17. März 2013 · Kommentare deaktiviert für Gips und Draht · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , ,

Ich war immer ein schlechter Schüler in Kunst. Was vor allem deswegen bemerkenswert ist, weil ich die Inhalte, die hier vermittelt wurden, eigentlich meine gesamte Schulzeit über interessant fand. Wahrscheinlich war es so, dass ich annahm, dass diese Inhalte zu kurz kamen, vielleicht wollte ich auch nicht glauben, dass ein baden-württembergischer Lehrer, ein Mensch, der im Sold eines Landes stand, das alle von mir verachteten bürgerlichen Attribute in sich vereinte, irgendetwas von Kunst verstehen sollte, Kunst, die doch im Grunde ein Tritt gegens Schienbein aller Bürgerlichkeit sein sollte. (Was im übrigen ein Problem ist, das ich immer noch nicht für mich gelöst habe.) Eigentlich war ich nur einmal wirklich begeistert im Unterricht dabei, und zwar, als wir die Skulpturen Alberto Giacomettis durchnahmen. Damals stellten wir selbst eine Variante von Giacomettis „Schreitendem“ her: Wir fertigten einen Sockel aus Styropor, auf dem wir ein Gerippe aus Draht errichteten. Dieses Gerippe ummantelten wir mit Gipsbinden, und nachdem diese getrocknet waren, malten wir die entstehende Skulptur in Grautönen an. Eigentlich fand ich immer doof, was ich im Kunstunterricht fabriziert hatte, aber auf diesen Möchtegern-Giacometti war ich ziemlich stolz, tatsächlich bin ich es heute immer noch. (Keine Ahnung, ob das Ding noch existiert, vielleicht steht es im Keller meiner Mutter, vielleicht ist es während irgendeines Umzugs verschwunden. Egal.)

In Hamburg laufen derzeit übrigens zwei umfangreiche Giacometti-Ausstellungen, in der Kunsthalle und im Bucerius Kunst Forum. Kann ich nur empfehlen. Und in der jungen Welt habe ich auch etwas darüber geschrieben.

In der Kunsthalle ist tatsächlich Giacomettis Entwurf für die Chase-Manhattan-Plaza aufgebaut, der »Schreitende Mann II«, der »Große Kopf« und die »Große Stehende II« (alle 1960), monumentale Werke, die praktisch nie gemeinsam zu sehen sind. Die ansonsten abgedunkelte Kunsthalle öffnet ihre Fenster in den Stadtraum, man schaut auf die Alster, gleichzeitig auf die drei Skulpturen, und merkt: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht, und die Umsetzung dieser Gedanken hat er sich was kosten lassen. Schön.

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