Die geschätzten Kollegen von der Beef! haben klein beigegeben, also, auf ihrer Facebook-Page.

Liebe Freunde von BEEF!, liebe Veganer und Veganerinnen,
wir haben die Diskussionen mit zum Teil bösartigen Kommentaren auf dieser Seite in letzter Zeit intensiv verfolgt.
Grundsätzlich wollen wir hier einen Austausch über alle Themen ermöglichen und gleichzeitig gewährleisten, dass sich die BEEF!-Community hier wohl fühlt und diese Page eine Kommunikationsplattform für Hobbyköche bleibt.
In Zukunft werden wir deshalb aggressive, persönlichkeitsverletzende und Spam-Beiträge löschen. Und hoffen auf ein faires Miteinander.
Eure BEEF!-Redaktion

So heißt es da, ein ziemlich enttäuschter Schritt, womöglich: Das Ende der Idee eines offenen Internet. Da haben ein paar Medienmacher den Versuch gestartet, unvoreingenommen miteinander zu reden, und binnen kurzem wurden ihnen die Türen eingerannt, von Trollen und Hatern. Kann ich mir schon vorstellen, ich meine, ich kenne Vegetarier, ich weiß, wie intolerant die über einen herfallen können. Wenn es denn so einfach wäre.

Es ist aber nicht einfach. Das redaktionelle Posting, künftig Kommentare moderieren zu wollen, wird nämlich binnen kürzester Zeit ebenfalls kommentiert, und zwar zustimmend. Von Fleischliebhabern, und wenn die „Beef!“-Redaktion ihren Kommentarmoderatoren Beispiele geben möchte für „aggressive, persönlichkeitsverletzende und Spam-Beiträge“, dann muss sie eigentlich nur wahllos in diesen Kommentarwust greifen. „sollen diese radikalen Krawall Gemüse Leute ihren unsinn mal wo anders ab lassen“, motzt „Max Schmidt“ in eigenartiger Groß- und Kleinschreibung, „Wie wäre es mit einem beef-special NUR mit Dingen, die man aus dem Fleisch von VeganerInnen kochen, braten, backen und grillen kann? ;-)“, macht „Mene P. Unkrock“ einen echt total lustigen Witz, „Vegan, illegan, scheissegan“, stammelt „Gunnar Heinz Anthes“ (was er damit meint? Keine Ahnung), „Raus mit dem meckernden Ökovolk! Keine sinnlosen Diskusionen, einfach rausschmeissen!“, hat „Ronny Zemelis“ eine hackenzusammenschlagende Lösung, es wird schlimmer, von Kommentar zu Kommentar. „Chris R. Hirschberg“ meint: „wenn ich bedenke, daß „Gutmenschen“ wie viele Veganer & co in einem schwarz/weiß denken gefangen sind, würde ich gerne zu Folgendes dazusteueren: Wie wäre deren Ernährungsverhalten, wenn es nicht die importierten Güter von anderen Kontinten gäbe; wie brasilianische Bananen die von verarmten Bauern gepflückt werden, oder Orangen auf israelischem Boden gedeihen und von Blut getränkt werden? Denn Kohl, Spargel & Rüben und das was sich noch in unseren Breitengraden anbauen läßt, gehört doch eher zur kargen Ernährung, oder?“ Sobald in einer Diskussion jemand von „Gutmenschen“ schwafelt, ist die Diskussion schon beendet, zumindest für die Argumente der Gegenseite interessiert der sich mit ziemlicher Sicherheit nicht. So schlimm wie die Kommentare der Fleischesser können die der Veggies aber gar nicht gewesen sein, oder? Oder?

Doch, sie waren wohl ebenfalls so schlimm. Kommentare sind immer schlimm, man muss gar nicht in die Hölle von Welt Online hinabsteigen, auch die Foren von SpOn, der Kommentarbereich der taz, jede x-beliebige Community trieft vor persönlichen Beleidigungen, vor Stammtischparolen, vor Ressentiment und Besserwissertum. Katja Schweitzberger, Chefredakteurin des Modeblogs Les Mads, hat sich ein dickes Fell zugelegt und blendet negative Reaktionen einfach aus: „Das kann man sich als Modeblogger gar nicht erlauben. Dann wäre jeder Tag sofort gelaufen!“, sagt sie im jetzt.de-Gespräch, als Lukas Heinser vom Bildblog sie fragt, ob sie sich von negativen Kommentaren runterziehen lasse. Wahrscheinlich muss sie so denken, ja. Und dass sie das muss, das ist wirklich traurig.

Ein dickes Fell ist nötig, aber irgendwie will ich dieses dicke Fell nicht, irgendwie steht es mir auch nicht. Das hier ist ein kleines, unbedeutendes Kulturblog, da passiert nicht viel, mit aggressiven Kommentaren, trotzdem muss ich immer wieder welche löschen. Meist Besserwisser, die ein Konzert anders gehört haben als ich und das nicht mit anderen Argumenten als „Du hast keine Ahnung!“ formulieren können, manchmal auch Stinkstiefel, die einfach mal loswerden wollen, dass ihnen das Layout hier nicht passt. Damit kann ich leben. Aber der Ton ist ja trotzdem da, nicht nur auf der Beef-Seite, er ist auch da, wenn ich einen Leserbrief bekomme, in der mein Medium als „Schmierblatt“ bezeichnet wird, er ist auch da, wenn die Leistung einer geisteswissenschaftlichen Doktorarbeit als irrelevant dargestellt wird, er ist auch da, wenn man im „Tatort“ einen Journalisten zeigt, einen schmierigen Typen, der bereit ist, für eine in seinen Augen gute Story jede Moral fahren zu lassen. Dieser Ton ist immer dann da, wenn man nicht einsehen will, dass man gerade über die Arbeitsleistung eines Menschen redet.

Und, tut mir leid, ich habe keine Lust, irgendwann so abgefuckt zu sein, dass mich dieser Ton nicht mehr stört.