Da kann die Selbstinszenierung noch so glamourös daherkommen: Blogging ist einfach over.

Da kann die Selbstinszenierung noch so glamourös daherkommen: Blogging ist einfach over.

Skandal! Schon den dritten Monat in Folge nachlassende Besucherzahlen auf der Bandschublade! Und dann alles Besucher aus solch unglamourösen Herkunftsorten wie Hamburg, Berlin und Flensburg! Irgendwie hat das keine Zukunft mehr, Blogging ist echt sowas von over, und sogar Mark ist der Meinung, dass Blogs im Grunde etwas sind, womit man eigentlich nichts zu tun haben will. Das muss aufhören, das macht einfach kaum noch Spaß, das macht sogar so wenig Spaß, dass ich jetzt schon meinen Monatsrückblick bastle, Tage vor dem Monatsende, okay, ein wenig hat das auch damit zu tun, dass ich gerade Zeit habe, währenddessen ich das kommende Wochenende und auch die Folgetage irre viel zu tun habe, und dann wäre schon Mai, und die Ironblogger sanktionieren ja ebenfalls sehr schnell, wenn man nicht schnell genug liefert … Wie dem auch sei. Im April gab es verhältnismäßig wenig Suchen nach dem unbekleideten Körper von Sophia Thomalla, das freut mich. Wie schon in den Vormonaten wurde nach „Sophie Rois nackt“ gesucht, aber für diesen Wunsch habe ich Verständnis, das ist okay. Bemerkenswert ist die mehrfache Suche nach „falk schreiber privattheatertage“, aber ich vermute, dass das meine momentane Praktikantin war, die ich beauftragt hatte, ein wenig zum Thema Privattheatertage zu recherchieren, also auch eher unspektakulär. Google ist auch nicht mehr, was es mal war, es muss echt mal was anders werden.

1. „wo auf den dockville tickets steht, dass ich fürs camping bezahlt habe?“ Gute Frage. Ich campe ja nicht, wenn ich aufs Dockville fahre, weil ich ein alter Mann bin, und alte Männer sind fürs Campen zu gebrechlich, außerdem habe ich ja ein bequemes Bett in Hamburg. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Tickets inclusive Camping eine andere Farbe haben als diejenigen, die ausschließlich Kunstgenuss ermöglichen.

2. „ist peter jordan ein schwabe?“ Klare Antwort: Nein. Jordan ist geboren und aufgewachsen in Dortmund, wurde an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg ausgebildet, spielte an Bühnen in Rostock, Bochum, Hamburg und Berlin und ist verheiratet mit der Schauspielerin Maren Eggert, die aus Hamburg kommt. Das ist alles voll unschwäbisch.

3. „die subversion der sexualität“ Hm, ja. Könnte man viel drüber schreiben, ich denke, diese Subversion muss man sich immer wieder neu erarebieten. Weil Sexualität ja eigentlich etwas total konventionelles ist, ich meine, selbst FDP-Wähler haben Sex. Und trotzdem auch subversiv, irgendwie. Ziemlich kompliziert, das ganze.

4. „peer steinbrück warum wählen“ Weiß ich, ehrlich, auch nicht.

5. „muss man sich als schauspielerin ausziehen“ Ja, muss man. Schon alleine, um das Kostüm anzuziehen, empfiehlt es sich, sich vorher auszuziehen. Duschen funktioniert auch besser, wenn man nackt ist. Oder Sex, wobei, da gibt es auch interessante Bekleidungsvarianten. Und manchmal ist es nicht die schlechteste Regieidee, wenn sich Schauspielerinnen (und Schauspieler) auf der Bühne ausziehen. Manchmal ist das auch eine doofe Idee. Mal so, mal so.

6. „wo steht das theater heute?“ In Hamburg steht eines am Hauptbahnhof, in der Kirchenallee. Und eines an der Binnenalster, Alstertor heißt die Straße. Über die Stadt verteilt gibt es aber noch mehr. In Berlin gibt es ganz spannende am Halleschen Ufer und am Rosa-Luxemburg-Platz, nur mal so als Beispiel.

7. „wo fand man in hamburg die gängeviertel“ In der Innenstadt, innerhalb der Wallanlagen, übelste Massenunterkünfte, in denen erbärmliche hygienische Zustände herrschten. Heute ist nur noch ein ganz kleiner Rest übrig, und auch der stand zeitweise vor dem Exitus.

8. „was ist kulinarisch gegen brühwürfel einzuwenden?“ Eigentlich nichts. Ist halt Convenience Food, das ist immer ein Problem, weil einem da die Souveränität der Zubereitung vorenthalten wird, aber, meine Güte, es sind Brühwurfel!

Kinder, demnächst wird alles anders. Bis dahin vielleicht noch: ein wenig Hipstersound?

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09. September 2012 · Kommentare deaktiviert für Der Betonfleck an der Förde · Kategorien: Kiste · Tags: , , , , , , , , , ,

Ich verstehe die Figur der Sarah Brandt nicht. Ich meine, natürlich spielt Sibel Kekilli ihre Kieler „Tatort“- öh, Kommissarin? Was ist Frau Brandt denn überhaupt für ein Dienstgrad? Egal, natürlich spielt Kekilli die Sarah Brandt ganz bezaubernd, so wie Kekilli so ziemlich alles ganz bezaubernd wegspielt. Aber: Was ist das für eine Rolle? Weswegen ist Brandt immer so naseweis, ein paar Sekunden später kekst sie ihren Chef ganz unnötig aggressiv an, und noch ein wenig später treibt sie eine Zeugin in die Enge, mit Worten erst, dann auch mit konkret körperlicher Gewalt, und das, obwohl der arme Junkie Roswitha (Peri Baumeister) doch nicht verdächtig ist, sondern sich nur zurecht Sorgen um den entführten Sohn macht. Ich verstehe die Figur der Sarah Brandt nicht.

Ansonsten ist dieser „Tatort: Borowski und der stille Gast“ natürlich ganz großartig. Erstens weil Lars Eidinger den Bösewicht spielt (den Bösewicht, der so böse vielleicht gar nicht ist … oder?), Lars Eidinger, den ich mehrfach schon in  schlechten Filmen gesehen habe, der aber selbst noch nie schlecht war (der bei seiner Drehbuchauswahl höchstens langsam mal aufpassen muss, dass er nicht auf die Serienkiller-Rolle festgelegt wird), Lars Eidinger, der mir vor einem Jahr fürs uMag das wahrscheinlich beglückendste Interviewerlebnis meiner bisherigen Journalistenkarriere schenkte, Lars Eidinger, dem man nur beim Brezelessen oder beim Zähneputzen zuschauen muss, und schon weiß man: Da zittert etwas hinter diesen Augenlidern, etwas Ungreifbares, Unheimliches. Da kann das Drehbuch (Sascha Arango) gerne Standardsituationen aus der Thrillerschublade aneinander reihen, da kann die Regie (Christian Alvart) mangelnde Originalität mit schick aussehenden Mätzchen zu kaschieren versuchen – sobald Eidinger mitspielt, nimmt man das hin, ich meine, Eidinger schaffte es schon vor zweieinhalb Jahren, den unerträglich seichten Ludwigshafen-Krimi „Tod auf dem Rhein“ mit einer ganz ähnlichen Performance wie hier halbwegs erträglich zu machen, und „Tod auf dem Rhein“ spielte eben nicht in Kiel.

Und das ist der zweite Grund, weswegen ich beglückt bin von diesem Krimi: Kiel. Hier traut man sich noch an eine Setzung, man behauptet einfach, dass Kiel, dieser Betonfleck an der Förde, die skandinavischste Stadt Deutschlands sei, weswegen man folgerichtig hier Schwedenkrimis (Naja, Schwedenkrimis ohne die rechtssozialdemokratische Moral der Vorlagen, ohne dieses „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber dass die alle hierher kommen und Verbrechen begehen, finde ich doch nicht so gut“, das bei Henning Mankell immer so unangenehm durchscheint) drehen könne. Da ist zwar überhaupt nichts dran, aber wenn man so eine Setzung macht, dann hat man einen Freibrief, die Schlagzahl zu erhöhen. Die Mörder sind jedenfalls unheimlicher, die Taten blutiger und die Ermittler (Borowski, Meister aller Klassen: Axel Milberg) kaputter als andernorts in Tatortland. Ach ja, zu den Ermittlern vielleicht noch: Eigentlich hat die Rolle des Kriminalrats Schladitz (Thomas Kügel) es nicht verdient, immer nur als halbtrotteliger Comic Relief verheizt zu werden, ein Minuspunkt für „Borowski und der stille Gast“. Überhaupt, wer braucht denn etwas zu lachen, in einem Krimi wie diesem?

Schließlich Borowski selbst. Der ermittelt nun auch schon seit rund zehn Jahren im Norden, und tatsächlich ist die Figur gewachsen, durfte sich entwickeln, vom halbwegs realistisch gezeichneten Polizisten der frühen Jahre (gab es nicht einmal auch einen Assistenten mit Migrationshintergrund, dem islamistische Tendenzen unterstellt wurden?) über die erotisch aufgeladenen, teilweise ins Absurde lappenden Fälle an der Seite der Polizeipsychologin Frieda Jung (Maren Eggert) bis jetzt zu den an die Nieren gehenden Thrillern mit Besserwisserpolizistin Brandt. Und jede Phase: besser als die vorangegangene.

Ein paar Fragen sind offen: Geht das weiter, mit Sarah Brandt, die nach drei Fällen endlich als Epileptikerin geoutet ist, was sie ja eigentlich dienstunfähig machen dürfte? (Und: Falls es weiter geht, dann wird es ein großes Problem für Borowski geben, dass er ihre offenbare Krankheit verschwiegen hat, oder?) Ist die Figur Schladitz noch zu retten, oder bleibt das eine Knallcharge? Vor allem aber: Ist der Mörder am Ende eigentlich aus dem Krankenwagen entkommen? Gruselig!

„Es ist immer so eine Sache mit diesen Krimis, die nicht nach dem sogenannten ‚Whodunit‘-Prinzip funktionieren“: Kai-Oliver Derks auf tatort-fundus.de. „Kiel ist momentan state of the art“: Matthias Dell im Freitag. „Mama, Spanner, Kind“: Christian Buß auf SpOn. „Schüchtern stammelndes Phantom mit Hornbrille“: Joachim Mischke im Hamburger Abendblatt. „Autor und Regisseur verließen sich zu sehr (…) auf den Ersatzschlüssel“: der Stadtneurotiker. „So endet eine große Liebe mit einem gewaltsamen Tod“: der Wahlberliner.