Ich esse Fleisch. Ich bin da nicht stolz drauf, eigentlich würde ich gerne auf Fleisch verzichten, aus preislichen, aus gesundheitlichen, vor allem aber aus moralischen Gründen, ich mache es nicht. Dabei ist es nicht so, dass etwa der soziale Druck zu hoch wäre, im Gegenteil, in meinem Umfeld gibt es viele Vegetarier, niemand würde mir mit der duftenden Lammkeule vor der Nase herumwedeln, „Hmm! Möchtest du auch?“ Auch die Erziehung ist nicht schuld, bei meinen Eltern gab es zwar Fleisch, aber nicht ideologisch, also, nicht, dass jeden Tag ein Braten in dunkler Soße auf dem Tisch hätte stehen müssen. Nein, wahrscheinlich ist es so: Mir schmeckt Fleisch schlicht. Schweinfleisch, Rind, Geflügel, Lamm, vor allem Lamm.
Allerdings: Ich esse wenig Fleisch. Und wenn ich welches kaufe, dann meistens aus dem Bioladen, oder zumindest aus der Bioabteilung des Discounters. Ich weiß, ich lüge mir damit in die eigene Tasche, Fleischfressen ist Fleischfressen, und Discounterkram ist gleich nochmal übler, egal ob Bio oder nicht. Ich könnte auf Fleisch verzichten, Vegetarismus, kein Problem, wichtig sind mir Gewürze, wichtig sind mir, nicht zuletzt, Milchprodukte. Ohne Milch, ohne Sahne, ohne Käse könnte ich nicht. Ein Vegetarier zu sein, das könnte ich mir vorstellen, ein Veganer – nein.

Der US-amerikanische Romancier Jonathan Safran Foer hat ein Sachbuch über den Fleischverzehr geschrieben, „Tiere essen“. Und gestern lasen die Übersetzer Brigitte Jakobeit, Ingo Herzke sowie die wunderbare Isabel Bogdan im Restaurant Trific in Hoheluft aus „Tiere essen“. Und zwischen den einzelnen Passagen servierte Oliver Trific ein dreigängiges veganes Menü. Vegan! Und das war auch noch lecker! (Wenn man davon absieht, dass ich den Apfelstrudel zum Nachtisch ein wenig trocken fand und die Schöne sich nicht mit der Sojamilch im Cappuccino anfreunden wollte). Ich aber esse Fleisch, bald wieder.

Das Foto zeigt den Nachtisch, Strudel mit Zimtsorbet. Keine Ahnung, wie man so etwas vegan hinbekommt, ich würde es auf keinen Fall schaffen.