Du musst dein Leben ändern. So wie es ist, ist es gut, aber gut ist nicht wirklich gut. Die Sehnsucht nach dem anderen, der Wunsch, auszubrechen, das war hier schon einmal Thema. Und weil sich schon das Jahr geändert hat, ändert sich auch das Leben, kurzfristig, man hört mit Rauchen auf, man verzichtet auf Fleisch, man macht Sport, zweimal die Woche, so etwa. Man singt Lieder.
Ein Wunsch fürs neue Jahr meinerseits: Das, was ich als „intellektuelle Ungebundenheit“ meines Berufs bezeichne, also quasi den einzigen echten Vorteil, den ich habe, endlich wieder ausleben. Fremd küssen, im übertragenen Sinne. Einem fremden Medium einen Text schreiben, bestenfalls: einen Text, wie ich ihn zuhause, im geschätzten, angestammten Medium so nicht schreiben würde. Zum Beispiel eine Theaterrezension.

Das ist Arbeit.

Was nicht unter solch einem Seitensprung leiden darf: das eigentliche Zuhause, will sagen mein echter Arbeitgeber. Was ich mache, soll ein Spiel sein, kein Sprung, sondern ein Tanz zur Seite. Was ebenfalls nicht leiden darf: mein Privatleben. Bleibt ein Drittes: die Bandschublade. In der wird zukünftig wohl weniger los sein, jetzt, wo wir 2012 haben und entsprechend alles anders wird. Was ein wenig schade ist, gerade erst wurde umgezogen auf die neue, eigene Domain, da soll hier schon die große Langeweile einkehren? (Obwohl, heute abend kommt ein Tatort, da wird vielleicht noch eine Rezension drin sein, und wie wir wissen, wird nichts in der Bandschublade so ausdauernd gelesen wie die Fernsehkritik.)

Zunächst geht es erst einmal um alles und um nichts, darum, Rollen auszuprobieren, Theater zu spielen, sich einmal ganz und gar ehrlich Gemeinheiten ins Gesicht zu sagen.

Ich habe einen Text geschrieben, für das geschätzte Internetfeuilleton nachtkritik.de: „Im Zombiewunderland“, eine Kritik zur Uraufführung von Oliver Klucks „Leben und Erben“, gestern abend im Hamburger Schauspielhaus. Es muss ja weiter gehen, irgendwie.