03. September 2013 · Kommentare deaktiviert für Hakenkreuzberg · Kategorien: It's a dirty job but someone's gotta do it · Tags: , , , ,

Ich darf die Diskussion mal kurz zusammenfassen? Da melden also jedes Jahr viele Muslime in Kreuzberg Veranstaltungen zum gemeinsamen Fastenbrechen an => Keine Veranstaltung wird genehmigt, es wären einfach zu viele, und man will nicht die eine genehmigen und die andere nicht => Stattdessen gibt es eine zentrale Verantaltung => Damit Christen, Atheisten, Hindus und wasweißichnichtalles sich nicht ausgeschlossen fühlen, wird diese als „Sommerfest“ deklariert => Aus Fairnessgründen wird entsprechend der Weihnachtsmarkt in „Winterfest“ umbenannt. Soweit, so nachvollziehbar.

Liebe Springerpresse, in eurer verqueren Logik ist es dann natürlich schon okay, dieses Thema sinngemäß auf „Wegen Muslimen: Jetzt verbietet man uns Weihnachten!“ runterzubrechen. Allerdings braucht ihr euch dann nicht zu wundern, wenn euch die islamophoben Faschoschweine die Tür einrennen. (Ich verlinke besagte Blogs hier übrigens nicht. Denn dann rennen die auch mir die Tür ein – zwar nicht applaudierend, aber ich will die hier trotzdem nicht haben.)

23. Februar 2012 · Kommentare deaktiviert für Wo wollte ich hier eigentlich hin? · Kategorien: Aus der Produktion · Tags: , , ,

Ein Kreuzberg-Mädchen betritt das Café: asymmetrischer Haarschnitt, Schal, Rock, Stiefel. Das Mädchen flüstert. Über Selbstzweifel, über Gentrifizierung, über seine geplante Kunstaktion an den Berliner sophiensælen: „Es sind Objekte da, die Objekte sind sehr wichtig, genauso wichtig wie die Personen. Wir haben auch Sound, und es gibt auch Gesprochenes.“ Das Mädchen ist Anne Tismer, eine Frau von fast 50 Jahren, Mutter einer erwachsenen Tochter. Natürlich ist es nicht fair, sie als Mädchen zu bezeichnen.

Aufgabe: während eines Interviews dem Interviewten möglichst nahe zu kommen, möglichst viel innerhalb der bestenfalls 60 Minuten zu erfahren, die man mit dem Interviewten verbringt. Problem: wenn man dem Interviewten plötzlich zu nahe ist. Fürs aktuelle uMag habe ich mich mit der geschätzten, verehrten Berliner Künstlerin Anne Tismer getroffen, ein sehr gutes, sehr schwieriges Gespräch mit ihr geführt – und am Ende einen Text veröffentlicht, bei dem ich jetzt, wo ich ihn ein weiteres Mal lese, den Eindruck habe, dass mir ein wenig verloren gegangen ist, wo ich eigentlich hin wollte. Und bei dem ich irgendwie die gesunde Distanz vermissen lasse.

Was nichts daran ändert, dass ich Anne Tismer sehr, sehr toll finde.

Ich bin in meinem Leben schon ein paarmal umgezogen. Nichts weltbewegendes, kein Ausland, kein St. Moritz, keine einsame Nordseeinsel oder so, aber häufig genug, um halbwegs einschätzen zu können, wo ich mich wohlfühle. Ich fühle mich wohl: im Ruhrgebiet. Und in Berlin. Das ist jetzt nichts Besonderes, aber man kann einen Schluss daraus ziehen: Ich scheine mich vor allem in Städten wohlzufühlen, die eher proletarisch geprägt sind, Städten, die nicht unbedingt von ihrem funktionierenden Bürgertum leben. (Dass ich selbst rein gar nichts Proletarisches an mir habe, dass ich mit meiner Ausbildung, meinem Beruf und meinen Interessen viel besser in die bürgerliche Schublade passe – geschenkt.)
Mit Hamburg tat ich mich entsprechend ziemlich lange schwer. Hamburg, das ist eben extrem wohlhabend, extrem teuer, extrem elitär, Hamburg, das ist eigentlich genau das Gegenteil von den Städten, in denen ich mich zu Hause fühle. Natürlich, Hamburg ist unglaublich schön, Hamburg hat den Hafen, hat den Fluss, hat eine weite Wasserfläche mitten in der Innenstadt, das ist ein Freizeitwert, den man nicht missen möchte. Bloß vertraut Hamburg eben auch blind auf diese Qualitäten, Hafenelbealster, eine Stadt, die sowas hat, die braucht nicht mehr, um lebenswert zu sein, oder? Aber eine Stadt braucht mehr, sie braucht bezahlbaren Wohnraum, sie braucht soziale Reibeflächen, sie braucht Freiräume, sie braucht Kunst und Kultur, und sie braucht Künstler. Dass Hamburg das alles hat, das kapierte ich erst verhältnismäßig spät: Es gibt in dieser Stadt subversive Reste, eine hochintellektualisierte Politszene aus den Überbleibseln der Hafenstraße etwa, oder eine Ausgeh- und Clubszene, die ernsthafte Anliegen ironisch verpacken konnte, den Pudel am Fischmarkt, die Mutter in der Stresemannstraße, die Weltbühne und die Tanzhalle.
Aus. Weltbühne und Tanzhalle haben längst zugemacht, die Mutter wird von Touristen überschwemmt, die Politkunstszene wohnt weitgehend in Berlin. Es ist unfair, so etwas an Personen festzumachen, aber als Angela Richter vor einem halben Jahr ebenfalls in die Hauptstadt gezogen ist und ihr Minitheater Fleetstreet daraufhin (zumindest in der bekannten Form) schließen musste, war mir klar, dass hier etwas kaputt ging.

Als ich vor zwölf Jahren nach Berlin zog, war ich unglaublich geflasht, wie sich die Szenen hier mischten. In Berlin hingen Punks, Schwule, Künstler, Linksradikale, Türken und Hedonisten zusammen, und irgendwie entstand aus diesem Gebräu etwas Spannendes. Nun gut, diese Mischung der Szenen passierte eigentlich nicht in Berlin, sie passierte in Kreuzberg, nein, sie passierte eigentlich ausschließlich im engeren Umfeld ums SO 36. Und tatsächlich gibt es solch einen eng umrissenen Bereich in Hamburg auch, er beginnt auf Höhe der Landenungsbrücken an der Elbe und zieht sich ungefähr vier Kilometer in Richtung Norden, nahezu rechteckig, durch St. Pauli, die Reeperbahn, ins Schanzenviertel, bis ungefähr auf Höhe der Roten Flora. Eine Fläche von rund acht Quadratkilometern, die zudem unter heftigstem Gentrifizierungsdruck steht. Dieser Gentrifizierungsdruck besteht ums SO 36 natürlich auch, Berlin ist wohl nicht besser als Hamburg, und das Berlin, das ich vor zwölf Jahren kennen und lieben gelernt habe, gibt es längst nicht mehr, klar. Ich bin ja nicht naiv.

Der Unterschied ist: Hamburg hat es nicht nötig, mir zu sagen, ja, es ist hier nicht alles okay, aber wir schätzen dich mit deiner Sehnsucht nach Freiräumen dennoch, und wir wollen dich nicht verlieren. Hamburg sagt: Freiräume brauchen wir nicht, wollen wir nicht, und Leute, die danach Sehnsucht haben, die sollen doch nach Berlin gehen, denen weinen wir keine Träne hinterher. Tim Hillenbrand hat das in seinem bösen, heftige Wellen schlagenden Abschiedsbrief „Hamburg, keine Perle“ vor einem Monat sehr schön formuliert:

(…) Andere Städte geben sich richtig Mühe, es ihren Bürgern nett zu machen. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass man mit dem Fahrrad fahren kann, ohne täglich den Unfalltod zu riskieren. Du nicht. Ich habe gehört, dass Du kommendes Jahr “Green Capital Of The World” wirst. Ist das ein Witz? Mit wem musstest Du dafür ins Bett gehen? Genausogut könnte man Berlin zur “Freundlichsten Metropole der Welt” küren.
Noch ein Beispiel gefällig? Du arbeitest seit längerem daran, zur kinderfeindlichsten Stadt Deutschlands zu werden. Deine Kitaplätze, ohnehin zu dünn gesäht, kosten jetzt über 500 Euro. Du hast das Essensgeld in Kindergärten und Schulen auf einen Schlag um 60 Prozent erhöht. (…)
Das einzige, was Du dauerhaft erreicht hast, ist, Deine Bürger zu vergrätzen. Deine Leute! Die Dich immer verteidigt haben. Die immer eine Niederschlagsstatistik zur Hand hatten, wenn die Münchner Dich wegen Deines Wetters verspotteten. Die immer eine Liste namhafter Künstler herunterrattern konnten, wenn mal wieder ein Berliner behauptete. “Hamburg? Da ist doch nichts.”
Für die müsstest Du mal Standortmarketing machen. Mit bezahlbaren Wohnungen. Mit Angeboten für Familien. Ist Dir eigentlich bewusst, dass ein Krippenplatz in Hamburg fast dreieinhalb mal so viel kostet wie in München?

Ja, Hillenbrand ist unfair, und Hillebrand ist auch ein bisschen doof (weil er nämlich ausgrechnet nach München zieht, die Stadt, die nun wirklich rein gar nichts von dem hat, was er in Hamburg berechtigterweise vermisst). Aber er hat recht. Hamburg, das ist eben nicht nur die tolle Elbe, das ist auch eine Stadt, die eine Verkehrspolitik macht, die jedes Verkehrsmittel, das nicht PKW heißt, erstmal zweitrangig behandelt. Hamburg ist eine Stadt, in der jeder hilflose Ansatz, Ungerechtigkeiten zumindest ein klein wenig abzumildern, sofort niedergebügelt wird, ob das jetzt der Versuch eines Schulsystems ist, dass minimal durchlässiger wird oder eine bessere Anbindung eines Problemstadtteils an den ÖPNV – sofort bilden sich Bürgerinitiativen dagegen. Hamburg ist eine Stadt, in der Pfründe aggressivst verteidigt werden. Vielleicht lese ich zuviel die Leserbriefspalten der einzig echten Lokalzeitung, aber ich habe immer mehr den Eindruck: Diese Stadt ist bevölkert von Leuten, die eine wahnsinnige Angst haben vor Freiräumen, vor Vermischung der Szenen, vor Subversion. Diese Stadt ist viel mehr Wandsbek und viel weniger St. Pauli. (Das ist nicht so weit hergeholt: Bei der regierenden CDU etwa geht rein gar nichts ohne Rücksprache mit dem mächtigen Ortsverband Wandsbek.)

Und dann stehe ich eben doch wieder an der Elbe und bin gepackt. Diese Stadt weiß nämlich, wie sie mich kriegt: mit ihrem Fluss. Dann gehe ich ins uebel & gefährlich und glaube, im besten Club der Welt zu stehen, dann gehe ich ins Thalia und bin überzeugt, dass nirgendwo in Deutschland besseres Theater gemacht wird, dann gehe ich am Gängeviertel vorbei und glaube, dass die subversive Kunstszene doch noch nicht vollkommen nach Berlin abgewandert ist.
Und dann habe ich doch noch meinen Frieden mit Hamburg gemacht, für kurze Zeit.

Edit: Ein halbes Jahr später äußert sich Hillenbrand noch einmal selbst zu seinem Text – in einem leider etwas nichtssagenden Video.

Foto: Michael Schmidt, aus der Serie „Frauen“ (1997–99), Copyright Michael Schmidt, Courtesy Galerie Nordenhake (Berlin)

Überall in Berlin hängen diese Fotos: Schwarzweißaufnahmen junger Frauen, meist ungeschminkt, meist kurzhaarig, meist in Bewegung. Nichts weiter, kein Bildhintergrund, keine Requisiten, kein Text. „Frauen“ heißt die Fotoserie, sie stammt von Michael Schmidt, und sie ist so etwas wie das zentrale Kunstwerk der diesjährigen Berlin Biennale. Kunst, die von einer provozierenden Unkünstlichkeit lebt. Und Kunst, die rausgeht aus dem Museum, auf Plakatwände, Websites, Zeitschriften. Für Schmidt repräsentieren die Porträtierten „eine Generation von jungen Frauen, die für einen Umbruch und ein neues weibliches Selbstbewusstsein stehen.“ Was aus dem Mund eines 1945 geborenen Fotografen ein bisschen unangenehm an eine schwiemelige Männerfantasie erinnert, dennoch: Diese Bilder zeigen tatsächlich eine neue Form von Weiblichkeit, sie zeigen einen Frauentypus, wie er sich um die Jahrtausendwende in Berlin breit gemacht hat, unbekümmert desillusioniert, ungezwungen erotisch, im Bewusstsein, dass die Multioptionalität der Gegenwart erstens eine Zumutung darstellt und dass man zweitens aus dieser Zumutung das Beste machen sollte. Wenn man so will, hat Schmidt für „Frauen“ einen Augenblick der Realität eingefangen, so gut das Kunst eben kann.

Darum geht es in dieser Ausstellung: einen Zugang zu realistischer Kunst zu finden, trotz aller Berechtigten Zweifel am künstlerischen Realismuskonzept. „Die in der Ausstellung versammelten künstlerischen Positionen verbindet ihr Blick auf die Wirklichkeit. (…) Das Ziel der Ausstellung ist dabei nicht die Verwechslung der Welt mit dem Ausstellungsraum; ihr Ziel ist es, den Betrachter zurück auf die Welt zu verweisen, auf das, was draußen wartet“, schreibt Kuratorin Kathrin Rhomberg im Katalog. In der Praxis sieht das dann so aus: In den Kunst-Werken ist ein Stockwerk in grelles Licht getaucht, ein riesiger, leerer, weiß getünchter Raum ohne jedes Kunstwerk. Nur in einer Ecke gibt es ein Fenster, das den Blick in den Nachbarraum erlaubt. Und dort sehen wir die riesige Installation „The places I’m looking for, my dear, are utopian places, they are boring and I don’t know how to make them real“ (2010) von Petrit Halilaj: die Holzverschalung eines Hauses, das der Künstler in seiner Heimatstadt Pristina baut. Der Blick geht aus dem White Cube hinaus auf ein Kunstwerk, das seinerseits den Blick weiter leitet in die soziale Realität des Kosovo, so funktioniert die Theorie dieser Biennale.

Oft hat die hier gezeigte Kunst eine dokumentarische Anmutung, so etwa wenn Bernard Bazile Demonstrationen in Paris filmt, wenn Mark Boulos Rituale nigerianischer Terroristen in einer Zweikanalinstallation mit der kollektiven Exstase einer Termingeschäftsbörse koppelt, wenn Renzo Martens mit Haut und Haar eine nüchterne Bestandsaufnahme der ökonomischen Ungerechtigkeiten zwischen erster und dritter Welt torpediert und so eine Art Michael Moore für den Kunstbetrieb wird. Sehr selten spürt man einen sinnlichen Reiz, manchmal aber schleicht sich ein stiller Humor in die Schau: Wenn Ron Tran zwei Reihen von Parkbänken fast unbemerkt verrückt, wenn Anna Witt in einem Video ihre eigene Geburt nachstellt. Und eine Arbeit rührt einen dann doch an, von Herzen: Ferhat Özgürs Video „I can sing“ (2008), in dem verschleierte Frauen zwischen Ankaraer Baustellen, Brachflächen und Moscheen singen. Beziehungsweise: die Lippen zu Jeff Buckleys Version von Leonard Cohens „Hallelujah“ bewegen.
Neben Özgür gibt es noch eine weitere Künstlerin aus der Türkei: Nilbar Güres. Ihre Fotoserie „Circir“ (2010) ist härter als der melancholische Religions-Clash Özgürs, sie zeigt die Bewohnerinnen eines Istanbuler Vororts und damit eine durchmischung von Generationen, Lebensstilen, sozialen und sexuellen Identitäten. Das Stadtviertel wird zum Körper, und Güres dokumentiert die Veränderungen dieses Körpers – wobei die finale Veränderung nur in zwei, drei Fotos spürbar ist: Das Viertel wird über kurz oder lang einem Tunnelbau weichen.

So wird der Blick ins Freie wieder eröffnet, der Realismus, den die Berlin Biennale einfordert. Und so kommt eben auch ein unangenehmer Aspekt dieser Ausstellung zur Sprache: Was bedeutet es eigentlich fürs soziale Umfeld, wenn die Kunst einfällt? Die Berlin Biennale bespielt neben den Kunst-Werken auch verschiedene Orte in Kreuzberg, zentral ein leerstehendes Kaufhaus am Oranienplatz. Allerdings stieß die Bespielung dieses Ortes nicht auf ungeteilte Begeisterung, in Kreuzberg befürchtet man mit dem Einmarsch der Kunst einen ersten Schritt zur Gentrifizierung des Viertels (Andrej Holm hat Verständnis für diese Befürchtungen, Harald Jähner in der Berliner Zeitung eher weniger).
Ganz falsch ist diese Annahme sicher nicht. In Mitte, im Dreieck Auguststraße-Gipsstraße-Sophienstraße, hat es die Kunstszene geschafft, ein funktionirendes Nebeneinander aus Wohnen, Arbeiten und Ausgehen innerhalb von zehn Jahren zur hochpreisigen Luxusmeile zu verschandeln. Ironischerweise auf eigene Kosten: Immer mehr Galerien kehren Mitte den Rücken, was bleibt sind Boutiquen, schlechte aber teure Restaurants und unbezahlbare Wohnungen. Nur ist die Berlin Biennale nicht der erste Adressat für solche Vorwürfe: Die Biennale ist keine Galerienschau, es geht bei ihr nicht um einen Kunstmarkt, es geht ihr um Theorie. Tatsächlich werden wohl an kaum einem Ort soziale Verschiebungen so klar und selbstkritisch reflektiert wie hier – man denke nur an Güres‘ Video. Ted Gaier, Rocko Schamoni, Melissa Logan und andere Hamburger Künstler haben diese selbstkritische Reflexion durch das Manifest Not in our Name, Marke Hamburg sehr klug formuliert: dass sie selbst gleichzeitig Opfer von Gentrifizierung wie auch Gentrifizierer sind.

Wir kommen aus besetzten Häusern, aus muffigen Proberaumbunkern, wir haben Clubs in feuchten Souterrains gemacht und in leerstehenden Kaufhäusern, unsere Ateliers lagen in aufgegebenen Verwaltungsgebäuden und wir zogen den unsanierten dem sanierten Altbau vor, weil die Miete billiger war. Wir haben in dieser Stadt immer Orte aufgesucht, die zeitweilig aus dem Markt gefallen waren – weil wir dort freier, autonomer, unabhängiger sein konnten. Wir wollen jetzt nicht helfen, sie in Wert zu setzen.

„Not in our Name, Marke Hamburg“ hat die Janusköpfigkeit von Kunst und Gentrifizierung recht gut verstanden, soweit ich den Berliner Diskurs überblicke, ist man dort noch nicht ganz so weit. Was der Protest gegen die Biennale aber auf jeden Fall gebracht hat: Der Anspruch der Ausstellung, den Zusammenstoß mit der Realität zu wagen, hat wohl sich radikaler erfüllt, als es die Ausstellungsmacher erwartet haben. Die Kunst ist in die Realität eingebrochen, hat versucht, die Realität zu reflektieren – und derweil hat sich die Realität selbst in den Diskurs eingemischt. Hat darauf hingewiesen, dass das alles gar nicht so toll ist, wie es hier abläuft. „Was draußen wartet“ war das Motto der Biennale – dass das, was draußen wartet, nicht unbedingt freundlich gesinnt ist, ist eine hübsche Volte dieses Gedankens.