– Du hängst auch immer mehr auf dem Sofa rum.

– Ich? Wieso?

– Wann warst du denn das letzte Mal im Theater?

– Am Freitag zum Beispiel, im Schauspielhaus, „Der große Gatsby“ in der Regie von Markus Heinzelmann. Und gestern abend im Thalia, „Quijote. Trip zwischen den Welten“ von Stefan Pucher.

– Ach. Und warum liest man auf der Bandschublade nichts daraüber? Früher hast du da immer etwas geschrieben.

– Naja, über den „Gatsby“ wollte ich eigentlich den gnädigen Mantel des Schweigens breiten.

– Und der Pucher-Abend?

– Der war klasse. Aber da wollte ich eine Besprechung für die junge Welt machen, kommende Woche. Kannst du dir ja kaufen, das wäre ohnehin gut, damit unterstützt du die Revolution.

– Ach was. Du bist jetzt revolutionär, bloß weil du für die junge Welt einen Text schreibst und nicht etwa für die Welt? Mach dir nichts vor: Du schreibst für denjenigen, der dich bezahlt und deiner journalistischen Eitelkeit schmeichelt, und wenn dich die Welt anrufen würde, dann würdest du für die auch etwas schreiben. Die Idee, durch bewussten Konsum das System zu ändern, ist doch ohnehin naiv. Als ob du mit deinem komischen nicaraguanischen Kaffee, den du da trinkst, irgendetwas ändern würdest.

– Immerhin geht der Gewinn direkt an die Kooperative und nicht an irgendwelche komischen Zwischenhändler.

– Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Naja. Aber heute abend gibt es wenigstens eine „Tatort“-Kritik auf der Bandschublade, oder?

– Nö, gibt es nicht.

– Weswegen denn nicht?

– Weil heute abend ein „Tatort“ aus Leipzig kommt. Und die Leipziger Krimis sind so schlecht, die tue ich mir einfach nicht mehr an. Ich mache anderes, lese was, kille Zombies, komme meinen ehelichen Pflichten nach, egal, auf jeden Fall schaue ich keinen „Tatort“. Und schreibe dann entsprechend auch nichts darüber.

– Das ist aber nicht der Job eines Kritikers. Der Kritiker muss doch dahin gehen, wo es wehtut, oder?

– Dafür trinke ich ja den nicaraguanischen Revolutionskaffee.

1 Kommentar

  1. I’ll have what he’s having