Ich wurde angefragt. Von Christiane Frohmann, ob ich mich an der Anthologie „Tausend Tode schreiben“ beteiligen wolle: einen kurzen Text für ein E-Book hergeben, einen Text über den Tod. Die Erlöse gingen an das Kindersterbehospiz Sonnenhof in Berlin, mit so etwas kriegt man mich, ich finde Hospize eine gute Sache. Außerdem, der Tod, das ist ein Thema, mit dem ich mich mehrfach beschäftigt habe, viel nachdenken muss ich nicht, Frau Frohmann kriegt mich. Jedenfalls: Jetzt ist „Tausend Tode schreiben“ erschienen, mit Beiträgen von geschätzten Autorinnen und Autoren wie Zoe Beck, Isabel Bogdan, Gesa Füßle, Rafael Horzon, Sarah Khan. Und von mir. Man kann sich das E-Book downloaden, zum Beispiel bei Minimore, wie gesagt: Es ist für eine gute Sache, meine Güüte, ich machte eine Textspende für eine gute Sache, ich machte Charity, wie Campino, do they know it’s christmas, ach, egal. Ich finde es schön, ich bin ein Stück weit stolz, hier dabei zu sein. Mit folgendem Text, aber, wie gesagt, kauft euch das Buch, es ist ja nicht für mich.

Rosenmontag

Am Sonntagabend dann der Anruf. Sie frage nach mir, ob ich kommen könne. Und, ja, natürlich kann ich kommen, das heißt, eigentlich kann ich nicht kommen, eigentlich habe ich Montag Termin auf Termin, aber das wird schon gehen, sicher komme ich, morgen, am späten Vormittag. Den restlichen Abend verbringe ich mit Telefonaten, Terminverschiebungen, Onlinestellen zu bearbeitender Artikel. Das geht alles. Abfahrt 8 Uhr 32, ICE 279, Berlin-Kassel, zur Weiterfahrt über Frankfurt nach Mainz.

Montag ist Rosenmontag. Das kennt man in Berlin nicht, aber in Mainz ist Rosenmontag Ausnahmezustand. Auch in Berlin wohnen Menschen, die sich diesen Ausnahmezustand herbeisehnen. Einige Jahre lang versuchten sie, Rosenmontagszüge Unter den Linden zu organisieren. Rosenmontagszüge, die allerdings keinen interessierten, und ohne öffentliches Interesse gibt es keinen Ausnahmezustand. Also fahren sie nach Mainz. Im ICE 279. Sie trinken, frühmorgens, Trinken muss sein, ohne Trinken ist es kein Ausnahmezustand. Sie haben einen Ghettoblaster dabei. Sie sitzen im Großraumabteil, Wagen 7, zweite Klasse, fünf Stuhlreihen hinter mir. Ich versuche, einen Artikel fertigzustellen, meine Gefühle fahren Achterbahn, mir war klar, dass dieser Anruf über kurz oder lang kommen würde, „Sie fragt nach dir“, ich konnte mich auf die Situation vorbereiten, das wird schon gehen. Nichts geht.

Es geht aber auch deswegen nicht, weil es scheppert und grölt, fünf Reihen hinter mir. Warum ist es am Rhein so schön. Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich nackig. In München steht ein Hofbräuhaus, warum auch immer. Wir bauen eine U-Bahn, von Frankfurt bis nach Auschwitz, meine Güte. Hinter Braunschweig platzt mein Kopf. Ich drehe mich um, brülle den erstbesten Karnevalisten an, „Könnt ihr vielleicht mal still sein? Ich versuche, zu arbeiten!“ Ein Fehler: von diesem Moment an haben sie mich auf dem Kieker. „Och, der Arme, er muss arbeiten!“, „Seid doch mal still, da vorne muss einer arbeiten!“ Ein paar Karnevalisten wanken nach vorn, um mir über die Schulter auf den Bildschirm zu linsen. Zuerst denke ich, dass sie mir gleich eine reinhauen, wäre mir egal, aber sie drehen gleich wieder um. Wahrscheinlich haben sie gesehen, dass mir die Tränen übers Gesicht laufen, wahrscheinlich haben sie kapiert: Das ist jetzt ernst. Von nun an lassen sie mich in Frieden, was nicht heißt, dass sie still sind, sie singen und saufen und grölen weiter, aber sie ignorieren mich dabei. Irgendwann übergibt sich einer, irgendwann fangen zwei einen Streit an. Ich liege in Watte.

Hildesheim. Göttingen. Kassel-Wilhelmshöhe. Raus, ich habe nichts gearbeitet. Hinter mir noch ein paar einsame Rufer: „Viel Spaß beim Arbeiten!“ Viel Spaß. Ich will, dass sie, ach, nein, ich will eigentlich gar nichts. Nur weil ich einen schlechten Tag habe, muss ich ihnen nicht auch den Tag verderben. Auf Gleis 2 zurückbleiben bitte, Ihr Zug fährt jetzt ab. Straßenbahn, Krankenhaus. Kannst du kommen?

Will Kanzler werden, behauptet, Sozialdemokrat zu sein. Foto: © Peer Steinbrück

Will Kanzler werden, behauptet, Sozialdemokrat zu sein. Foto: © Peer Steinbrück

Während Isabel Bogdan ihr (ohnehin immer lesenswertes) Blog erfolgreich in ein literarisches Sexblog verwandelt hat, krebse ich weiterhin mit Politikthemen knapp oberhalb der Wahrnehmungsgrenze vor mich hin. Es ist ein Kreuz, weil, über Politik zu schreiben macht längst nicht soviel Spaß wie über Sex, von der Recherche gar nicht zu reden. Aber es hilft nichts, es muss etwas raus, was mich seit einigen Wochen beschäftigt: Ich habe an dieser Stelle behauptet, dass ich bei der kommenden Bundestagswahl nicht wählen und damit Angela Merkel eine weitere Legislaturperiode ermöglichen werde.

Und das stimmt natürlich nicht.

Natürlich ist SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein Mann des Kapitals, natürlich würde er (im unwahrscheinlichen Fall eines Wahlsiegs) rein gar nichts am Wirtschaftssystem dieses Staates ändern (wir erinnern uns, wer den gnadenlosesten neoliberalen Umbau der Bundesrepublik verantwortete: Gerhard Schröder, ein SPD-Kanzler). Und eigentlich gehört die SPD dafür bestraft, dass sie glaubt, nur mit einem Spitzenmann von weit rechts mehrheitsfähig zu sein. Aber andererseits: Schwarz-gelb dürfte als Wahlsieger ebensowenig das soziale Gewissen im Rechtsliberalismus entdecken, eine weitere Kanzlerschaft Merkels wäre aus sozialpolitischer Perspektive genauso fatal wie ein Sieg Steinbrücks.

Bleiben die weichen Politikfelder, „Gedöns“, wie Steinbrücks Genosse Gerhard Schröder es in unsympathischsten Maskulinismus einst lächerlich machte. Für Gedöns hat Steinbrück keinen Sinn, allerdings auch keine Leidenschaft, die ihn solche Themen ablehnen lässt, weswegen ich die Hoffnung hege, dass sich da im Windschatten vielleicht doch noch etwas ändern ließe. Zum Beispiel in der Frage einer zeitgemäßen Familienpolitik, die nach dem Grundsatz verfährt „Familie ist da, wo Kinder sind“ und die nicht die heterosexuelle Zweierehe gegenüber anderen Verbindungen ungerecht bevorzugt. Zum Beispiel in der Frage eines Staatsbürgerschaftsrechts, das das unsägliche „Volks“-Geschwafel endlich durch die Erkenntnis ersetzt, dass wir es hier mit einer Bevölkerung zu tun haben. Vielleicht.

Ich weiß, dass es schwierig wird, in Peer Steinbrück jemanden zu sehen, der solch eine Politik durchsetzt. Dennoch werde ich ihn wählen. Und am allerschlimmsten wird sein, dass das überhaupt nichts bringt. Denn Kanzler wird Steinbrück ohnehin nicht.

Nicht schön, aber ungemein lecker: selbstgemachte Tapas.

Ein Schönheitsfleck ist eine leichte Irritation innerhalb der Perfektion. Im eigentlichen Sinn: ein Muttermal an einer markanten Stelle des Körpers, das die Schönheit des Beschriebenen erst richtig zur Geltung bringt, an der Wange etwa, oder im Dekolleté. Nicht: am Po. Man sollte über den Schönheitsfleck reden können, und wenn man selbst nur durch eine glückliche Fügung in der Lage ist, besagten Fleck zu beschreiben, dann bringt das alles nichts. Der Schönheitsfleck ist das, was das Schöne überhaupt begehrenswert macht, ohne Fleck ist das Schöne einfach nur auf eine langweilige Weise schön.

Isabel Bogdan hat einen Blogeintrag geschrieben über Begeisterungsfähigkeit. Isabel, von deren Blog ich meist ohne wenn und aber begeistert bin, ist der Meinung, dass die schätzenswerteste Eigenschaft an einem Menschen diese Fähigkeit zur Begeisterung sei, und dass es eine positive Sache sei, wenn man in seiner Begeisterung jede negative Sichtweise ausblenden würde. Sie schreibt: „Ich finde, man kann auch ruhig einfach mal sagen: Dies oder das ist super. Punkt. Und sich die kleinen Kritikpunkte verkneifen.“ Ihre Begründung leuchtet mir vollkommen ein, und vielleicht ist das das Problem, das ich mit dieser Haltung habe: dass sie so einleuchtend ist. Sie begründet die Haltung nämlich mit der Liebe.

Es gibt nämlich eine Menge Dinge, die wirklich super sind, da braucht man nicht nach einem Haken oder einem Aber zu suchen. Und wenn man sie schon gefunden hat, den Haken und das Aber, dann kann man ihnen auch mal ein gepflegtes „Na und?“ entgegenschmettern. Weil das Supere nämlich überwiegt, und das Nicht-so-Supere nicht so wichtig ist. (…) Ich glaube daher, die Begeisterungsfähigkeit hängt mit einer weiteren Eigenschaft zusammen, die mir ebenfalls wichtig ist: dem Verzeihenkönnen. Und also mit der Liebe. Dem (durchaus bewussten) Übersehen kleinerer Makel, wenn das große Ganze gut ist.

Und da gehe ich nicht mit, auch wenn das alles in allem stimmig klingt. Im Gegenteil, die Liebe funktioniert (zumindest bei mir) nur im Bewusstsein (und auch im Ansprechen) der Makel, nicht im Übersehen. Also, wo wir jetzt schon in diesem Bereich sind, dann machen wir uns doch mal nackig, haben ja eh nichts mehr zu verlieren: Ich schwärme eigentlich immer von einem bestimmten Typ Frau, im erotischen Sinne, meine ich. Dieser Typ Frau ist eher klein, trägt die Haare raspelkurz und hat eine Brille. Die schöne, kluge Frau, naja, sie hat eine Brille, manchmal, meist bevorzugt sie Kontaktlinsen. Und ich liebe sie. Nicht nur wegen ihrer Intelligenz, nicht nur wegen ihres Charakters, auch wegen, äh, hüstel, wegen optischer Vorzüge. Dass sie nicht klein und kurzhaarig ist, ist kein Makel, es ist der Schönheitsfleck, der die Differenz zur perfekten aber langweiligen Schönheit definiert. Soviel zur Liebe, ich habe ohnehin schon einen knallroten Kopf, und eigentlich wollte ich ja auch etwas ganz anderes sagen.

Nämlich das: Es geht mir darum, dass nichts, was auch nur annähernd von Reiz ist, perfekt ist. Im Gegenteil, der Reiz liegt in erster Linie im Unperfekten, in der Abweichung, die dann bitte auch benannt werden soll. Ich kann mich unglaublich begeistern für Kunst und für Theater, und wenn ich dann auf der Vernissage bin und auf der Premiere, dann motze ich nur rum: Hier war der Regiezugriff nicht stimmig, dort die kuratorische Handschrift zu ungenau. Ich bin genau das, was Isabel Bogdan als „Nörgelheini“ bezeichnet, ich habe dieses Nörgelheinitum sogar so verinnerlicht, dass ich es zum Beruf gemacht habe. Zu einem Beruf, den Isabel nicht so toll findet (auch wenn sie von Literaturkritik schreibt, ein Ressort, in dem ich nur gästeweise hin und wieder auftauche):

Was wurde beispielsweise Elke Heidenreich für ihre Sendung „Lesen!“ belächelt! Zu Unrecht, finde ich. Elke Heidenreichs Geschmack ist nicht meiner, ihre Empfehlungen waren mir meist zu tantig – aber das Konzept, nur Bücher zu empfehlen und eben nicht herumzukritteln und abzuraten, fand ich erstmal super.

Ich denke, genau da liegt das Missverständnis: in der Annahme, dass diejenigen, die rumkritteln, die Haare in der Suppe finden (und benennen), sich nicht für das Bekrittelte begeistern würden. Zumindest bei mir ist nämlich das Gegenteil der Fall. Wenn ich über etwas motze, dann ist das Ausdruck meiner Leidenschaft, auch meiner Begeisterung über das Gesehene, das Motzen ist ein Benennen des Schönheitsflecks. Ich weiß, dass das nicht immer so ankommt wie es soll, Kritiker sind unter Künstlern in der Regel eher schlecht angesehen, weil gerade die Künstler der Meinung sind: „Da hat man monatelang an einem Kunstwerk gewerkelt, und dann kommt dieser Kritiker und konzentriert sich ausschließlich auf die paar Aspekte, die vielleicht nicht so gelungen sind!“ Ich habe einmal die wunderbare Comiczeichnerin Jule K. fürs uMag interviewt, ich habe versucht, sie im Gespräch auf Widersprüche, auf ästhetische Problemfelder, auf Ungenaues, kurz: auf Schönheitsflecken hinzuweisen, ich habe vielleicht auch ein wenig versucht, einen Streit zu provozieren, weil ich gerne streite. Und plötzlich brach es aus ihr heraus: „Ich habe gedacht, du findest meine Sachen gut! Und jetzt erzählst du mir seit einer halben Stunde, was alles scheiße ist!“ Wahrscheinlich hat sie recht, wahrscheinlich ist das wirklich nicht leicht zu verstehen.

Aber, verdammt noch mal, es hat doch nie jemand behauptet, dass die Liebe leicht zu verstehen sei. Und um ehrlich zu sein: Genau darum geht es mir doch, wenn ich nörgle. Um die Liebe.

 

An sich bin ich niemand, der auf Blogbeiträge motzend widerspricht, „Bäbäbä, stimmt ja alles gar nicht“, aber die sehr geschätzte Isabel Bogdan schrieb ein Nicht-Lese-Outing, und in diesem Outing behauptete sie, dass sie den Rekord halten würde für „am wenigsten Bücher gelesen bei höchster Semesterzahl in einem philologischen Studium“. Und da kann ich nicht anders, da muss ich einfach widersprechen, weil, diesen Rekord halte zweifellos ich. Okay, ich hatte keine so unglaublich hohe Semesterzahl auf dem Zettel, aber dafür war mein Studium auch nicht einfach so eine Philologie, mein Studium war Literaturwissenschaft, und ich glaube wirklich, dass unter den Studenten dieses Studiengangs niemand so lesefaul war wie ich. Echt.

Ich konnte schon recht früh lesen, schon im Kindergarten. Und ich wand diese Kulturtechnik an, spätestens zu Beginn der Grundschule las ich ganze Bücher. Zunächst sparte ich mir die Bücher bewusst auf, ich war der Meinung, Kapitel seien so etwas wie ein Adventskalender: jeden Tag nur ein Türchen! Bis meine Eltern realisierten, dass ich sehnsüchtig den nächsten Morgen erwartete, um weiterlesen zu dürfen. Sie glaubten nicht, dass übermäßiger Buchgenuss schädlich sein könnte, also hielten sie mich an, mehr als ein Kapitel pro Tag zu lesen, was zur Folge hatte, dass ich ganze Bücher binnen weniger Stunden auslas. Ich hatte ziemlich schnell alles Altersgerechte durch, wechselte zu Jugendkrimis („ab 12“!), von dort zu Jugendproblemliteratur (Hans-Georg Noack, „Rolltreppe abwärts“) und von dort zu echter Literatur. Es klingt überheblich, aber bis Ende der Mittelstufe hatte ich das Gesamtwerk Kafkas durch (und nicht verstanden). Das Gute daran: Ich bekam schon ziemlich früh ein ganz gutes Bauchgefühl für Sprache. Das Schlechte: Dieses Gefühl blieb ein Bauchgefühl, ich ging eigentlich nie mit dem Kopf an Sprache ran, was zur Folge hatte, dass ich beispielsweise in der Grammatik zwar alles richtig machte, aber nicht sagen konnte, was daran richtig war. Bis heute verstehe ich kaum etwas von Grammatik.

Und mit Beginn des Studiums hörte ich auf, zu lesen, vielleicht war es einfach zu viel gewesen, bis dahin. Das heißt, natürlich hörte ich nicht wirklich auf, aber ich las nur noch selektiv. Ich konzentrierte mich zu Anfang auf Lyrik, ein Bereich der Literatur, den meine Kommilitonen nur mit der Kneifzange anfassten, später machte ich fast ausschließlich Literaturtheorie, und das interessiert ja nun wirklich gar niemanden. Natürlich las ich da immer noch, auch durchaus mit Interesse, aber ich entwickelte nie ein libidinöses Verhältnis zum Buch. Bücher, das waren für mich Datenträger, und wirklich interessant ist an denen tatsächlich nur die Gesamtheit ihrer Daten. Das ist bis heute so, im Gegensatz zu anderen Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge habe ich keine Bibliothek, nur ein paar Regalfächer, in denen mir besonders liebe Autoren stehen: Dietmar Dath. Christian Kracht. Absolventinnen des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Keine Ahnung, weswegen ich diese Bücher aufbewahre, nie schaue ich da rein. Ausnahme: Kunstbände. Und Comics. Aber zumindest zu meiner Studienzeit galten Comics als äh-bäh, so etwas las man einfach nicht. Tja, Literaturwissenschaftler.

Entsprechend blieb ich beruflich zwar im kulturellen Bereich, hatte mit Literatur allerdings nur am Rande zu tun. Schon die (angefangene) Dissertation bewegte sich im Grenzbereich zwischen Literatur, Bildender Kunst und perfomativen Formen, die Arbeit als Kulturjournalist hat sich völlig von der Literaturkritik emanzipiert. Theaterkritiker, pffh! (Ins Theater gingen meine Kommilitonen ebenfalls nie, weil am Theater nur diese bösen Regisseure arbeiten, die nichts anderes zu tun haben als den heiligen Text zu entweihen.) Im Laufe der Jahre entwickelte ich eine echte Abneigung gegen den Literaturbetrieb, da muss ich mich dann immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holen, eine Lesung besuchen und feststellen: doch, geht ja eigentlich ganz sympathisch zu, hier!

Ich lese auch, immer noch. Nur wenig freiwillig. Ich lese eben die Bücher, die mir der geschätzte Carsten vom Post Artcore-Blog auf den Schreibtisch legt, weil Carsten nämlich ein paar Büros von meinem entfernt sitzt und als Literaturredakteur immer mal ein paar Brotkrumen rüberreicht. Das ist nicht böse gemeint, Carsten weiß schon, wofür ich mich interessiere, und Entsprechendes gibt er mir dann auch (zuletzt wirklich schön: Rainald Goetz, „Johann Holtrop“), nur sollte man nicht den Fehler begehen, Carsten zu verärgern. Ich hörte, dass er einmal einen seiner Rezensenten im Buchladen erwischte, wie der sich PRIVAT ein Buch kaufen wollte, ein Buch, das nicht rezensiert werden würde! Besagter Rezensent habe von diesem Moment ab nur noch Ausschussware bekommen. Also lese ich, was ich eben lesen muss. Mit Freude, aber ohne echte Leidenschaft. Irgendwie hätte ich gerne einen Zugang zur Welt der Literatur, der mir bislang fehlt, irgendwie würde ich wirklich gerne einmal wieder etwas lesen, nur für mich, Katrin Seddigs „Eheroman“ steht schon länger auf meiner Liste, aber um den zu lesen, müsste ich ihn erst einmal kaufen, müsste ich in einen Buchladen gehen, und, meine Güte!, wenn mich da jemand sieht!

(Der Titel dieses Blogposts ist geklaut, von einer Kurzgeschichte Alan Sillitoes. Mussten wir irgendwann einmal im Englischunterricht lesen, keine Ahnung, weswegen ich mich daran erinnere. Scheint sich irgendwie eingebrannt zu haben, in mich.)

 

Ich habe eine Sache gemacht, die total untypisch ist: Ich habe jemanden, den ich zuvor nur im Internet mitbekommen hatte, im Real Life kennengelernt. Und das kam so: Seit einigen Jahren verfolge ich das Blog von Isabel Bogdan, zunächst auf Antville, dann auf der eigenen Domain. Weil Bogdan nämlich gut, sehr, sehr gut schreiben kann, Alltagsbeobachtungen, Lektüretipps, grundsätzliches Generve. Was sie in einer ureigenen Sprache überaus charmant zu Papier beziehungsweise Webspace bringt. Das mit der ureigenen Sprache ist allerdings auch selbstverständlich, weil Isabel Bogdan im Hauptberuf Übersetzerin ist, und da geht sie mit Sprache professionell um, also, „professionell“ im Sinne von „kreativ“, nicht so wie bei mir Lohnschreiber, bei dem „professionell“ vor allem „korrekt“ heißt. Wie dem auch sei, vor einiger Zeit übersetzte Bogdan Jonathan Safran Foers „Eating Animals“ (das Buch, das mich beinahe zum Vegetarier werden ließ) ins Deutsche, und zur Feier dieser Übersetzung lud sie zur Übersetzerinnenlesung mit veganem Menü ins Restaurant Trific. Und nach dieser Lesung sprach ich sie einfach an, „Mal sehen, was das so für ein Mensch ist, der solch ein tolles Blog schreibt!“, ein Draufgängertum, das bei meiner Menschenscheu ziemlich freaky ist.

Ich sah: Das ist ein ziemlich interessanter Mensch.

Ein interessanter Mensch, der eine regelmäßige Rubrik im Webmagazin culturmag namens „Sachen machen“ hat. „Sachen machen“, das heißt, dass Bogdan Sachen ausprobiert, die für sich genommen manchmal unspektakulär sind, die man aber trotzdem nicht macht, weil sie vielleicht so unspektakulär sind, dass man gar nicht auf die Idee kommt, dass das Spaß machen könnte (Trampolin springen), weil man noch nie davon gehört hat (Punkerstammtisch mit Tischtennis und DJ in der ohnehin empfehlenswerten Kaschemme Hafenklang), weil man Angst hat, dass man Spaß an etwas vollkommen Uncoolem (mit dem Segway durch die Innenstadt gondeln) finden könnte. Sie selbst nennt diese Texte „Kolumnen“, was aus journalistischer Sicht nicht ganz richtig ist, es sind eher Alltagskultur-Reportagen, ultrasubjektiv, verfasst in einer halb literarischen, halb journalistischen Sprache, die mal in echter Begeisterung schwelgt, mal triefenden Sarkasmus offenbart. Nicht bei allen Beiträgen denke ich mir, dass ich so eine Sache gern mal selbst machen würde, auf die Gefühle, wenn einem ein aus dem Mund riechender Mensch auf der Lebensfreudemesse ein Massagegerät anzudrehen versucht, könnte ich verzichten. Andere Erfahrungen aber haben es in sich: die Fahrt nach Wacken! Der Besuch auf der SM-Party! Die asiatische Massage! (Wobei, die asiatische Massage ist vor allem deswegen so toll, weil sie eben auch so toll beschrieben ist, belustigt, liebevoll, mit heftigsten Verspannungsschmerzen in der Muskulatur. Die eigentliche Erfahrung ist dann doch eher, naja, kann man mal machen.)

Auf jeden Fall, und das ist jetzt eine richtig unjournalistische Kaufempfehlung und nicht etwa eine Rezension, auf jeden Fall sind die gesammelten Reportagen oder Kolumnen, was auch immer, jetzt als Buch erhältlich. Bei Rowohlt. Und man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass als Kaufempfehlung ein Zitat ausgerechnet aus der Brigitte den Buchrücken ziert: „Sachen machen“ kann man lesen, ohne sich dabei uncool fühlen zu müssen. Ehrlich.

Isabel spricht über Geld. Und ich finde gut, dass sie das macht, weil ich glaube, dass dieses „Über Geld spricht man nicht“ zur Entsolidarisierung beiträgt: Wer nicht über Geld spricht, der baut einen Popanz auf, eine Wertigkeit, nach der Geld mehr ist als eine Entlohnung für geleistete Arbeit. Ist es aber nicht. Wir sollten alle mehr über Geld sprechen. Und dann festestellen, dass vieles, was hier abläuft, himmelschreiend ungerecht ist.

Aufklärungsbedarf? Naja. Isabel schreibt, dass ein befreundeter Autor dem Missverständnis entgegen treten wolle, dass er ausgesorgt habe, weil, er habe doch schon vier Bücher veröffentlicht. Solchen Missverständnissen begegne ich praktisch nie, eher Missverständnissen der Art, dass die Leute nicht glauben, dass man davon leben kann, also, vom Kulturjournalismus. Da muss ich aber kein Gegenteil beweisen: Doch, ist so, man kann davon leben, nicht fürstlich, aber man kann. Dann glauben sie es auch.

1. Redakteure werden nach Tarif (pdf-Link) bezahlt. Also, sollten sie. Nach Tarif würde bedeuten, dass ich um die 3900 Euro brutto im Monat verdienen würde, aber immer mehr Medienhäuser fliehen aus der Tarifbindung. Ob ich Tarif bekomme oder unter Tarif, darf ich laut Arbeitsvertrag nicht sagen, obwohl es Urteile gibt, nach denen entsprechende Klauseln im Vertrag nichtig seien, egal, ich sage es nicht. Wer mehr wissen möchte, darf gerne mal ein Bier mit mir trinken gehen, okay?

2. Freie Journalisten verdienen mal so, mal so. Manchmal werden sie pauschal pro Artikel bezahlt, mal nach Arbeitsaufwand, mal gibt es Zeilengeld. Es gibt Honorarempfehlungen (pdf-Link), aber erstens werden die nur selten eingehalten, zweitens sind die sehr, sehr ungenau gehalten: Die Empfehlung für ein Stundenhonorar bei einer Publikumszeitschrift liegt bei 50 bis 75 Euro, na danke, das ist ein Unterschied von 50 Prozent, wobei da noch nicht geklärt ist, ob Recherchezeiten eigentlich mit zum Stundelohn zählen oder tatsächlich nur die Zeit, die man einen Text konkret schreibt. Also: Das Honorar ist mehr oder weniger frei aushandelbar, und frei ausgehandelt wird es auch, in der Regel mit dem zuständigen Redakteur, dem, siehe oben, ebenfalls der Etatdruck im Nacken sitzt. Dazu kommt gerade gegenüber Freien eine teilweise üble Zahlungsmoral, Aussagen wie „Wir zahlen ein halbes Jahr nach Erscheinen des Textes“ habe ich auch schon gehört. Da ist die Frage: Lässt man sich drauf ein oder nicht? Ich lasse mich drauf ein, weil ich das entsprechende Medium schätze und untersützenswert finde. Und weil ich nicht wirklich darauf angewiesen bin, dass das Honorar stante pede da ist, ich habe ja noch das Redakteursgehalt. Dass ich damit den freien Kollegen in den Rücken falle, den Kollegen, die sehr wohl auf pünktliche Zahlung angewiesen sind, ist mir bewusst. Macht mich nicht glücklich, echt nicht.

Mein monatliches Einkommen setzt sich zusammen aus dem Redakteursgehalt (dem mit Abstand größten Batzen), Honoraren von nachtkritik.de, junger Welt und Theater heute sowie ganz selten noch mal einem Goodie, einem Buchbeitrag, einem Moderationshonorar, solchen Sachen. Am Ende steht da ein Betrag, der mal höher, mal weniger hoch ausfällt (die Theater machen jetzt Sommerpause, also werde ich in den kommenden Monaten auch keine Artikel über Theater an den Mann bringen), der aber alles in allem schon ganz okay ist. Ab gehen Lohnnebenkosten, ab gehen Internet, Telefon und Handy, ab geht eine private Altersvorsorge, die laut Wirtschaftsseite des Hamburger Abenblatts ein Fass ohne Boden ist, dümmste Entscheidung ever. Und Steuern natürlich, ich bin Steuerklasse V, da geht eine ganze Menge ab.

Reich bin ich nicht, gerade in einer teuren Stadt wie Hamburg nicht. Andererseits: kein Auto. Keine großen Ansprüche, keine Luxuslaster. Keine allzu teure Wohnung. Ausreichend Selbstbewusstsein, die Begleitung eine Rechnung übernehmen zu lassen, weil ich weiß, dass die Begleitung mehr verdient. Doch, da bleibt noch was übrig. Eine Vorratsschrank mit Ökoprodukten etwa, oder ein spontanes Wochenende auf dem Darß. Wofür es nicht reichen würde: Wenn ich plötzlich krank werden würde und nicht mehr arbeiten könnte. Alt werden sollte ich auch nicht, das mit der Vorsorge habe ich ziemlich falsch angepackt.

(Und ich weiß, dass es mir viel, viel besser geht als vielen anderen in meinem Gewerbe.)

Die schöne, kluge Frau ist skeptisch, was diese ganze Bloggeschichte angeht. Blogs seien eigentlich nur etwas für Leute, die ein unglaublich spannendes Leben führen würden, wer nichts Spannendes erleben würde, der brauche, nach Meinung der schönen, klugen Frau, auch nicht zu bloggen. Außerdem würde man durch Blogs immer wieder auf die Differenz zwischen dem eigenen, langweiligen Leben und dem spannenden, berichtenswerten Leben des Bloggers hingewiesen, was in letzter Konsequenz demütigend sei.

Ich bin mir nicht sicher. Natürlich gibt es Blogs, die auf der Sensation des Erlebten aufbauen, Isabel Bogdans Serie „Sachen machen“ etwa (die ich gar nicht mehr als Blog bezeichnen würde, sondern eher als eine Art literarischen Onlinejournalismus, wenngleich sie ihren Ursprung zweifellos im Bloggen hat), Meike Winnemuths wunderbare Weltreise. Aber wenn die Lehrerin Frl. Krise Alltagsgeschichten aus ihrem Berufsleben erzählt, dann ist da doch nichts Sensationelles dabei? Oder wenn die Prenzlbergbewohnerin Modeste ihr Leben in der Bionade-Bohème beschreibt? Oder wenn Anke Groener ins Stadion geht? (Ich verweise ausschließlich auf Frauenblogs, fällt mit gerade auf. Ich muss meinen Blick ein wenig weiten, Vorsatz für die nächsten Wochen!) Nein. Und wenn ich beschreibe, wie es war, neulich, bei derundder Vernissage, dann ist das doch auch keine sensationelle Abendgestaltung, dann ist das doch einfach nur das Beschreiben eines Lebens, das jeder, den es interessiert, einfach nacherleben kann. Was ich an Blogs so mag: Sie scheren sich nicht um Berichtenswertes, sie halten einfach drauf, ein paar Interessierte werden sich schon finden. (Und wenn nicht, dann ist es auch kein Beinbruch.) Man könnte auch sagen: Ein gutes Blog entdeckt das Sensationelle im Alltäglichen.

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes erzählen.

Antje Schrupp veröffentlichte gestern einen klugen Artikel zum Verhalten (bzw. eher zum Nicht-Verhalten) in sozialen Netzwerken. Sie beschrieb dabei das Treffen mit einer entfernten Bekannten, die zwar einen Facebook-Account habe, den aber praktisch nicht nutze.

Sie sagte Ja, sie sei bei Facebook, da komme man ja nun heutzutage nicht drum herum. Allerdings würde sie dort keine Informationen von sich preisgeben, man wüsste ja, dass damit schreckliche Sachen gemacht werden. Die meisten Leute wären doch viel zu leichtfertig und würden jeden Unfug da hinschreiben. Außerdem wären das alles Angeber und Wichtigtuer und Selbstdarsteller.

So etwas höre ich häufig, und natürlich fühle ich mich angegriffen. Und stelle mir darauf Fragen: Bin ich ein Wichtigtuer und Selbstdarsteller? Bin ich egozentrisch? „Dich interessiert doch nicht, was du erlebst/nur das, was du davon erzählen kannst“, singt Jochen Distelmeyer, es ist nicht schwer, „erzählen“ durch „bloggen“ zu ersetzen. Andererseits muss man auch Jochen Distelmeyer nicht alles glauben, man kann auch fragen: Was ist eigentlich schlecht daran, etwas zu erzählen? Was ist schlecht daran, auf Facebook ein niedliches Hundefoto zu posten, ein paar nette Menschen finden es süß und klicken auf „gefällt mir“? (Zum Beispiel das: dass das Leben nicht nur aus niedlichen Hunden besteht, bei der selektiven Auswahl an präsentierten Fotos aber genau dieser EIndruck entstehen könnte.)

Das Web 2.0, namentlich Facebook, ist in seinen Grundzügen all das, was ich (und auch andere, zum Beispiel Leo Leowald) nicht gut finde. Eine Massenbewegung. Uramerikanisch. Zutiefst kapitalistisch. Ich weiß, dass ich mit jeder Statusmeldung mein Profil genauer ausdifferenziere und damit Mark Zuckerbergs Reichtum ein Stück weit mehre. „If you’re not paying for it, you’re not the customer; you’re the product being sold“: Natürlich macht Facebook die Daten, die ich alltäglich hinterlasse, irgendwie zu Geld, übers Marketing, aber auch auf anderen Wegen. Weswegen stand ich neulich eigentlich so ewig lange am Sicherheitscheck im Flughafen, weswegen wurde mein Gepäck wieder und wieder durchleuchtet? Jetzt bloß nicht paranoid werden. Die anderen Gegenargumente gegen Facebook, na gut, es ist schon ein amerikanisches Unternehmen, allerdings ist die „Friends“-Oberflächlichkeit in meinen Augen ja wohl der sympathischste Charakterzug US-Amerikas überhaupt. Und es ist eine Massenbewegung, okay, die S-Bahn ist ebenfalls eine Massenbewegung, und trotzdem fahre ich jeden morgen mit ihr zur Arbeit. Es hilft nichts: Da einzige, was man wirklich gegen Facebook vorbringen kann, ist die Tatsache, dass die unsere Daten grundkapitalistisch motiviert nutzen, und wir gar nicht genau überblicken können, wie diese Nutzung tatsächlich vonstatten geht. Das ist das einzige, aber es ist so wichtig, es sticht eigentlich alle anderen Argumente.

Ich aber, ich mag meinen Facebook-Account trotzdem. Weil Facebook ein leidlich funktionierendes Tool ist, um unverbindliche Freundschaften aufrechtzuerhalten (und, hey!, ich stehe auf unverbindlich!). Weil ich über Facebook immer wieder Leseempfehlungen bekomme, die mich weiter bringen. Wegen der niedlichen Hundefotos. Und weil es Spaß macht, immer wieder meinen Senf zu Diskussionen zu geben, die irgendwo aufpoppen, unerwartet.

Und deswegen nervt es mich, wenn Leute, mit denen ich gerne Hundefotos teilen würde, nicht auf Facebook sind, schlimmer: Wenn diese Leute sich auch noch etwas darauf einbilden, nicht auf Facebook zu sein. Ich weiß, dass das blöde ist, es gibt ja wirklich genug gute Gründe, Facebook zu boykottieren. Mich ärgert es trotzdem.

Ich esse Fleisch. Ich bin da nicht stolz drauf, eigentlich würde ich gerne auf Fleisch verzichten, aus preislichen, aus gesundheitlichen, vor allem aber aus moralischen Gründen, ich mache es nicht. Dabei ist es nicht so, dass etwa der soziale Druck zu hoch wäre, im Gegenteil, in meinem Umfeld gibt es viele Vegetarier, niemand würde mir mit der duftenden Lammkeule vor der Nase herumwedeln, „Hmm! Möchtest du auch?“ Auch die Erziehung ist nicht schuld, bei meinen Eltern gab es zwar Fleisch, aber nicht ideologisch, also, nicht, dass jeden Tag ein Braten in dunkler Soße auf dem Tisch hätte stehen müssen. Nein, wahrscheinlich ist es so: Mir schmeckt Fleisch schlicht. Schweinfleisch, Rind, Geflügel, Lamm, vor allem Lamm.
Allerdings: Ich esse wenig Fleisch. Und wenn ich welches kaufe, dann meistens aus dem Bioladen, oder zumindest aus der Bioabteilung des Discounters. Ich weiß, ich lüge mir damit in die eigene Tasche, Fleischfressen ist Fleischfressen, und Discounterkram ist gleich nochmal übler, egal ob Bio oder nicht. Ich könnte auf Fleisch verzichten, Vegetarismus, kein Problem, wichtig sind mir Gewürze, wichtig sind mir, nicht zuletzt, Milchprodukte. Ohne Milch, ohne Sahne, ohne Käse könnte ich nicht. Ein Vegetarier zu sein, das könnte ich mir vorstellen, ein Veganer – nein.

Der US-amerikanische Romancier Jonathan Safran Foer hat ein Sachbuch über den Fleischverzehr geschrieben, „Tiere essen“. Und gestern lasen die Übersetzer Brigitte Jakobeit, Ingo Herzke sowie die wunderbare Isabel Bogdan im Restaurant Trific in Hoheluft aus „Tiere essen“. Und zwischen den einzelnen Passagen servierte Oliver Trific ein dreigängiges veganes Menü. Vegan! Und das war auch noch lecker! (Wenn man davon absieht, dass ich den Apfelstrudel zum Nachtisch ein wenig trocken fand und die Schöne sich nicht mit der Sojamilch im Cappuccino anfreunden wollte). Ich aber esse Fleisch, bald wieder.

Das Foto zeigt den Nachtisch, Strudel mit Zimtsorbet. Keine Ahnung, wie man so etwas vegan hinbekommt, ich würde es auf keinen Fall schaffen.