10. Januar 2013 · Kommentare deaktiviert für Der alte Clown träumt · Kategorien: Bretter · Tags: , ,

Ich würde jetzt ja gerne ein Foto posten, wie es so war, gestern, beim Cirque du Soleil. Weil Bilder das wichtigste waren bei dieser Show namens „Corteo“, die inhaltlich doch ein großer Schmu war, der alte Clown träumt, er sei gestorben, und auf seiner Beerdigung seien alle Kollegen versammelt, das Orchester und die Hochseilartisten und der Riese, und dann treiben sie Schabernak. Schönheiten hängen sich in die Kronleuchter (Trapezartistik ist mit das langweiligste, das ich mir vorstellen kann, aber sobald das Trapez kein Trapez ist, sondern ein Konleuchter, sieht das Ganze gleich anders aus, ehrlich!), eine Kleinwüchsige wird an riesigen Luftballons durchs Publikum geschubst (was diskriminierend klingt, aber eigentlich diskriminiert es nicht, im Gegenteil, in diesem Moment hätte ich mich ebenfalls gerne an solch einen Ballon gehangen), eine Langbeinige tanzt übers Seil. Ich ärgere mich ein wenig, weil das alles auf der Überwältigungsschiene passiert, bis mir klar wird, dass diese Überwältigung ja das Konzept ist, dass es um nichts anderes geht als darum, den Zuschauer mit offenem Mund auf die Bühne starren zu lassen. Und mein Mund ist offen.

Und wie gesagt, ich würde gerne verdeutlichen, wie das war, wie überwältigend, wie berauschend schön, aber leider war Fotografieren verboten, und während der gesamten Show wuselten Securitymenschen durchs Publikum und achteten darauf, dass dieses Verbot eingehalten wurde. (Einer Frau rechts von mir wurde recht rüde das Smartphone abgenommen, ob sie überhaupt zum Foto angesetzt hat, habe ich gar nicht gesehen.) Und das ist eben die Nachtseite dieses charmanten, phantasievollen, träumerischen Unterfangens: Der Cirque du Soleil ist ein global agierendes Entertainmentunternehmen (Eintrittsppreise: zwischen 40 und 100 Euro), das peinlich genau darauf achtet, dass nichts die perfekte Inszenierung stört. Vor allem keine Fotografen, die womöglich Bilder machen, die nicht kontrollierbar sind, die womöglich etwas gezeigt hätten, das hinter der Inszenierung versteckt ist. Plötzlich ist mir „Corteo“ ein wenig unsympathisch, auch wenn alles atemberaubend aussieht, ein paar Straffungen hätten der Show schon gut getan, eine „Romeo und Julia“-Nummer etwa war zum Fremdschämen. Und dann fahren wir nach Hause, weg aus dem Industriegebiet im Osten der Stadt, weg von den LKW-Höfen und den Autobahnauffahrten, ernüchtert, kalt ist es mittlerweile auch geworden, und es regnet.

(Dass ich mit Zirkus grundsätzlich nicht soviel anfangen kann, habe ich schon früher mal beschrieben. Aber der Cirque du Soleil ist ja anders, sagt man.)

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