Die Bandschublade ist verstimmt. Weil: Die Besucherzahlen sind gesunken. Nicht massiv, aber ich bin ja ein von der öffentlichen Meinung Abhängiger, da fällt mir schon auf, wenn die Kurve nicht jeden Monat nach oben geht. Selbst die „Pornogoogler“ (Isabel Bogdan) sind weniger geworden, einer suchte „private saarländische pornos“, da kann ich nicht helfen, verweise aber auf die Kunstfigur des „Sachsen-Paule“, vielleicht gibt es ja was Vergleichbares von der Saar? Die Mehrheit im März googlete aber nach „fritzi haberlandt oben ohne“, das ist verhältnismäßig züchtig und hat wohl damit zu tun, dass Frau Haberlandt kürzlich eine Nebenrolle im „Tatort“ spielte.

1. „was sagt friederike kempter zu mord mit aussicht“ Sagt sie da überhaupt etwas? Dass sie die Serie vielleicht nicht kennt? Dass sie vom Neid zerfressen ist, weil „Mord mit Aussicht“ einen Grimmepreis hat und der Münster-„Tatort“ nicht? Nein, wahrscheinlich sagt sie etwas wie, dass sie sich über den Erfolg für die Kollegen freut, ist ja auch eine tolle Serie, pipapo. Schauspieler sagen immer solche Sachen.

2. „lustige reden zur vernissage“ Gibt es nicht. Im Gegenteil: Wenn der Galerist versucht, Witze zu machen, dann wirkt das sogar extrem verkrampft, das Publikum ist genervt, der Künstler fühlt sich nicht ernst genommen, anwesende Sammler sehen von einem Kauf ab, weil, Witzbildchen wollen sie nicht in der Wohnung hängen haben. Galeristen: keine lustigen Reden, bitte.

3. „rechnung moderationshonorar“ Muss man in der Regel stellen. Was rein gehört: Steuernummer, alle relevanten Daten, ob Umsatzsteuer oder nicht. Und natürlich die Höhe des Honorars. Das ist verhandelbar, in meinem Fall bewegt sich das zwischen „Wir zahlen das Taxi und hinterher ein Glas Wein“ und einem mittleren dreistelligen Betrag, Peer Steinbrück hingegen ist der Meinung, dass andere Honorare marktüblich seien.

4. „ummanteln der giacometti-drahtfiguren mit alufolie“ Neinneinnein, nicht mit Alufolie, mit Gipsbinden. Sieht doch sonst aus wie eine Geschenkverpackung.

5. „bin ganz nackt als der schwule handwerker kam“ Wow, das ist eine ganze Geschichte in einem einzigen, kurzen Satz. Dramatik, Sex, Klassenunterschiede. Weiter so. Ebenfalls schön: „junge hübsche ehefrau bei wohnungsbesichtigung vom makler gefickt“ Maklern trauen wir ja alles zu.

6. „uebel und gefährlich drogen“ Drogen werden im Hamburger Club uebel & gefährlich zweifellos konsumiert und wohl auch gehandelt. Hält sich aber noch in durchaus akzeptablen Grenzen. In diesem Zusammenhang ist auch die Suchanfrage „drogen im gängeviertel“ zu sehen.

7. „schwarz weiss denken der veganer“ Das ist so eine Sache, über die ich womglich wirklich einmal einen längeren Blogpost schreiben möchte. Ganz grundsätzlich finde ich es eine gute Sache, Tiere nicht für die eigene Ernährung zu verwerten, zumindest nicht umzubringen – Vegetarier stehen mir eigentlich näher als Veganer. Und trotzdem esse ich Fleisch. Der Mensch ist inkonsequent, das gehört zum Menschsein dazu, und wenn ich meinen längeren Blogpost schreibe, dann mache ich hier einen Schlenker zum Sex, dazu, dass der Mensch im Bett manchmal Dinge praktiziert, die moralisch ebenfalls diskutabel sind. Dogmatische Veganer aber sind sehr konsequent, sie haben die richtige Lebensweise gefunden, nicht nur für sich, sondern für die Menschheit. Diese Konsequenz ist mir ein wenig unsympathisch.

8. „charly hübner großartig“ Auf jeden.

06. Juli 2010 · Kommentare deaktiviert für Eifelzombies · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , , ,

Ich schaue ja so gut wie nie fern. Okay, bisschen Tatort mal, bisschen Fußball, bisschen Jauch. Wenn halt nichts anderes zu machen ist. Aber sonst, nee.

Doch.

Mord mit Aussicht, Dienstags, ARD: eine, wie nennt man sowas?, Krimiserie mit humoristischem Einschlag. Der Inhalt: hanebüchen. Eine Kölner Kriminalkommissarin wird strafversetzt (ich habe verdrängt, weswegen, es ist auch nicht wichtig, wichtig ist nur, dass sie aus ihrer Abneigung gegen das Landleben keinen Hehl macht), in ein Eifelkaff namens „Hengasch“ (man pflegt hier liebevoll den doofen Kalauer, der zuständige Landkreis nennt sich „Liebernich“), muss sich mit der phlegmatischen Besatzung der örtlichen Polizeistation arrangieren und würde doch viel lieber Mordfälle lösen. Und, doch, es passieren Morde in Hengasch. Und nicht nur einer: Je länger die Serie voran schreitet (momentan sind wir bei Staffel 2), desto heftiger geht’s zur Sache. Nachdem man in der heutigen Folge sah, wie sich zwei kryptoreligiöse alte Jungfern zombiehaft durch die Eifel meucheln, bekommt man echt ein wenig Angst, wie das in den nächsten Wochen weitergehen mag.
So doof der Inhalt, so großartig die Umsetzung. Diese Schauspieler: Burgtheaterstar Caroline Peters als Kommissarin, „Stromberg“-Sidekick Bjarne Mädel als Wachtmeister und DT-Ensemblemitglied Meike Droste als Polizeianwärterin machen aus der familiengerechten Vorlage das Beste und drehen sie in Richtung heftigster Comedy. Während die Drehbuchautoren Marie Reiners und Sylke Lorenz den überdrehten Spaß wieder erden, also das fiktive Hengasch als echten dörflichen Mikrokosmos vor uns ausbreiten, inklusive zerstrittener Nachbarn, dichter sozialer Kontrolle und Zerstreuungen zwischen alkoholseligen Schützenfesten und trostlosester Promiskuität. Und zwar immer mit dem Hintergrundwissen: Das gibt es alles. Und wir müssen das nicht gut finden, hier.

Man könnte noch weiter loben. Die detailverliebte Regie von Torsten Wacker und Joseph Orr. Die Gastauftritte von A-Klasse-Schauspielern wie Sophie Rois. Man kann allerdings auch nur vor sich hinkichern, in Gedenken der Zeit als man selbst aufs Land strafversetzt wurde. Ein wenig irr klingt dieses Kichern.