25. Juni 2013 · Kommentare deaktiviert für Was mache ich hier eigentlich: Maria Lassnig · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , ,

Van Gogh, Picasso, Goya – schön und gut, aber beliebig. Die drei hatten kaum mehr als ihre Prominenz gemeinsam. Lassnig wäre in einer Reihe mit Louise Bourgeois (ironisch-esoterische Hinterfragung des eigenen Körpers) und Marina Abramovic (Distanzlosigkeit zwischen Künstlerinnenkörper und Bildträger) viel besser aufgehoben. Aber Bourgeois und Abramovic, das sind ja Frauen, und mit denen will man seine Jahrhundertkünstlerin nicht in die Schublade stecken. Van Gogh macht da schon mehr her, denken Männer wie Dirk Luckow.

Ich habe in der morgen erscheinenden jungen Welt eine Ausstellungsbesprechung veröffentlicht: Es geht um die Retrospektive „Der Ort der Bilder“ der österreichischen Malerin Maria Lassnig in den Deichtorhallen, eine sehr gelungene Ausstellung übrigens, bei der sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt und bis 8. September auch möglich ist. Nur die Rede zur Eröffnung von Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow stieß mir sauer auf. Weil Luckow Lassnig entweiblichte, bloß keine Feministin! Besser: in eine Reihe mit (männlichen) Großkünstlern! Ärgerte mich ein wenig: dieses Geringschätzen feministischer Programmatik, die bei Lassnig doch eigentlich überdeutlich ist.

Aber, wie gesagt, nichts gegen die Ausstellung.

22. Februar 2012 · Kommentare deaktiviert für Le Cochon Bourgeois · Kategorien: Aus der Produktion · Tags: , , , ,

Die Installation bleibt im Halbdunkel, was den frappierenden Effekt hat, daß andere Ausstellungsbesucher unvermittelt zwischen den Gitterstäben auftauchen und dadurch selbst Installationscharakter annehmen. Dort hinten, der Stuhl: ein Exekutionsinstrument? Die Körperteile in der Ecke: Prothesen? Kopulierende Restmenschen? „Passage dangereux“ ist ein abgründiges Werk, ein Werk, das eine Ahnung davon vermittelt, was für einen Schock diese Ausstellung hätte auslösen können, würden sich tatsächlich ein paar Besucher, die sich die „Maman“-Spinne zum neuen Haustier auserkoren haben, in diese Folterkammer verirren.

Problem: Wie schreibt man über eine Ausstellung, die man zwar grundsätzlich gelungen findet, deren inhaltliche Anlage man aber von Herzen kritisiert? Mit meiner Besprechung von Louise Bourgeois in der Hamburger Kunsthalle versuche ich den Eiertanz zwischen echter Verehrung einer großen Künstlerin und Kritik am bürgerlichen Schweinesystem. (Und weil zunächst die doofe Berlinale und dann der doofe Gauck das Feuilleton der jungen Welt okkupiert hatten, lag mein Text über eine Woche auf Halde. Grmpf.)