26. Dezember 2012 · Kommentare deaktiviert für Alle wollen mich immer nur körpern · Kategorien: Kiste · Tags: , , , , ,

Eine zieht durch die Kneipen, gerät an den Falschen, ist tot. Einer säuft, als ersten Schritt auf dem langen Weg zur Liebe, zum Bumsen, und irgendwann ist der erste Schritt der einzige Schritt, um den es geht, da folgt nichts mehr, „Lernen sie oft Frauen in Kneipen kennen?“ „Wenn, dann hier.“ Einer ist eine arme Sau, ein anderer genauso, und so etwas wie Hoffnung bietet in dieser Welt nichts mehr, nicht hier, nicht im Frankfurter Gallusviertel, und am allerwenigsten Hoffnung bietet die Religion, deren überforderter Vertreter seine Überforderung wegsäuft, abends in der Sichtbetonhölle des katholischen Gemeindezentrums. „Alle wollen mich immer nur körpern, aber nie will mich jemand küssen“, so geht es hier zu.

Ich bin meinem Gelübde untreu geworden.

Eigentlich wollte ich nichts mehr schreiben zum „Tatort“, weil ich übersättigt bin, gelangweilt. Und dann zeigt der geschätzte Hessische Rundfunk am zweiten Weihnachtsfeiertag eine so mutig unweihnachtliche Folge wie „Im Namen des Vaters“, dass ich gar nicht anders kann, ich muss den Hut ziehen, vor Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume, der sich hier traut, eine Welt absoluter Tristesse zu entwerfen, schonungslos, brutal, genau und nicht ohne bitteren Humor. Hier weiß jemand sehr detailliert, was er für eine Geschichte erzählen will, er kennt die Leute gut, von denen er erzählt, er kennt die Gegend, in der die Geschichte spielt, und dass er am Ende glaubt, den Krimikonventionen entsprechen zu müssen, dass er am Ende eine halbherzige Spannungsdramaturgie verfolgt, in der der jämmerliche Pfarrer (Florian Lukas) entführt wird, darüber sehe ich gnädig hinweg. Weil alles andere an diesem Krimi so gelungen ist.

Worüber ich nicht hinweg sehe, ist Nina Kunzendorfs Kommissarin Conny Mey. Die ist nämlich die spannendste Polizistinnenfigur im deutschen Fernsehen, laut, prollig, hochintelligent und angetrieben von einem guten Charakter. Jemand, in den ich mich sofort verliebe. Aber Kunzendorf hört auf, „Im Namen des Vaters“ war ihr vorletzter Fall. Und, tut mir leid, so sehr ich ihren Partner Joachim Król schätze, ohne Kunzendorf ist der Frankfurter „Tatort“ einfach nichts. Der „Tatort“ wird in Zukunft langweilig werden, ich schaue den nicht mehr. Und wenn, dann schreibe ich nichts mehr drüber.