Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich wahnsinnig über Bild aufregen. Ich behaupte nicht, dass dieses Unterhaltungsmedium ein echtes journalistisches Angebot sei. Ich bin angewidert vom ultraemotionalisierten, antiintellektuellen Ton, mit dem die großen Schlagzeilen mich anbrüllen. Ich habe Probleme mit der politischen Macht dieses Mediums, mit der politischen Macht, die im Zweifel grundsätzlich nach rechts pendelt, chauvinistisch, sexistisch, sozialdarwinistisch, populistisch, rassistisch. Ich sehe die juristischen Taschenspielertricks, mit denen Bild arbeitet, Tricks, die darauf abzielen, Menschen verächtlich zu machen, Leben zu zerstören, grundsätzliche Persönlichkeitsrechte zu verletzen, regelmäßig dokumentiert im seit Jahren ununterbrochen lesbaren Bildblog. Würde ich einen Journalistenpreis erhalten, den auch Kollegen von der Bild bekommen, ich würde ablehnen.

Ich habe mich nicht dagegen gewehrt, die 60-Jahre-Jubiläums-Bild ungefragt in den Briefkasten gesteckt zu bekommen. Fand ich müßig, auch ein wenig wohlfeil, so einen einfachen Protest. Inhaltlich möchte ich nicht über dieses Druckerzeugnis urteilen, zumal die Redaktion Kreide gefressen zu haben scheint, angesichts der Tatsache, dass wohl auch einige Bild-kritische Geister das Blatt im Briefkasten haben dürften. Mir ist allerdings unwohl dabei, dass ein Großteil der Empfänger das Machwerk gleich ins Altpapier stecken werden: was für eine widerliche Ressourcenverschwendung! Aber: Wenn der Springer-Verlag seine Texte verschenken will, dann soll er doch. Wobei, „verschenken“ ist das falsche Wort. Wie man hört, hat der Verlag seine Anzeigenpreise für diese Ausgabe verzehnfacht, auf vier Millionen Euro pro Seite – die Jubiläums-Bild ist, wenn diese Rechnung aufgeht, ein ganz schönes Geschäft für den Verlag. Das bezahlt wird von den Firmen, die hier Anzeigen geschaltet haben – und die werden ihre Ausgaben mit Sicherheit an ihre Kunden weiter geben, also an uns. Zumindest, wenn wir Kunden dieser Firmen sind.

Die folgende Liste soll kein Boykottaufruf sein, meinetwegen kann jeder kaufen, was er will. Aber überlegen, ob man eine Firma unterstützen möchte, die Bild ihr Geld in den Rachen wirft, das darf man schon. Die Jubiläums-Bild enthält Anzeigen von

Sky

VW

DHL/meinpaket.de

Lidl

Opel

Media Markt/Media-Saturn-Holding

Telekom

C&A

Haribo (Mist!)

Vodafone (über deren Netz dieser Post gerade online gestellt wird)

O2/Teléfonica

Auto Teile Unger

(Ich persönlich fände es übrigens auch wunderbar, gäbe es vergleichbare Listen auch mit Firmen, die Werbeblöcke im Privatfernsehen schalten.

2 Kommentare

  1. > Haribo (Mist!)

    Trolli? :)