas als Mann ein gewisses Misstrauen.

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Eigentlich durch jedes Klischee, das einen in eine bestimmte geschlechtsspezifische Rolle drängt. Männer trinken Bier, essen große Mengen Fleisch, interessieren sich primär für Autos und Fußball. Gott, wie eingeschränkt..

In welcher Situation war es von Vorteil, zur Gruppe der Männer zu gehören?

Männer verdienen mehr als Frauen, für die gleiche Arbeit. Das ist so, auch in meinem Umfeld. Da muss man dagegen ankämpfen, klar. Ich bin der Meinung, dass Frauen mehr verdienen sollen, soviel wie ich, ich bin nicht der Meinung, dass ich weniger verdienen soll, soviel wie die Frauen. Entsprechend nehme ich diesen unbezweifelbaren Vorteil einfach mal hin und protestiere nur dagegen, weil er schlicht nicht begründbar ist.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich würde erstmal behaupten: alle Situationen, in denen ich Entscheidungsmacht habe. Aber stimmt das wirklich? Trete ich anderen Menschen wirklich wertfrei gegenüber? Ich arbeite lieber mit Frauen zusammen als mit Männern, das ist einfach so. Also spielt das Geschlecht hier sehr wohl eine Rolle. Frauen berühren mich mehr, beeinflussen meine Urteile. Für die Jahresbestenliste von Theater heute muss ich jedesmal lange überlegen, wen ich wohl als „Schauspieler des Jahres“ nennen werde, bei der „Schauspielerin des Jahres“ fällt mir gleich eine Handvoll ein, die mich fasziniert hat. Ich fürchte, ich muss sagen: Es wäre schön, wenn es Situationen geben würde, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt. Aber wahrscheinlich gibt es sie nicht.

Wir finden es spannend,
eine Geschichte dazu zu erzählen.

Wenn man selbst es doch so toll findet!
Dauernd kommt jemand rein und hat eine Flasche Sekt dabei oder bringt mir etwas zu essen oder holt den Hund ab und geht mit ihm spazieren.
Das war für mich mit ein Grund zu sagen:
ich möchte am Tagesende einfach etwas Schönes sehen.

Als Kind habe ich gar nicht fernsehen dürfen, ich hatte da irgendwie gar keinen großen Bezug.
Ich verkaufe hier Bücher. Sozusagen.

Ich möchte am Tagesende einfach etwas Schönes sehen.

Avocado, Krabbensalat, Tomate, was weiß ich.
Aber es ist natürlich alles überhaupt nicht optimal.
Ich werde mich aber nicht zwischendurch in den Zug setzen und nach Hause fahren oder so,
ich will das schon durchhalten.

Ich bin also davon ausgegangen, dass ich hier keine Zukunft habe.
Wollt Ihr das fotografieren?

Ich möchte am Tagesende einfach etwas Schönes sehen.

Ich mache auch sehr viel anderes.
Das Interesse am Lindy-Hop wächst immer noch,
seit Jahren geht es nur bergauf.

Sowas wie Augsburg oder Ulm, so Orte, wo man normalerweise nicht unbedingt hinfährt.
Erfolgreich ist was anderes, aber ich bin angekommen. Wenn auch eher unelegant.
Und das ist auch richtig so.

Ich möchte am Tagesende einfach etwas Schönes sehen.

Es ist wirklich das Extreme, das Krasse,
das kommt bei den Leuten am besten an.

Das hier ist ein Drohn. Man erkennt sie an den riesigen Augen.
Ich und ein Internetshop und mein Fahrrad.
Wir machen Paramente.
Schön ist natürlich, wenn bei jemandem alles kaputt ist, wenn also, salopp gesagt, alles vergammelt ist und schlimm aussieht,
dann kann man das komplett wiederherstellen.

Frag drei Leute, und du bekommst fünf Antworten.

Ich möchte am Tagesende einfach etwas Schönes sehen.

(Saxofonsolo)

Es war ganz schlimm.

Was kannst du, wo hast du Bock drauf?
Die Frage ist,
wie ich sie zusammenschlage.

Alter Wall, Bankenviertel.
Das muss man erstmal reinkriegen, man muss es üben.
Der Job an sich ist meistens ziemlich routiniert.
Ich bin Bibliothekarin, und ich segle.
Bloß, weil er schwarz ist.
Da waren wir am Anfang, oder auch teilweise bis heute, das einzige Männerpaar.
Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Freiburg und München.

Ich möchte am Tagesende einfach etwas Schönes sehen.

Wir bieten diesen Menschen eine Plattform, auf der sie ihr Leben erzählen können.

Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm geben mit ihrem wunderbaren Projekt Wasmachendieda? Menschen ein Podium für Leidenschaft und Lebensziele. Einmal, vergangenen April, übrigens auch mir.

2014 war das Jahr, in dem ein paar Halbstarke sich die Worte „Sharia-Police“ auf die hässlichen Jacken schrieben, so durch Wuppertal zogen und Betrunkene, unverschleierte Frauen und andere unislamisch aussehende Menschen anpöbelten. 2014 war das Jahr, in dem die Medien das zum Anlass nahmen, über die angebliche Islamisierung in bergischen Provinzstädten zu berichten. 2014 war das Jahr, in dem weit weniger prominent berichtet wurde, dass sich alle Islamverbände in deutlichen Worten von dem Geschehen distanzierten. 2014 war das Jahr, in dem niemand auf die Idee kam, zu erwähnen, dass Halbstarke schon immer Leute anpöbelten, das ist nicht schön, aber anscheinend hat es was mit dem Alter zu tun.
2014 war das Jahr, in dem Lann Hornscheidt an der Berliner Humboldt-Uni über Gender als soziale Konstruktion forschte, zu dem Schluss kam, dass Kategorien wie männlich oder weiblich IN DIESEM PERSÖNLICHEN FALL untauglich seien und darum BAT, künftig nicht mehr als Professor oder Professorin sondern als Professx Hornscheidt angesprochen zu werden. Woraufhin sich ein Shitstorm über Hornscheidt ergoss, von Leuten, die die Prinzipien „Bitte“ und „Vorschlag“ nicht verstanden haben und behaupteten, ihnen werde verboten „Professor“ zu sagen.
2014 war das Jahr, in dem sich Matthias Matussek in der Welt als homophob outen durfte. 2014 war das Jahr, in dem Homophobie, Überheblichkeit und Menschenverachtung als legitime Stimmen im Konzert der Meinungen rehabilitiert wurden und nicht mehr als das, was sie jahrzehntelang zu Recht waren: verachtenswerte Dummheit.
2014 war das Jahr, in dem Linke wie Dieter Dehm und Sarah Wagenknecht auf angeblichen Friedensdemos und Montagsmahnwachen neben Rechtsradikalen wie Jürgen Elsässer und Ken Jebsen standen. Eine Querfront unter dem Banner der Solidarität mit Putins Russland.
2014 war das Jahr, in dem in Berlin angeblich der Weihnachtsmarkt verboten wurde, weil „die Muslime“ das so verlangt hätten. 2014 war das Jahr, in dem das dumme Deutschland nicht hören wollte, dass „die Muslime“ rein gar nichts verlangt hatten, sondern dass der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain schlicht keine religiösen Veranstaltungen mehr ausrichten wollte, namentlich kein offizielles Fastenbrechen.
2014 war das Jahr, in dem der alles in allem eher unlustige (was hier aber nicht das Thema sein soll) Kabarettist Dieter Nuhr von einem Osnabrücker Fitnessstudiobetreiber wegen „Beleidigung des Islams“ verklagt wurde, was Nuhr Gelegenheit gab, einen Angriff auf die Kunstfreiheit zu behaupten. Was Nuhr nicht sagte: dass das Angezeigtwerden zum täglichen Job eines guten Kabarettisten gehört (aber von gutem Kabarett weiß Nuhr ja ohnehin wenig, schon klar). Was Nuhr auch nicht sagte: dass das zuständige Gericht das einzig richtige machte und die Anzeige als offensichtlich unbegründet zurückwieß.
2014 war das Jahr, in dem in Sachsen und anderswo das wohlgesittete Bürgertum die zivilisierte Maske fallen ließ und sich als das entpuppte, was es schon immer war: hässlicher, dumpfer, ressentimentgeladener Faschismus, Hass auf alles, was anders ist, Hass auf Schwule, Muslime, Intellektuelle, Künstler, Hass auf Berlin, auf Ironie, auf Vielschichtigkeit und Uneindeutigkeit. 2014 war das Jahr, in dem SPD-Chef Siegmar Gabriel sagte, man müsse den Dialog suchen, man müsse die Ängste ernstnehmen, die Ängste der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, man müsse, kurz gesagt, Pegida auf Augenhöhe begegnen.

2014 war, um ehrlich zu sein, ein Jahr, bei dem ich froh bin, wenn es endlich vorbei ist. Wobei, es gibt eigentlich keinen Grund zur Annahme, dass 2015 besser wird.

21. Dezember 2014 · Kommentare deaktiviert für Zum Advent · Kategorien: Cat Content · Tags: , , , ,

Bald ist Weihnachten, und, nein, ich habe nicht wirklich was gegen Weihnachten. An Weihnachten trifft man Familie wieder, Menschen, die man schon länger nicht mehr gesehen hat, das ist schön. An Weihnachten isst man gut, und mit gutem Essen bekommt man mich ohnehin leicht. Und an Weihnachten schenkt man sich was, ich mag Geschenke, ich freue mich, zu sehen, dass da jemand an mich gedacht hat, und ich freue mich, wenn derjenige, an den ich gedacht habe, sich freut. Alles gut.
Aber Weihnachten ist auch was anderes. Weihnachten ist die christliche Adaption eines heidnischen Winterfestes, wir feiern: die Geburt des Heilandes, einen Grundmythos einer Religion. Mit der ich allerdings so meine Probleme habe. Nur mal zur Erinnerung, aus den aktuellen Nachrichten:

– Die Horrorgestalten, die gerade in Dresden als Pegida demonstrieren, bezeichnen sich explizit als „christlich“, auch wenn andere Christen empört sagen würden, dass die hier praktizierte Aufkündigung jeglicher Nächstenliebe ja wohl alles andere als christlich sei.
– Auch der politische Arm von Pegida, die AfD, ist zutiefst christlich geprägt. Parteigründer Bernd Lucke ist tiefgläubig, Rechtsaußen Frauke Petry ist sogar mit einem Pastor verheiratet.
– Das Christentum unterscheidet sich inhaltlich nur in Details von Islamismus und radikalem Judentum, gemein ist allen drei monotheistischen Weltanschauungen: Lustfeindlichkeit, Antiintellektualimus, Homogenitätsstreben, Ablehnung von allem Devianten, insbesondere im Bereich der Sexualität.
– Wer sind noch einmal die Leute, die in Baden-Württemberg gegen eine angebliche „Frühsexualisierung“ der Jugend auf die Straße gehen? Christen, Christen, Christen.
– Übrigens: Das Copyright auf strukturellen Kindesmissbrauch liegt immer noch bei der katholischen Kirche, nicht etwa bei Grünen oder Sexualreformern.
– Das Copyright für Glaubenskriege auch.

Ich meine ja nur. Feiert ruhig, ich feiere ja auch. Aber denkt doch mal darüber nach, mit wem ihr da im Chor singt, bei der Mitternachtsmesse.

08. November 2014 · Kommentare deaktiviert für Revolution · Kategorien: Cat Content · Tags: , , ,

Am 9. November 1989 rief ich „Wir sind das Volk!“ Was pathetischer klingt als es war: Am 9. November 1989 hatte die Oper „Dantons Tod“ von Gottfried von Einem nach Georg Büchner Premiere am Ulmer Theater, und ich stand als Statist auf der Bühne. Ich durfte revoltieren, „Wir sind das Volk!“, und zwei Stunden später durfte ich jubeln, als die Guillotine Dantons Kopf abtrennte, die Revolution hatte ihre Kinder gefressen.

Die Wiedervereinigung hingegen war mir egal, nein, sie war mir unsympathisch, mir war damals schon klar, dass das alles ein Aufwallen nationaler Besoffenheit zur Folge haben würde, und, ja, das hatte es dann ja auch: Hoyerswerda, Lichtenhagen. Als ich ein Jahr später auf Sprachaufenthalt in Irland war, wurde ich im Landeskundeunterricht nach der Wiedervereinigung gefragt, und ich erzählte, dass das eine üble Geschichte sei, die in Deutschland niemand wolle. Kinder, glaubt keiner Oral History.

Mittlerweile habe ich meinen Frieden gemacht, mit dem größeren Deutschland, das mir im Grunde den Buckel runterrutschen kann, ich bin kein Deutscher, ich bin, wahrscheinlich, Nordeuropäer, so. Ich finde es schön, in kurzer Zeit von Hamburg aus in Mecklenburg zu sein, ich mag die menschenleere Landschaft, ich mag die Ostsee, ach, ich habe ja sogar auf dem Darß geheiratet, ohne Wiedervereinigung hätte das nicht funktioniert, also, ist alles gut. Ich hätte wahrscheinlich Katrin nicht kennengelernt, die aus Brandenburg nach Hamburg zog, es ist gut. Feiert schön, ich freue mich mit für euch.

Aber das Volk bin ich nicht.

02. November 2014 · Kommentare deaktiviert für Ponderosa · Kategorien: Cat Content · Tags: , , ,

Seit Jahren mal wieder Trickys „Maxinquaye“ gehört. Schon irre, wie unerhört diese 20 Jahre alte Musik immer noch klingt, diese schlurfende, kalte, beunruhigende Musik, diese hochsexualisierte Musik. Dabei festgestellt, dass Tricky damals ein Modell für Sexualität anbot, das heute vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Heute ist Sexualität eigentlich nur noch: so ein Ausschließlichkeitsmodell, vulgo Ehe, Treue, Dings. Oder aber etwas, das in der Nachbarschaft zu Fitness und Sport steht, vulgo Rumgeficke. „Maxinequaye“ war anders. Auf „Maxinquaye“ war Sex vor allem eine Strategie, die Zumutungen des Kapitalismus auszuhalten, hier ein paar Küsse, dort ein paar Berührungen, schon ist einem nicht mehr ganz so kalt.

Der Sex auf „Maxinquaye“ war traurig, ich meine, es ist ja klar, dass diese Wärme nicht hält, andererseits, andere nehmen Drogen, und auch Drogennutzer wissen, dass das Runterkommen schlimm werden wird. Aber wenn die einzige Alternative ist, die Welt ohne Drogen aushalten zu müssen, dann nimmt man den Horror des Runterkommens in Kauf. Oder eben Sex, statt Drogen. Sex, den manchmal jemand mit einem teilt, nicht aus Eigennutz, nicht aus Liebe, sondern aus Solidarität. Jemandem zu helfen, die Unerträglichkeit ein wenig auszuhalten.

Mir gefällt dieses Modell, immer noch. Und dass es praktisch kaum noch gelebt wird, das hat, fürchte ich, etwas damit zu tun, dass Solidarität überhaupt derzeit nicht den besten Ruf hat. I drink till I’m drunk and I smoke till I’m senseless.

28. Oktober 2014 · Kommentare deaktiviert für Berlin · Kategorien: Cat Content · Tags: , ,

Ein Traum.

Ich erzähle, dass es damals die richtige Entscheidung war, nach Hamburg zu gehen. Ich erzähle, wie schwer ich mit dieser Stadt getan habe, jahrelang, aber dass ich mich mittlerweile hier wohl fühle, dass ich gerade das Gefühl habe: Nirgendwo passe ich besser hin als hierher. Ich erzähle, dass mir Berlin zu nahe kam, dass ich Abstand brauchte, dass mich Berlin wahrscheinlich über kurz oder lang aufgefressen hätte. Und dass mir immer noch das Herz aufgeht, wenn ich in Berlin bin.

Und sie nimmt mich in den Arm, zuerst denke ich, sie stimmt mir zu, aber dann merke ich, dass ihr Gesicht nass ist von Tränen. Sie schluchzt, dass sie sich freue, weil ich alles richtig gemacht hätte. Sie hält mich im Arm, lange, zu lange eigentlich, ich merke langsam, dass das hier ein Abschied ist. Ich weiß, wir werden beobachtet, ich weiß, dass uns ihr Mann beobachtet. Ich fühle, dass das jetzt ein Problem ist, ich fühle etwas Unangenehmes, aber all das, um das es hier geht, ist irgendwie unangenehm, ein Stich, eine Verletzung. Ich lasse es zu, beobachtet zu werden.

Der Traum bewegt sich in eine eigenartige Richtung.

25. Oktober 2014 · Kommentare deaktiviert für Skinheads · Kategorien: Cat Content · Tags: , , , ,

In dem schraddeligen, kleinen Punk- und Ska-Laden, in dem ich mir neulich eine Ben-Sherman-Reisetasche gekauft habe und mich hinterher fragte, ob ich mit sowas womöglich Nazis unterstützt habe (habe ich nicht, ergaben meine Recherchen), in diesem Laden ist jetzt ein Frisör. „Wunderkopf“ heißt er, er ist stilvoll minimalistisch eingerichtet, ein sehr schöner Herr und eine ebenso schöne Dame umschwirren einen Kunden, was machen sie? Richten sie ihm die Haare, oder geben sie ihm nur das Gefühl, angenehm umschwirrt zu sein?

Ich will nichts dagegen sagen. Die beiden sehen toll aus, gerade in Bezug auf ihre Haare, und es ist gut, wenn Frisöre selbst schöne Frisuren haben, das ist so ein Vertrauensding. So toll würde ich auch gerne aussehen, vielleicht würde es klappen, könnte ich mir einen Besuch bei „Wunderkopf“ leisten, wer weiß, vielleicht könnte ich es mir leisten. Ich finde es ein wenig schade, eigentlich wollte ich mir vor dem Herbst noch ein paar neue Doc Martens kaufen, das geht jetzt nicht mehr, zumindest hier nicht. Ist aber im Grunde auch egal.

Nur die Skinheads, die zuvor im Punkladen rumhingen, für die ist der „Wunderkopf“ sicher nichts mehr.

24. Oktober 2014 · Kommentare deaktiviert für Wodka · Kategorien: Cat Content

Vor ein paar Tagen wurde mir geraten, ich solle in meiner Facebook-Freundesliste Ordnung schaffen. Leute einzuteilen in „Enge Freunde“, „Bekannte“ und „Persona non grata“ würde die Timeline deutlich interessanter gestalten. Und ich mache ja, was mir aus berufenem Munde gesagt wird. Ich durchforste meine Freundesliste. Schiebe den einen zu „Enge Freunde“, die andere zu „Bekannte“, gut fühle ich mich nicht dabei, weil sowas ja heißt, dass ich eine Hierarchie unter meinen Freunden aufbauen würde, und Hierarchien fand ich noch nie besonders toll. Aber wat mutt, dat mutt, wie man hier sagt, also bilde ich Hierarchien.

Und dann stoße ich auf jemanden, der eigentlich unter „Enge Freunde“ fallen müsste, ach was, unter „Engste Freundin“, jeden Post von ihr würde ich lesen wollen. Obwohl sie nichts postet, im Grunde wäre es egal, in welche Schublade ich sie schöbe. Aber etwas sperrt sich dagegen, hier einen Klick zu machen, „enge Freundin“, das passt irgendwie nicht.

Weil sie tot ist. Seit ein paar Jahren.

Ich kann hier nicht weiter machen, ich kann hier nicht weiter kategorisieren. Ich kann nur feststellen, dass ich gerade sehr häufig an sie denke, dass mir durch den Kopf schießt: Ach, Mensch, ich rufe sie an und erzähle ihr dies und das. Und dann fällt mir wieder ein, dass das nicht geht. Im Schrank aber steht noch eine Flasche teurer Wodka, den wir einmal zu trinken angefangen haben, und dann tranken wir irgendwann nicht mehr weiter, und vielleicht mache ich den jetzt auf, vielleicht schmeckt er mir ja.

Und nichts wird gut. Und meine Freundesliste wird halbgeordnet bleiben.

Der Liebster-Award ist ein Projekt, das nicht so bekannte Blogs vernetzen soll. Na, Dankeschön, liebes Wortstroh, dass ich da zu gezählt werde. Andererseits, so wahnsinnig falsch ist das ja nicht. Also beantworte ich brav die Fragen, die mitgeliefert wurden, auf Stöckchen kann ich ja ohnehin immer.

1. Hast du eine typische Redewendung, die du ständig verwendest?

„Im Grunde.“ Aber eigentlich ist es so, dass ich, wenn ich sowas merke, mich bemühe, das abzustellen. Im Grunde mache ich das.

2. Arbeitest du am besten/liebsten allein und abgeschottet oder mit anderen Leuten um dich herum?

Ich arbeite am liebsten allein. Für den kreativen Prozess der Arbeit habe ich aber gerne Leute in meinem Umfeld. Tja.

3. Auf einer Skala von Scooby-Doo bis GrumpyCat – wie kontaktfreudig bist du?

Maximilian Buddenbohm würde mich ohne mit der Wimper zu zucken als Grumpy Cat bezeichnen. Ich sehe mich ja eher als so eine Art Inspektor Canardo, also, nicht wahnsinnig kontaktfreudig, aber cool, mit Schlag bei Frauen, über den Dingen stehend und gleichzeitig melancholisch, weil, zuviel Coolness macht auch einsam. Aber das ist ja so eine Sache, mit Fremd- und Selbstwahrnehmung.

4. Würdest du für ein tolles Jobangebot ins Ausland oder ans andere Ende von Deutschland ziehen?

Hey, ich bin für ein tolles Jobangebot ans andere Ende von Deutschland gezogen! Also, würd‘ ich nicht nochmal machen – dann wäre ich ja wieder zurück, dort, wo ich hergekommen bin. Und das will doch niemand.

5. Fährst du lieber Auto oder lieber Bahn?

„Isch ‚abe gar kein Auto.“ Manchmal sitze ich allerdings in einem Mietwagen, und da macht mir das Fahren durchaus Spaß. Was aber auch damit zu tun haben könnte, dass das meist im Urlaubskontext passiert, und da macht mir eigentlich alles Spaß.

6. Würde es dir schwer fallen, eine Woche komplett auf Internet zu verzichten?

Ja.

7. Würdest du jemanden anlügen, um ihm eine unangenehme Wahrheit zu ersparen?

Lügen, also: So richtig, ins Gesicht schauen und „Schatz, nein, natürlich habe ich im Hotel übernachtet, ich weiß gar nicht, von welcher Frau du sprichst!“ sagen? Mit einem Lächeln im Gesicht? Würde ich nicht. Aber etwas nicht direkt auf den Tisch legen, das würde ich schon. Hilft ja niemandem, wenn man das Gegenüber verletzt.

8. Dein Traumurlaub?

Egal wo, nur mit der schönen, klugen Frau sollte es sein. Mit der wird sogar Bremerhaven ein lohnendes Reiseziel.

9. Du sitzt bei einem Essen mit wichtigen Leuten (aktueller oder zukünfiger Chef, Schwiegereltern des/r Partners/in, wichtiger Geschäftspartner) und dein Gegenüber benimmt sich daneben oder äußert sich (für dich) indiskutabel über etwas. Was machst du?

Was genau macht das Gegenüber? Erzählt schwulenfeindliche Witze? Bekundet seine Sympathie für die AfD? Dann würde ich mich fragen, wie es überhaupt soweit kommen konnte, mit solchen Leuten am gleichen Tisch zu sitzen.

10. Wenn dein Leben ein Film oder eine Serie wäre – welcher Song liefe in den Opening Credits?

Als großer Freund von Thomas Arslan, Ulrich Köhler, Christian Petzlod und anderen Berliner-Schule-Regisseuren, würde ich mir einen Film wünschen, bei dem die Opening Credits ohne Musikuntermalung laufen. Danke.

Und jetzt soll ich dieses Stöckchen an zehn weitere Blogger schicken? Och nö, ich finde sowas ja immer ein wenig übergriffig, so kettenbriefmäßig. Wer Lust hat, möge sich folgende Fragen nehmen und selbstständig beantworten, wer nicht, lässt es bleiben. Ja?

1. In welcher Stadt möchtest du nicht leben?

2. Was war deine letzte Lüge?

3. Eine vollkommen irrationale Angst, die dich nicht loslässt?

4. Wann bist du glücklich?

5. Ein Film, den du nicht bis zum Ende geschaut hast?

6. Bei welcher Sprache findest du es schade, dass du sie nicht beherrschst?

7. Was passiert nach dem Tod?

8. Ein immer wiederkehrender Traum?

9. Welches Kleidungsstück ist absolut überbewertet?

10. Was isst du nicht?