30. Juli 2013 · Kommentare deaktiviert für Falks kleine Lebensberatung (Juli 2013) · Kategorien: Allgemein · Tags: , , , , , , , , ,

Ach, der Juli. Ein schlechter Monat für Blogger, wenig Besucher, wenig Themen, alle sind im Urlaub. Ich ja auch. Aber: 2013 war es immerhin schon besser als 2012, langsam nährt sich das Eichhörnchen, aber es nährt sich. Nur: wofür eigentlich?

1. castorf gießen theaterwissenschaft Volksbühnen-Intendant Frank Castorf studierte Theaterwissenschaft, das schon, aber soweit ich weiß an der Humboldt-Uni. Ob er wohl in Gießen mal Gastdozent war? Waren ja über die Jahre so ziemlich alle wichtigen Theatermacher, das kann also schon sein, aber als ich in Gießen studierte, war Castorf  nicht da. Was es gab: Ein Graffito an der Fachbereichsbibliothek neben dem Institut für Theaterwissenschaft, „Castor stoppen“, aus demeines nachts ein „Castorf stoppen“ gemacht wurde. Fand ich damals sehr lustig.

2. damien hirst war schlechter schüler Keine Ahnung. Grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass Hirst nicht besonders gut in der Schule war, ich meine, Albert Einstein war auch kein guter Schüler, und zum Einstein braucht es schon noch ein bisschen mehr als zum Erfolgskünstler. Ich war übrigens auch nicht gut in der Schule, die in der Stadt stand, in der Einstein einst geboren wurde.

3. jana schulz schauspielerin rechts Kann ich, um ehrlich zu sein, ganz und gar nicht glauben. Aber vielleicht ist die Frage gar nicht politisch gemeint? Vielleicht wird nach einem Theaterfoto gesucht, auf dem Jana Schulz rechts zu sehen ist?

4. sandra hüller splitternackt Da gibt es mehrere Filme, in denen Sandra Hüller nackt zu sehen ist, und alle sind sie sehenswert. Ich empfehle stellvertretend „Über uns das All“, wobei, ich erinnere mich nicht mehr genau, ob sie da nicht nur untenrum nichts trug? Und hier wurde ja explizit nach „splitternackt“ gesucht? Allerdings – in dem Film ging es auch gar nicht in erster Linie um Nacktheit.

5. brezel sex Es gibt einen Film? Roman? Theaterstück? … Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall erzählt der Protagonist da, dass er einen Crush auf die ukrainische Politikerin Julija Tymoschenko habe, insbesondere wegen ihres auffälligen Haarkranzes, der ihn an eine Brezel erinnerte. Er habe daraufhin nach Sexbildern von Tymoschenko gegooglet, und zwar mit den Suchbegriffen „Brezelfrisur Sex“ – und sei dabei auf Seiten geraten, in denen Leute Brezeln als Tool in ihr Liebesspiel integriert hätten, Brezeln in Vulven, Brezeln um Schwänze geschlungen … Äh. Weiß jemand, wo diese Erzählung herkommt? Womöglich könnte man dem armen Googler auf der Bandschublade helfen.

6. westerwelle times square Guido Westerwelle war sicher auch mal auf dem Times Square, hat dort aber kaum politische Spuren hinterlassen. Der Googler meinte Graf von und zu Emporkömmling.

7. strand in hamburg Gibt es mehrere. Der bekannteste (und wohl auch überlaufenste) ist der in Oevelgönne, hinter dem Museumshafen. Viele empfehlen das Falkensteiner Ufer, ein gutes Stück elbabwärts.

8. dicke voyeur auf der leiter Es gibt Filme, in denen fällt er mit 100-prozentiger Sicherheit runter.

12. Mai 2012 · Kommentare deaktiviert für 99-Cent-Shop-Kunst · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , , , , , ,

„Lange schon währte das Gerücht, ich wolle endlich mal das in meinem privaten Umfeld mittlerweile mythisch gewordene Fliesenprojekt (verewigt in meinem Buch The Fliesen Years, Bd. I- III) in Angriff nehmen“, schrieb der in jeder Hinsicht empfehlenswerte Kid37 schon vor über einem Jahr in einem eigenartig martktschreierisch betitelten Post namens „Yippie-yah-yah-yippie-yippie-yeah“. „Zwar half mir zunächst mitleidsvoll eine stadtbekannte Bloggerin mit ihrem E10-befeuerten Mobil, aber dann gab es neue Probleme, dann schien die Sonne, dann mußte (sic!) ich arbeiten und dann hatte ich keine Zeit.“ Als ich den Text, der auf diesem wunderbaren Niveau weiter geht, erstmals las, fand ich ihn nur gelungen; seit aber die schöne, kluge Frau (die besser als ich versteht, dass Wohnungseinrichtung auch eine Frage der Ästhetik ist) entschieden hat, dass wir eine neue Küche brauchen, weiß ich, dass dieser Text nicht nur gelungen ist, er ist auch wahr. Seither nämlich sind Arbeitsplatten und Kochfelder und Mischarmaturen zum Teil meines Lebens geworden, zum sehr drängenden Teil. Und ständig tauchen neue Probleme auf, ständig scheint die Sonne, ständig muss ich arbeiten, ja, es ist die Hölle (und das, obwohl ich nicht, im Gegensatz zum bewundernswerten Kid37, die Küche eigenhändig renovieren möchte, nein, schon alleine das Koordinieren verschiedener Handwerker macht jeden Geduldsfaden porös.)

Entsprechend berührt es mich anders als mich Kunst ohnehin schon berührt, als ich im Hamburger Kunstverein die Ausstellung „Hausrat“ von Alexandra Bircken sehe. Weil nämlich die 1967 in Köln geborene Bircken ihre Skulpturen aus ebensolchem Hausrat zusammenbastelt, aus Bügelbrettern, Kleidungsstücken, Ästen, Mullbinden. Und ganzen Küchen-Arbeitsplatten, großformatigen Arbeitsplatten in Marmoroptik, wie wir demnächst eine haben werden, so denn die Handwerker machen, wie sie sollen. „Was für hässliche Platten!“, ruft B. aus, als er vor Birckens Wandinstallation „SL120 SC, SL843 C“ (2012) steht. Ich bin sehr, sehr still.

Bircken steht natürlich nicht in der Tradition hässlicher Küchenarchitektur, sie steht in der Tradition der Arte Povera, also dem Einsatz alltäglicher (nicht ärmlicher, wie der Name suggeriert) Materialien, was weniger Armseligkeit zur Folge hat, sondern ein Auflösen der Hierarchien des Materiellen. Natürlich kann ein schief gewachsener Ast kunstfähig sein, natürlich kann ein dreckigbrauner Nylonstrumpf kunstfähig sein, natürlich kann ein Künstler sein Material im 99-Cent-Shop kaufen, statt im Künstlerbedarfshandel. Bircken ist in ihrer Kunst die Antithese zur Materialschlacht, zum Kunstluxus, für den Leute wie Damien Hirst stehen, das ist erst einmal grundsympathisch.

Es ist allerdings auch nichts wirklich neues. Die Qualität von „Hausrat“ liegt entsprechend nicht in ihrer ästhetischen Avanciertheit sondern in der freundlichen Sinnlichkeit, die die Präsentation mit sich bringt, angefangen beim charmant ironischen Ausstellungstitel über die erotische Aufladung des Bronzeskulptürchens „Koi“ (2012) bis zu den Unterwäschearbeiten „Skin 2“ (2010) und „Black Skin“ (2012). „Cagey“ (2012) wird uns vom Kunstverein als Zelt angedient, „das Schutz anbietet, Wärme suggeriert und doch filigran und porös wirkt“, das ist nett gesagt, aber „Cagey“, eine Art Iglu aus gebogenen Ästen, Wolle, Mörtel und einer Wärmedecke, macht überhaupt nicht den Eindruck eines Schutzes, im Gegenteil, das Ding sieht aus, als ob Wind und Regen erst durchfahren und dann das Gestänge einreißen würden. Außerdem sieht es aus, als ob es nicht besonders gut riechen würde, und nur ich mit meiner erkältungsbedingt verstopften Nase bleibe interessiert davor stehen. Letzteres ist wichtig bei dieser durch und durch organisch wirkenden Kunst: Sie ist in erster Linie sinnlich wahrnehmbar, man glaubt, sie zu riechen, man will sie anfassen (und dann will man sich die Hände waschen).

(Die Abbildung zeigt „Jungle Camp (Spax Galore)“ (2012, im Vordergrund) und „DNA“ (2012, Hintergrund). Für alle Arbeiten: Courtesy die Künstlerin, BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New York.)