08. Oktober 2013 · Kommentare deaktiviert für Falks kleine Lebensberatung (September 2013) · Kategorien: Aus der Produktion · Tags: , , , , , , , , , , ,

Ja, ich weiß, der September ist schon einige Tage vorbei, aber what the heck? Hier geht ohnehin gerade alles drunter und drüber, die Bandschublade entwickelt sich zu einem Diskussionsforum anlässlich eines Prä-Wahl-Artikels, der durch die Bundestagswahl längst von der Realität überholt wurde, egal. Es ist nur so … Ich fühle mich ein wenig als ob ich ein paar Leute zum Abendessen eingeladen hätte, und das Abendessen entwickelt sich zu einer Orgie: Die Gäste liegen zuckend unter dem Tisch, nur ich darf nicht mitmachen, höchstens mal ein paar Oliven reichen. Naja. Mache ich ja gerne.

klaus witzeling. War ein geschätzter Theaterkritikerkollege beim journalistisch eher weniger geschätzten Hamburger Abendblatt. Ich traf Klaus immer wieder bei Premieren, wir grüßten uns kurz, ich wollte ihm immer mal sagen, dass ich seine Texte mochte, habe ich nie gemacht. Und dann erfuhr ich über Facebook, dass er gestorben war, urplötzlich, „nach kurzer, schwerer Krankheit“. Dass eine ganze Menge Googler mit dieser Namenssuche auf der Bandschublade landeten, lässt mich annehmen: Es gab noch andere Leute, die das ebenfalls nicht glauben konnten.

ulli lust flughunde eigentlich ein surreales theaterstück. Ähem. Ulli Lusts „Flughunde“ ist die Comic-Adaption eines Romans von Marcel Beyer. Ein Theaterstück? Naja, man kann da eine szenische Anlage drin erkennen, aber, hm, nö, eher nicht. Und mit „surreal“ hat das eigentlich auch nichts zu tun.

ich ess kein haribo mehr weil ich angst habt thomas gottschalk kommt vorbeikommen. Das ist wohl die großartigste Google-Anfrage seit langem. Allerdings ist die Angst wohl eher unbegründet, ich glaube nicht, dass Gottschalk vorbeikommt. Es gibt andere Gründe, auf Haribo zu verzichten, zum Beispiel den, dass diese Firma in der Bild wirbt.

oliver stokowski lebt im prenzlauer berg. Hm. Eigentlich ist Stokowski Ensemblemitglied im Schauspielhaus Zürich, aber tatsächlich lebt er in Berlin. Allerdings stammt Stokowski aus Kassel, ist also Nordhesse und kein Schwabe, deswegen denke ich nicht, dass er im Prenzlauer Berg wohnt. Sind doch nur noch Schwaben, da.

jana schulz nackt. In mehr oder weniger jedem Theaterstück, das ich mit dieser großartigen Schaupielerin gesehen habe. Macht euch schlau, wann sie wo spielt, dann seht ihr sie auch nackt. Und stellt dabei womöglich fest, dass diese Frau noch viel mehr zu bieten hat als Brüste und Schenkel, just sayin‘.

selbst gemachter orgasmus. Da gibt es ganz unterschiedliche Techniken, wie man den erreicht. Um zu helfen, müsste ich ein bisschen mehr wissen, erstmal: Mann oder Frau?

oberstdorf altnazis. Kann ich mir schon vorstellen, dass da noch ein paar hocken. Aber auf kurze Sicht werden die auch wegsterben, also kein Grund zur Beunruhigung. Grund zur Beunruhigung ist allerdings, dass da immer wieder welche nachwachsen.

mord mit aussicht oben ohne. Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es eine Szene, in der Caroline Peters oben ohne zu sehen ist. Sie steht da unter der Dusche, es gibt also überhaupt keinen Grund, da ein Gewese drum zu machen, bemerkenswerter wäre, wenn sie in dieser Situation was anhätte. Allerdings beobachtet sie Bjarne Mädels Dietmar dabei, und der ist in der Folge nachhaltig verstört.

26. Juli 2013 · Kommentare deaktiviert für Springer und ich · Kategorien: Aus der Produktion · Tags: , , , , ,

Natürlich habe ich ein Problem mit der Springerpresse, immer schon. Politisch, als Linker. Medienästhetisch, als Journalist. Ökonomisch, als jemand, der in Hamburg Printmedien macht und mit Schrecken sieht, welche Verheerungen Springer hier im Tageszeitungsbereich zu verantworten hat. Theoretisch weine ich keinem Springermedium hinterher, wenn es über die Wupper geht, praktisch natürlich schon, weil: Bei Springer arbeiten Kollegen, die auch nichts anderes machen als (unter wahrscheinlich alles andere als guten Bedingungen) ein halbwegs akzeptables Produkt herzustellen. (Ausnahme: die Leute, die bei Bild und B.Z. arbeiten. Das sind nicht meine Kollegen.)

Und doch haben mich die gestern veröffentlichten Meldungen schockiert: dass Springer all seine Printmedien mit Ausnahme der Bild-Gruppe und der Welt verkauft, an die seit ihrem Umgang mit der WAZ-Gruppe nicht gerade gut beleumundeten Mediengruppe Funke. Das hat mich vor allem deswegen schockiert, weil es bedeutet, dass auch die beiden Tageszeitungen Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost nach Essen zu Funke verkauft werden. Bei der Morgenpost ist das weniger schlimm, Berlin hat mit Tagesspiegel und Berliner Zeitung noch zwei weitere, qualitativ ohnehin über der Morgenpost stehende, bürgerliche Tageszeitungen am Start, Hamburg aber hat außer dem Abendblatt – nichts. (Das Boulevardblatt Mopo und die minimale Lokalausgabe der geschätzten taz kann man bei aller Liebe nicht voll zählen.)

Wir, die schöne, kluge Frau und ich, haben das Abendblatt in einem Akt der irgendwie leidenschaftslosen Hassliebe lange Jahre gelesen. Das war, naja, eine Lokalzeitung, Lokalpolitik, Klatsch und Tratsch, bisschen viel Nähe zur Wirtschaft. Nicht besser, nicht viel schlechter als Lokalzeitungen, wie sie täglich überall in diesem Land erscheinen, man musste das nicht mögen, man musste aber auch nicht so hämisch lästern wie all die ach so coolen, weltoffenen Verächter einer Form des Journalismus, der tagein, tagaus zwischen Passau und Flensburg praktiziert wird. Die Abendblatt-Macher konnten schon was, gerade im für mich wichtigen lokalen Feuilleton: Da gab es hoch ironische Klassikberichterstattung von Joachim Mischke, szenenahe Popkultur von Birgit Reuther, besserwisserische aber eben auch kenntnisreiche Tanzkritiken von Klaus Witzeling. (Und es gab natürlich auch den eitlen Konservatismus einer Armgard Seegers, klar, muss man nicht verschweigen.) Blöde war das Abendblatt vor allem in der für eine Lokalzeitung so ungemein wichtigen Lokalberichterstattung: immer nur „Hamburg, schönste Stadt der Welt“, immer nur Michel und Hafen, immer nur pro bürgerlicher Lebensentwurf. Wie sehr diese Berichterstattung ideologisch motiviert ist, ist mir klar, seit wir die taz abonniert haben: Das Abendblatt lässt im Lokalen bewusst Themen unter den Tisch fallen, und zwar konsequenter als es für die grundsätzlich konservative Grundhaltung der Zeitung nötig wäre. Alles was im Bereich Wohnungsnot eine andere Position als die der Grundeigentümer vertritt, findet im Abendblatt beispielsweise nicht statt, genauso wenig wie Kritik an der Hafenwirtschaft oder das Thematisieren der speziellen hanseatischen Provinzialität. (Ganz zu schweigen von der Rolle, die das Abendblatt einst bei der Installation der unseligen CDU-Schill-Regierung gespielt hat.) Eine Lokalzeitung aber, die all diese Themen nicht behandelt, bei der muss man schon fragen, wer sie überhaupt braucht.

Und doch, wenn das Abendblatt erst in der Funke-Bedeutungslosigkeit und später ganz vom Markt verschwunden ist, wird es mir fehlen. Schlicht, weil es keine Alternative gibt. Manche schöpften bei den gestrigen Nachrichten ja ein wenig Hoffnung: Wenn Springer sich vom Hamburger Markt zurück zieht, dann hieße das ja vielleicht, dass Platz würde für wirklich gut gemachten Lokaljournalismus. Ich aber glaube das nicht. Springer ist ja nicht naiv. Die gehen einfach davon aus, dass sich in naher Zukunft kein Geld mehr mit Lokaljournalismus verdienen lässt.

Egal, ob er gut gemacht ist. Oder nicht.