30. Dezember 2011 · Kommentare deaktiviert für Jahresrückblick 2011 · Kategorien: Cat Content · Tags: , , , , , ,

Ein Jahr, vorbei. Vergleichbare Rückblicke kennen wir von 2010, 2009 und 2008.

Zugenommen oder abgenommen? Erst zugenommen, dann abgenommen, am Ende wieder ein bisschen zu. Jojo.
Haare länger oder kürzer? Alles in allem länger. Was vor allem daran liegt, dass meine geschätzte Friseurin Ayshe in meiner freien Zeit oft nicht konnte und ich entsprechend auf den Friseurbesuch ganz verzichtete.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Minimal kurzsichtiger. Für eine neue Brille langte es.
Mehr ausgegeben oder weniger? Alles in allem wohl ganz ähnlich.
Der hirnrissigste Plan? Eine neue Küche kaufen zu wollen. So hirnrissig, das wird uns noch die gesamte erste Hälfte von 2012 vermießen.
Die gefährlichste Unternehmung? Gefährlich? Hier? (Mit einer Großfähre über den Skagerrak zu schippern, zählt nicht wirklich, oder?)
Die teuerste Anschaffung? Eine Zahnkrone. Ach.
Das leckerste Essen? Im Restaurant Apples/Hyatt Hotel Hamburg. Eigentlich das gesamte Menü, großartig war aber schon alleine das geeiste Melonensüppchen als Amuse-Gueule.
Das beeindruckendste Buch? Christina Maria Landerl, Verlass die Stadt.
Der beste Comic? Kati Rickenbach, Jetzt kommt später.
Der berührendste Film? How I ended this summer, ganz großartiger russischer Psychothriller. Taiga-Einsamkeit, übersteigertes männliches Autoritätsgehabe, Eisbären, kaputte Natur – alles da.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=45_2ZZlbirY]

Das beste Lied? Boy, „Little numbers“. (Luftiger Sommerfolkpop, gar nicht so unbedingt meine Musik, hier passt aber alles, nicht zuletzt das tolle Video. Und ein schönes Konzert spielten Boy ebenfalls.)
[vimeo http://vimeo.com/27190020]

Die beste Platte? PJ Harvey, Let England shake. Folkbluespunk, längst nicht mehr so selbstquälerisch und introspektiv wie auf den vorangegeangenen CDs, sondern hasserfüllt, leidenschaftlich, politisch. (Ja, ich bin mittlerweile ein alter Mann, der nicht mehr dem neuesten Hype hinterherrennt, schon verstanden.)
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=lHACHdNFH0Y]

Das schönste Konzert? Vorhersehbar, trotzdem toll: Ja, Panik im uebel & gefährlich, Hamburg. (Das Video ist nicht aus Hamburg, sondern aus dem Berliner HAU, aber immerhin von derselben Tour.)
[vimeo http://vimeo.com/23506608]

Die schönste Theatererfahrung? „7 Schwestern“ von She She Pop, ganz großartiges Erwachsenwerdtheater.
Die interessanteste Ausstellung? Gilbert & George, „Jack Freak Pictures“ in den Hamburger Deichtorhallen. Eigentlich mag ich ja thematisch aufgebaute Geschichten mehr, hier stimmte aber alles.
Die meiste Zeit verbracht mit…? Wie schon im Vorjahr: meinen geschätzten Bürokolleginnen.
Die schönste Zeit verbracht mit…? Wie schon im Vorjahr: der schönen, klugen Frau.
Vorherrschendes Gefühl 2011? Trauer. Frust.
2011 zum ersten Mal getan? Einen kleinen Hund ins Herz geschlossen.
2010 nach langer Zeit wieder getan? Jemandem die Pistole auf die Brust gesetzt und eine grundsätzliche Entscheidung abverlangt.
Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Die Erfahrung, dass Religion nicht einmal theoretisch ein Trost sein kann. Was hilft es, sich einzureden, dass alles einen höheren Sinn haben soll? Was soll denn da für ein Sinn drin liegen, wenn es am Ende dennoch einen der liebsten, freundlichsten und sympathischsten Menschen überhaupt trifft, ganz gnadenlos? Und diese Erfahrung überschattet alles andere, hätte ich auf diese Erfahrung verzichten dürfen, dann hätte ich den gesamten Rest mit Freuden in Kauf genommen.
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? So geht das nicht weiter, wir müssen ein neues Modell finden.
2011 war mit einem Wort…? A. beschrieb 2010 als stinkenden Hund. Ich beschreibe 2011 als stinkenden Hund ohne Charakter, der auch nichtmal süß ist. Sondern Würmer hat.

Edit: Im näheren Umfeld schauten schon Kommander Kaufmann zurück, Mark, der eine von den Post Artcore-Jungs und auch der andere. Außerdem Anke Gröner und Don Dahlmann.

12. Juli 2011 · Kommentare deaktiviert für Weswegen sollte ich eigentlich Amy Macdonald hören? · Kategorien: Schubladendenken · Tags: , , , , , , ,

Voll zum Mainstreamhörer habe er sich entwickelt, erzählt C. „Ich höre Musik, die mich sofort kriegt. Ich will nach Hause kommen, das Radio einschalten, und der Song soll mich in den ersten Sekunden kicken.“ Keinen Platz mehr hat C. für sich langsam entwickelnde Musik, keinen Platz für Ja, Panik, die eine ganze CD und ein ganzes Konzert benötigen, um ihren Songkosmos zu entwickeln. Mainstreamhörer.

Ich höre keinen Mainstream. Also, ich höre keinen Mainstream als Genre, tatsächlich habe ich während der vergangenen Monate ohnehin aufgehört, meinen Geschmack an Genres auszurichten, längst tauchen in meiner Playlist nicht mehr nur die erwartbaren Elektroindiepopper auf, längst höre ich Soul, Weltmusik, Rock. Und, immer noch, Elektroindiepopper, klar, warum nicht. Was ich nicht höre, sind Bands, die strukturell im Mainstream stehen.
Strukturell im Mainstream, damit meine ich, dass die Bands, die ich höre, nicht aufs große Publikum ausgerichtet sind. Nicht bei großen Plattenfirmen veröffentlichen, nicht im Radio laufen. Das hat nur am Rande damit zu tun, dass ich meine Liebe nicht mit der großen Masse teilen möchte, das hat in erster Linie damit zu tun, dass ich den Überblick behalten möchte: Wer hat hier mit wem zu tun? Besteht das Risiko, dass jemand von den Leuten, denen ich heute noch zujuble, morgen schon Werbung für Springer macht? Und: Was macht der eigentlich mit dem Geld, das ich für eine CD, für ein Ticket ausgebe? Weiß jemand, was eine Plattenfirma dafür zahlt, dass ihr Künstler in den Playlists des Formatradios auftaucht? Und rechnet jemand mal nach, wieviel Geld dann im Marketingetat versickert, Geld, das doch eigentlich der Künstler bekommen sollte?
Und weswegen sollte ich eigentlich den Folkpop der formatradiokompatiblen Amy Macdonald hören, wenn ich ebenso gut die musikalisch ganz ähnlich verortbare Kristin Hersh hören könnte?

Das sind keine Geschmacksfragen. Und es sind keine Musikfragen. Natürlich sind die Comics von Flix klug, künstlerisch anspruchsvoll, aus dem Leben gegriffen. Aber Flix veröffentlicht beim Verlagsriesen Carlsen, Kati Rickenbach hingegen arbeitet inhaltlich und formal ganz ähnlich und veröffentlicht in der kleinen Edition Moderne. Tut mir leid, da ist klar, wem mein Herz gehört. Und das lässt sich weiter treiben, ins Kino, in die Medien (weniger zu Theater und Kunst, weil die viel stärker durch die öffentliche Hand finanziert werden. Da sind die Marktstrukturen längst nicht so mächtig, als dass sie einen Mainstream definieren könnten). Natürlich schaue ich lieber einen kleinen Berliner-Schule-Film im selbstorganisierten Hinterhofkino an als einen Blockbuster im Multiplex, auch wenn ich weiß, dass es formal ungemein interessante Blockbuster gibt. Schlicht, weil ich den Überblick behalten möchte. Muss.

Und dann gibt es eben auch Bands, die musikalisch sehr leicht zugänglich sind, die auch C. nach wenigen Sekunden kicken würden, die aber dennoch kaum im Radio stattfinden, weil sie strukturell nicht im Mainstream stecken: Wir sind Helden, Hellsongs, nur als Beispiel. Die schätze ich, auf jeden Fall. Bloß die Masse schätzt sie nicht. Die kennt sie ja nichtmal. (Und das Beispiel Wir sind Helden kommt da natürlich an seine Grenzen, keine Ahnung, wie die das geschafft haben, mit ihrem Riesenerfolg.)

(Das Bild oben ist entstanden beim ersten Dockville-Festival 2007. Ganz weit weg vom Mainstream, heute immer noch. Schön.)