15. September 2012 · Kommentare deaktiviert für Ästhetik des Scheiterns (6): Ein Pfund Fleisch/Blumenkohl · Kategorien: Ästhetik des Scheiterns · Tags: , , ,

Einmal erzählt Shylock, wie Antonio sein Vermögen gemacht habe: Antonio gab Kredite nach Afrika, damit die Afrikaner europäische Firmen beauftragen konnten, Infrastrukturprojekte zu stemmen. Das Geld blieb also in Europa, während Afrika immer mehr Schulden anhäufte, die dann mit Rohstoffen getilgt werden mussten – nur damit die Afrikaner am Ende auf ihren neu gebauten Straßen verrecken. Kapitalismus, wie ihn sich Klein-Erna vorstellt. Dass das System aber viel raffinierter ist, dass am Ende gar niemand mehr durchsteigt, wer jetzt warum welchen Gewinn macht, das ahnt dieses Stück nicht einmal.

Was gibt es zu erzählen, über die Premiere von Albert Ostermaiers „Ein Pfund Fleisch“ am Hamburger Schauspielhaus? Vielleicht dies: dass ich die Einordnung des Lyrikers Ostermaier unter die Dramatiker für ein großes Missverständnis halte. Und dass das Schauspielhaus allen Unkenrufen zum trotz immer noch dichte, konzentrierte Theaterabende zustande bekommt, selbst wenn die Vorlage nur naja ist. Und alles weitere steht bei der Nachtkritik.

+++

Ich mache derweil lieber noch eine kleine Ästhetik des Scheiterns. Blumenkohl mit Tomatenconfit und Oliven. Hmm.

Versuchsanordnung:

1. Zwei Esslöffel Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, eine Zwiebel und vier Knoblauchzehen anschwitzen und die Hälfte von 750 g reifen Kirschtomaten dazugeben (im Rezept wurde sogar ein Kilo Tomaten verlangt, aber das erschien mir dann doch allzu tomatig). Ungefähr zehn Minuten erhitzen, immer wieder stark rühren, bis sich die Haut von den Tomaten löst, leicht zerdrücken. Eine halbe Tasse Wasser zugeben (das Rezept verlangte 100 ml, aber seit der Küchenrenovierung finde ich den Messbecher nicht mehr, es ist ein Kreuz!), mit Salz, 1 EL Honig und den Blättern einiger Zweige Thymian würzen.

2. Von einem mittelgroßen Blumenkohl die Blätter weitgehend abschneiden. Blumenkohl in den Topf legen, mit den restlichen Tomaten bedecken, aufkochen, rund 15 Minuten bei schwacher Hitze bissfest kochen.

3. Währenddessen 100 g Feta zerdrücken und mit 1/2 Bund Basilikum zerdrücken. Fertigen Blumenkohl mit Basilikumfeta und 100 g klein gehackten schwarzen Oliven bestreuen. Mit ein bis zwei Esslöffeln Olivenöl beträufeln und mit Basmatireis servieren..

Ergebnis: Ungewöhnlich lecker, das. Immer noch ziemlich tomatenlastig, ein Pfund hätte es auch getan, aber sonst: topp. Optisch allerdings nach einem Tag ein ziemlich unansehlicher, rot-weiß-grünlicher Matsch. Das Rezept empfahl als Beilage Quinoa, ich aber halte Quinoa für ein Verbrechen an der Kulinarik und hielt mich an den Reis. Eine gute Entscheidung.