21. März 2013 · Kommentare deaktiviert für Ende der Diskussion · Kategorien: Cat Content · Tags: , , , , ,
Hipster mit Hund auf der ohnehin recht hipnessgefährdeten Plaza dos de Mayo in Madrid.

Hipster mit Hund auf der ohnehin recht hipnessgefährdeten Plaza dos de Mayo in Madrid.

Dieser Text ist ein Abschluss. Dieser Text wird der letzte Text sein, in dem ich den Begriff Hipster verwende. Weil der Begriff nichts mehr aussagt, weil der Begriff überlagert ist von Hate Speech, Konformitätsdruck, Rechthaberei, weil „schon alles gesagt wurde, nur noch nicht von jedem“ (frei nach Karl Valentin).

Ganz grundsätzlich mag ich Hipster ja nicht besonders. Die Gleichförmigkeit. Das Radiohead-Hören (ja, schon Indie, aber bitte nicht allzu obskur. Eine Band, deren Musik soviel klüger ist als ihre Fans). Die unangenehme Art, das eigene Empfinden als Maßstab für alles und jedes zu setzen. Das Beharren darauf, Hedonist zu sein, aber das Wort „Lust“ nicht einmal buchstabieren zu können. Die selbstgewählte Bulimie. Die Wurstigkeit gegenüber Bildung. Der Vegetarismus (nichts gegen Vegetarismus, übrigens, gute Sache). Die falsch verstandene Ironie. Der Sexismus. Die Konsumgeilheit. Apple. Die Begeisterung für Berlin ohne den Hauch eines Verständnisses dafür, was das ist: Berlin. Das bringt mir alles nichts mehr, dass ich mich da drüber aufrege. Die Diskussion ist vorbei.

Wären da nicht die Hipsterhasser.

Die Hipsterhasser, das sind leider nicht die Leute, die die oben beschriebenen Charakterzüge ebenfalls unangenehm finden, die Hipsterhasser sind die Leute aus den Vororten. Und was sie hassen, ist nicht der Hipster, was sie hassen ist die Großstadt, beziehungsweise das, wofür die Großstadt steht. Mulitikultur. Vieldeutige Sexualität. Eine heterogene Gesellschaft. Tatsächlich Hedonismus, Drogen, die mehr sind als der Alkoholrausch am Wochenende, Leidenschaft, die mehr ist, als den Partner heimlich mit seinem besten Freund zu betrügen. Überhaupt, all das, was nicht mehr überschaubar ist. Die Kontrolle zu verlieren, Kontrollverlust, das fürchtet Thilo Sarrazin (Achtung, Link verursacht Übelkeit) am meisten. Indem man sich gegen Hipster stellt, steht man in einer Reihe mit diesen Figuren, und in dieser Reihe will ich nicht stehen.

Ich will etwas neues. Ich will Hipster jenseits der Hipsteridiotie. Ich will einen anderen Begriff finden. Für das Wahre, für das Schöne. Von Hipstern will ich nicht mehr sprechen.

(Auch andere beackern das Feld. Enrico Ippolito beschrieb heute in der taz, weswegen das Hipstertum mittlerweile an allem schuld ist. Und Nike Jane konstatierte schon vor ein paar Tagen, dass die Diskussion nirgendwo mehr hinführt.)

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