Also. Natürlich kaschieren die Promofotos ein wenig. Natürlich ist Patrick Wolf nicht so atemberaubend hübsch wie auf seinen Plattencovern. Patrick Wolf, 1983 in London geboren, hat ein Bäuchlein, er hat keine gute Haut, vor allem zeigt er ein wenig die Mopsigkeit des späten Morrissey (die Tatsache, dass meine Handykamera extrem unscharfe Bilder macht, kann in diesem Zusammenhang als gnädig interpretiert werden). Aber Patrick Wolf weiß ja, wie er aussieht. Und Patrick Wolf traut sich dennoch, sich immer wieder nach rechts zu wenden, sich direkt ins Scheinwerferlicht zu stellen, das Licht in den Schweißtropfen auf seiner Stirn spiegeln zu lassen, eitel, glücklich. Um dann den Scheinwerfer zu nehmen, ins Publikum zu leuchten, das gesamte uebel und gefährlich abzutasten, bis er dann eine Sekunde verweilt, erst kapiert man es gar nicht, und dann, wie vor den Kopf geschlagen: Der meint ja mich! Patrick Wolf schaut mich an, der Crooner, der Kitschsänger, er schaut und lächelt, er muss mich meinen! Und dann zieht der Scheinwerfer weiter.
Hinter all dem Camp, dem Tüll und der Schminke und den Konventionen der „Judy! Judy! Judy!“-Musicalbegeisterung, schafft es Patrick Wolf, einem kurz das Gefühl zu geben, der einzige Adressat seiner Songs zu sein, das ist nicht schlecht. Vor allem, weil mich diese Songs bei jedem Hören weniger berühren, ich meine, das ist Folk mit Elektro- und Indierock-Elementen. Folk plus Indierock, wenn man freundlich sein möchte, dann klingt das nach Bands wie New Model Army oder den Levellers, wenn man unfreundlich ist, dann betont man den hohen Streicheranteil der Songs und hört plötzlich ostdeutsche Mittelalterrockbands raus. Und nur die Erkenntnis des hohen Campfaktors von Wolfs Auftreten rettet ihn – weil nämlich auf dem Nordhausener Mittelaltermarkt die Heterosexualität gefeiert wird, offensiv schwules Auftreten ist da nicht so gern gesehen. Nur hilft dieses Gedankenkonstrukt gerade mal bei den alten Wolf-Arbeiten, „Lycanthropy“ (2003) oder „Wind in the Wires“ (2005), bei „The magic Position“ (2007) wird es schon schwierig, und beim aktuellen Werk „Lupercalia“ funktioniert es überhaupt nicht mehr. Denn Wolf integriert auf „Lupercalia“ vermehrt Soul-Elemente in seine Musik, ähnlich, wie es Anfang der Achtziger Dexy’s Midnight Runners und Anfang der Neunziger Bob Geldof versuchten. Und da rettet auch die offensive Homoerotik dieses Konzerts nicht, im Soulfolk hat man nicht grundsätzlich etwas gegen Schwule, der Bruch fehlt, und entsprechend gruselig klingen die Songs von „Lupercalia“ dann eben auch.
Wäre Wolf nicht solch ein wunderbarer Entertainer. (Er kann auch eine unausstehliche Zicke sein, hört man, egal, gestern im uebel & gefährlich war er reizend, ehrlich.) Er lässt das Publikum „Happy Birthday“ für seinen Verlobten singen, aber bitte auf Deutsch! (Und verzweifelt überlegt man zunächst, wie dieses Lied denn bitteschön auf Deutsch geht, bis einen die Woge des Publikums mitträgt, „Zum Geburtstag, lieber William, zu Geburtstag viel Glück!“) Er umarmt seine Violinistin, überhaupt, schön, wie liebevoll er mit seinen Mitmusikern umgeht, der hübschen Saxofonistin, dem schüchternen Bassisten, dem Rocktier am Schlagzeug und dem Buchhaltertypen an an der Elektronik. Er prostet dem Publikum zu und versteigt sich in eine ellenlange Ansage, ob man in Deutschland „Cheers!“ sagen könne, oder ob das Publikum das als „Tschüss!“ missverstehen würde, so lange, bis das Publikum geschlossen „Prost!“ brüllt. Er leistet sich Diventum, indem er sich ewig zur Zugabe bitten lässt, bis man dann kapiert, weswegen er so lange hinter der Bühne verschwunden blieb: Er hat das Kostüm gewechselt, er trägt jetzt ein Sakko, auf das ein ausgestopfter Falke drapiert ist, hübsch. Und dann spielt er das schlimme „The City“, ach, warum auch nicht.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=3hBJIbSScBM]

Es ist ein wunderbarer Abend. „Wenn er die Geige spielt, dann schmelze ich dahin!“, seufzt S., wohl wissend, dass ihr Dahinschmelzen Wolf überhaupt nicht tangieren dürfte, und dann spielt er eben trotzdem Geige, zum Schmelzen. Und dann spielt er das Piano, und dann die Ukulele, alles in einem Song, weil er nämlich beweisen will, was für ein versierter Multiinstrumentalist ist, das ist ein wenig streberhaft, aber okay. Immerhin verzichtet er vollkommen auf den Gitarreneinsatz, der die vorherige Tour prägte und leider schwer konventionell machte. Und dann greift Wolf zur irischen Harfe, immer wieder, man hört sie kaum in diesem vollen Bandsound, und trotzdem, er streichelt das Instrument, er fetischisiert diese hübsche, kleine Harfe. Und am Ende wird einem klar, dass die Motivation Patrick Wolfs zur Musik nur eines ist: Liebe.

23. September 2011 · Kommentare deaktiviert für Polly wants a Cracker · Kategorien: Schubladendenken · Tags: , , , ,

Keine Ahnung, was das für eine Party war, vor 20 Jahren, in irgendeinem Jugendzentrum außerhalb Ulms. Auf jeden Fall war die Party langweilig. Und auf jeden Fall sagte A., komm, lass uns nach Würzburg fahren, in Würzburg ist es spannender als hier. Nach Würzburg waren es 200 Kilometer, A. hatte sich in der Barockstadt mit C. angefreundet, ich kannte C. kaum, egal. Und A. nahm mich, nach fünf Minuten hielt jemand, der uns zur Autobahnauffahrt brachte, nach einer Weile nahm uns jemand mit zur nächsten Raststätte. Dort konnten wir nächtliche Fahrer ansprechen, nicht lange, und ein LKW brachte uns weiter nach Norden. Gegen Mitternacht kamen wir in Würzburg an.

Ich mochte A. wegen solcher Geschichten. Blödsinniger Geschichten, sinnloser Geschichten, verschenkter Zeit. Eigentlich erlebten wir nichts, aber am nächsten Tag hatten wir den Eindruck, unglaublich viel erlebt zu haben.

An der Raststätte hatten wir C. angerufen, er wusste also, dass wir kommen würden, hatte Pizza in den Ofen geschoben oder bestellt, ich weiß es nicht mehr. Wir saßen in seiner Studentenwohnung, im Vorort, eigentlich ein Dorf zwischen Weinbergen, Main und Autobahn. Wir rauchten. Wir futterten Pizza, später wollten wir noch in die Stadt, etwas erleben, Würzburger Nachtleben, Yeah! Kurz fragte ich mich, was ich hier eigentlich machte. Und weil der Abend begann, ins Unsichere abzugleiten, ins plötzlich nicht mehr Lustige sondern ins Verkrampfte, legte C. eine Platte auf, die er neu irgendwo entdeckt hatte, Nirvana, „Nevermind“. Ich kannte die Band nicht, C. meinte, das sei „so eine Art amerikanischer Hardcore, so ähnlich wie Fugazi„. Ich mochte Fugazi, wahrscheinlich versuchte C., mir Nirvana, von denen er hörbar angetan war, auf diese Weise schmackhaft zu machen, ich aber fand nicht, dass das so wahnsinnig nach Fugazi klang. Schon dieses Cover, ein Baby im Schwimmbecken, dem ein Angelhaken mit Dollarnote vor dem Grinsegesicht baumelte: eine Symbolik, die ja wohl dem letzten Hinterwäldler verständlich sein dürfte, Sozialkritik für Metalfans, wie sie damals auch auf Plattencovern von Anthrax („Among the Living“) oder Megadeth („Peace sells … but who’s buying?“) angesagt war. Ein Witz.
Musikalisch konnte ich ebenfalls wenig damit anfangen. Auch noch, nachdem alle Welt „Nevermind“ als Meilenstein der Popmusik feierte, war ich immer noch nicht warm geworden mit diesem Sound, zu melodiös war mir das alles, zu vorhersehbar auch, zu sehr Rock. (Wie gesagt, damals waren Fugazi meine Lieblingsband.) Viel später sagte mir A., dass sie ebenfalls kein glühender Fan wurde, auch wenn sie sich „Nevermind“ bald auf Kassette überspielte: Für sie klang das alles wie Guns n‘ Roses auf Indie. Und doch, gute Songs waren das schon, laut und, ja, eben nicht punkig, sondern melodiös, voller versteckter Sehnsucht und Melancholie, mit einem Sentiment, das andere Grunge-Bands wirklich nicht hatten (was mir verwandte Bands wie Soundgarden oder Pearl Jam tatsächlich auf immer verleidete). Das Spiel mit Laut und Leise, mit Härte und Sensibilität spielten Bands wie die Pixies oder Hüsker Dü für mich weiterhin kreativer, egal, ich hatte meinen Frieden gemacht mit Nirvana, hörte sie mittlerweile ganz gerne, wenn auch ohne Leidenschaft. Und es war ja auch okay, dass diese Band bewies, dass auch harte Rocker eine feminine Seite haben konnten, weinen konnten, in Frauenkleidern auftreten konnten. Dann war die Geschichte auch schnell vorbei, Nirvana-Sänger Kurt Cobain tot, die Band aufgelöst. Und drei Jahre später veröffentlichte die ganz andere Band Portishead „Dummy“, eine Platte, die für die Entwicklung meines Musikgeschmacks viel wichtiger war als „Nevermind“.

Was „Nevermind“ für mich aber war, nicht zuletzt: eine Platte, die ich mit A. verbinde. Und jetzt, wo A. nicht mehr hier ist, gleichzeitig aber „Nevermind“ zum 20. Geburtstag überall eingeordnet, besprochen, verworfen und neu verortet wird, blutet mir das Herz.

P.S. Was ich an „Nevermind“ wirklich mochte, das waren nicht die Hits, nicht „Smells like Teen Spirit“, nicht „Lithium“. Sondern die kleinen, unauffälligen Marginalien. „Polly“.

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Edit: C. meldet sich über Twitter: Er erinnert sich nicht, mich into Nirvana getalkt zu haben, das würde auch gar nicht zu ihm passen. C. glaubt, dass ich ihn mit seinem Freund verwechseln würde, der viel früher Nirvana-Fan gewesen sei als er. Nichts liegt mir ferner als C.s Erinnerungen in Frage zu stellen, aber ich bin mir sehr sicher, dass besagter Abend in C.s, naja, wie nennt man das?, Bude?, stattgefunden hat. Was allerdings gut möglich, ja, sogar wahrscheinlich ist: Dass C.s Freund damals ebenfalls anwesend war. Und versuchte, mich von den Vorzügen von „Nevermind“ zu überzeugen. Außerdem meint C., dass meine Beschreibung implizieren würde, dass ich den Abend nicht so toll gefunden hätte. Altes Problem: Ich schreibe, dass ich etwas toll finden würde, und beim Leser kommt es so an, dass ich es ganz schlimm gefunden hätte. Ach.

23. August 2011 · Kommentare deaktiviert für Wie konnte das alles nur so den Bach runter gehen? (Teil 1) · Kategorien: It's a dirty job but someone's gotta do it · Tags: , , , , , , , , , , ,

Als ich vor rund zehn Jahren nach Hamburg zog, war das nicht die dümmste Entscheidung. Hamburg hatte einiges auf der Habensseite, war die zweitgrößte Stadt der Republik, da war es auch klar, dass Hamburg auch in kultureller Hinsicht zumindest die zweite Geige im deutschsprachigen Raum spielen würde. Und dem war ja auch so, Tom Stromberg hatte als Intendant des Deutschen Schauspielhauses eine funktionierende Bühne übernommen und ließ dort junge, unkonventionelle Leute wie Stefan Pucher oder die freie Gruppe She She Pop spannendes Theater machen, am benachbarten Thalia war ein (bislang verhältnismäßig unbekannter) Schwabe namens Ulrich Khuon erfolgreich dabei, dem Haus seinen etwas konservativen Ruf auszutreiben, und an der Hamburgischen Staatsoper wandte Louwrens Langevoort gemeinsam mit seinem Hausregisseur Peter Konwitschny konsequent Regietheaterstrategien auf die Oper an (was mich zu diesem Zeitpunkt zwar nicht interessierte, aber wenn man schon mal da war, konnte man doch ein wenig Interesse entwickeln, nein?). Gut, bei der Bildenden Kunst sah es schon damals mehr oder weniger mau aus in Hamburg, aber wenn ich erstmal in der Stadt angekommen wäre, müsste es sich über kurz oder lang schon ergeben, dass ich eine spannende Galerie nach der anderen kennenlernen würde, dachte ich. Schließlich die Subkultur, Hamburg, die Stadt von Beatles, Hafenstraße und Blumfeld, Hamburg, die Pophauptstadt der Republik!
Und heute? Spielt Hamburg längst nicht mehr die zweite Geige, von einer Augenhöhe mit Berlin möchte man gar nicht mehr sprechen, aber es gibt auch keine Augenhöhe zu Köln mehr, nein, nicht einmal zum immer verachteten München. Hamburg ist Kulturprovinz, und mir tut das in der Seele weh. Aber wie konnte das passieren, wie konnte hier alles nur so den Bach runter gehen? Eine Spurensuche.

1. Klaus Wowereit
Ich bin kein Freund von Wowereit. Manche halten ihn für einen herausragenden Vertreter des linken SPD-Flügels, ich nicht. Nur weil jemand mit der Linken koaliert, heißt das nicht, dass er auch für linke Politik steht, im Gegenteil empfinde ich die Berliner Lokalpolitik seit Wowereits Machtübernahme als massive Politik der Entsolidarisierung, als Politik der Gentrifizierung und der Eventisierung. Linkes finde ich da nicht. Andere gestehen Wowereit zumindest einen Sinn für die Künste zu, meist auf Grund der Tatsache, dass der Bürgermeister eine Nähe zu Glamour und Entertainment pflegt und zudem tatsächlich hin und wieder auf Vernissagen zu sehen ist – und nicht zuletzt, weil er den Posten des Kultursenators abgeschafft, das Ressort beim Bürgermeisteramt angesiedelt hat und dabei auch tatsächlich ein ehrliches Interesse am Thema erkennen lässt. Peter Raue hat im heutigen Tagesspiegel recht klug ausgeführt, weswegen er diese Ansicht für ein fatales Missverständnis hält.
Nein, die Qualität Wowereits ist eine andere, die Qualität Wowereits liegt in zwei altbekannten Aussagen begründet. Zum einen ist da Wowereits Outing 2001: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so!“ Damit brachte der Bürgermeisterkandidat eine gewisse Chuzpe, eine gewisse Nonchalance, vor allem aber eine ziemliche Risikobereitschaft in die Politik (2001 konnte solch ein Outing auch einen Karriereknick bedeuten). Von so jemandem wollten (zumindest die Coolen), naja, nicht gerne aber doch nicht extrem widerwillig regiert werden.
Zum anderen wichtig war Wowereits Charakterisierung Berlins 2004 als „arm, aber sexy“. Man stelle sich das mal vor: Plötzlich waren Reichtum, Fleiß, Pflichtbewusstsein gar nicht mehr erstrebenswert, plötzlich war Sexyness das, worauf es eigentlich ankam. Und Berlin hatte das – musste ja, wenn sogar der Bürgermeister das sagte. Kein Wunder, dass all diejenigen, die ebenfalls arm aber sexy waren (Künstler! Kreative! Cooles Prekariat!) dort hinziehen wollten. Ein Paradies für die kreative Klasse – und das waren ja wohl diejenigen, die laut Richard Florida die Zukunft darstellten. Gegen das Berlin Wowereits konnte Hamburg nur verlieren.

to be continued

Natürlich ist es unseriös, jetzt einen Rückblick übers Dockville 2011 zu schreiben, jetzt, am Sonntagnachmittag, noch bevor Zola Jesus gespielt hat, noch vor Kele, noch vor noch zu entdeckenden Acts wie den Crystal Fighters. Natürlich ist das unseriös, andererseits: weswegen den schön verlotterten Sonntagnachmittag aufgeben für Bands, die man entweder schon kennt oder bei denen man gar nicht weiß, was man verpasst, wenn man sie nicht kennenlernt? Weswegen nicht, zum Beispiel, eine Folge „Lost“ in den DVD-Player schieben, der schönen, klugen Frau ein wenig die Füße streicheln und den Dauerregen vor dem Fenster Dauerregen sein lassen? Weswegen eigentlich nicht?

Geprägt war das diesjährige Dockville, muss man eben sagen, vom Wetter. Also: vom Wolkenbruch Freitagvormittag, der das Gelände erstmal in Teilen unter Wasser setzte, die Zeltbühne Maschinenraum unbespielbar machte und den Platz vor der zweitgrößten Bühne Vorschot in eine Schlammlandschaft verwandelte. Dafür kann niemand etwas, und außerdem kämpfen dieses Jahr auch Open-Air-Kinobetreiber, Eisdielenwirte und alle übrigen Menschen, die auf gutes Wetter angewiesen sind, mit dem unvorstellbar verregneten Sommer. Allerdings: Beim Festival hatte es eben zur Folge, dass ich ziemlich viele Bands auf dem Vorschot nicht sah, weil ich mich nicht in die modrig stinkende, klebrige Masse traute. Insbesondere Freitag war das schade: Freitag hätten auf dem Vorschot Egotronic gespielt, Herpes und Marteria, alles nicht gesehen.
Wer ebenfalls unter dem Wetter litt: die Kunst. Das Dockville bildet sich zu Recht etwas darauf ein, ein Festival einerseits für Indiepop, andererseits für Bildende Kunst zu sein. Nur wurde die Kunst dieses Jahr von den Unwettern scher zerzaust beziehungsweise weggeschwemmt. Ich bin heilfroh, dass ich den Kunstbereich schon vorab besucht habe, außerdem kann man solcher Zerstörung der Kunst durch die Natur sogar noch einen gewissen ästhetischen Reiz zusprechen (es hat Ai Weiweis documenta-Arbeit „Template“ 2007 auch nicht geschadet, dass sie nach einigen Ausstellungswochen durch ein Unwetter, nein, nicht zerstört, sondern erweitert wurde). Bloß hat sich dieses Jahr bewahrheitet, was ich schon im Vorfeld befürchtet hatte: mittlerweile haben wir zwei Festivals namens Dockville, eines, in dem es um Kunst geht, und eines, in dem Pop im Mittelpunkt steht. Die wenigen Momente, in denen die Kunst in das Konzertwochenende gelappt hätte, habe ich verpasst: den Auftritt der ohnehin der Kunst- und Theaterszene nahen Goldenen Zitronen und das Konzert des seit Jahrzehnten geschätzten Andreas Dorau, der, wie man munkelte, gemeinsam mit der ebenfalls seit Jahrzehnten geschätzten Theatergruppe Showcase Beat le Mot auf der Bühne hätte stehen sollen. Grund für dieses Verpassen: das Vorschot, siehe oben.
Dafür trotzdem viel Tolles gesehen: Kakkmaddafakka, die ich vergangenes Jahr doof fand und deswegen skippte, mittlerweile mir aber schön gehört habe und unglaublich ironisch, campy, unterhaltsam fand (wobei natürlich eingerechnet bleibt, dass uns Ironie niemals retten wird, klar). Those Dancing Days, ich stehe ja sehr auf konsequent durchgeknallte Frauen, da ist mir auch egal, wenn sie musikalisch extrem unspektakulär daher kommen. Und: Santigold. Musik, die so vielschichtig, heterogen, klug und reflektiert ist, dass sie mir den Glauben an das Prinzip Pop zurück gibt, wenigstens kurz.
Und dann eben noch die Stimmung. Der Grund, weswegen ich eigentlich alljährlich aufs Dockville fahre. Klar, verregnet, dieses Jahr. Wobei die Qualität dieses Festivals eben ist: dass das egal ist. Dass die Junggesellenabschiedsdeppen, die unbedingt eine Schlammschlacht machen müssen, höflich ignoriert werden (damit sie am Abend beinahe den großartigen Santigold-Auftritt sprengen, aber okay, Trottel sterben nie aus), dass man den Matsch als ein wenig eklige, ein wenig lustige Variante der Festivalarchitektur akzeptiert und gottergeben durchschlappt, auf dem Weg zum nächsten Konzert. Und dass man, als endlich die Sonne rauskommt, die verschlammten Kleider vom Körper reißt und in die Elbe springt, ein fröhliches Kind, locker und glücklich und gelöst.

Und weil dieses Festival es trotz allem doch geschafft hat, dieses fröhliche Kind aus mir rauszukitzeln, zwei Tage lang, deswegen bin ich jetzt selig.

(Hier gehts zum uMag-Twitterwall. Und hier gehts nach 2010.)

Ich mag Thees Uhlmann einfach nicht.

Früher habe ich dieses Nichtmögen damit erklärt, dass mir Uhlmanns Band Tomte immer zu konventionell war, also zu rockistisch, zu maskulin, zu muckerhaft. (Stimmt ja alles, aber da gibt es natürlich Schlimmeres. Viel Schlimmeres. Und selbst das höre ich.) Aber, nein, ich mag Thees Uhlmann vor allem aus einem Grund nicht: Der ist wie ich. Also, der hat eine ganz ähnliche Geschichte wie ich, und damit meine ich jetzt nicht das frühe Studienziel, Deutschlehrer werden zu wollen. Sowohl Thees Uhlmann als auch ich kommen von dort, wo nicht primär die Musik spielt: er vom Dorf, ich aus der kleinen Großstadt. Aber während ich da immer fort wollte, während ich mich immer distanzierte, stellte Uhlmann immer klar, dass er (trotz zeitweilig Berliner Wohnsitz) der Junge aus dem niedersächsischen Hemmoor, irgendwo in der Einöde zwischen Cuxhaven und Bremervörde, geblieben ist. (Das Fiese daran ist, dass er ja recht hat: „Du kriegst den Jungen aus dem Dorf aber nicht das Dorf aus dem Jungen“, trotz Jahrzehnten in der Ferne bekomme ich den schwäbischen Zungenschlag nicht los, trotz aller Distanzierung geht es in diesem Blog, ja, wahrscheinlich in all meiner journalistischen Arbeit, immer nur um mein Nicht-Loslassenkönnen von den Spielplätzen meiner Jugend. Womöglich macht das sogar die Spannung dieses Blogs aus: das Scheitern an der Distanzierung. Und eben auch die Lust am Scheitern.)
Ich mag Thees Uhlmann nicht, und das liegt an diesem offensiven Betonen der Herkunft. Diesem: Ich bin was Besseres, weil, ich bin am Boden geblieben, und der Boden ist der sandige Boden Niedersachsens. Das kommt bei mir unglaublich arrogant rüber, so arrogant, wie Uhlmann wahrscheinlich in Hemmoor gilt, der Studierte, der Antibürgerliche, der Rocker, der Sensible. Wenn mein Studium zu etwas gut war, dann zur Distanzierung von Ulm, wenn der Lebenslauf Uhlmanns zu etwas gut war, dann zur Distinktion innerhalb Hemmoors. Das ist mir fremd. Und ich bin neidisch, weil ich doch weiß, Typen wie Uhlmann kommen immer leichter durchs Leben wie ich. Ich mag ihn nicht.

Ein paar Impressionen aus der Provinz? In Uhlmanns erstem Solo-Video „Zum Laichen und Sterben ziehn die Lachse den Fluss hinauf“? Bitteschön.

[vimeo 26726073]

Wie das klappen konnte, ist mir auch heute noch nicht klar. Also, wie der Wachmann uns am Eingang zum Museumspark abpassen konnte und informieren, dass der Park leider geschlossen sei: „Gehen sie rein, schauen sie sich um, und wenn sie fertig sind, dann klettern sie einfach über den Zaun.“ Und dann schloss er das Tor hinter uns, keine Ahnung, wie das funktionieren konnte.

Wir haben 1999, und S. möchte einen Artikel schreiben: über einen Kunstparcours, der im Museumspark Rüdersdorf aufgebaut ist. Rüdersdorf ist eine Ortschaft am östlichen Stadtrand Berlins, und der Museumspark ist ein ehemaliger Kalksteinbruch mit der entsprechenden Verarbeitungsindustrie, der zum Großteil in den 60er Jahren aufgegeben wurde. Ein riesiges Gelände, teilweise von der Natur überwuchert, Kalköfen und Lagerhallen und Steinbrüche, unübersichtlich und wild, damals zumindest noch, Ende der Neunziger. Die Kunst ist, das merken wir schnell, nicht der Rede wert. Aber das Gelände ist großartig. Wir steigen über einen Zaun, schlagen uns durch ein Gestrüpp, klettern ein paar Meter auf ein bedenklich wackelndes Stahlgerüst, bekommen dann aber Angst und klettern wieder runter, hauen uns durch eine weitere Hecke und stehen an der Abbruchkante.
Es ist großartig. Vor uns geht es in die Tiefe, ein paar Pfützen, irgendwo ein Teich, weit drüben, auf einer Anhöhe: ein paar Autos. Schrottkisten, Geländemotorräder, wir hören Musikfetzen, Onkelz, würd‘ ich sagen. Wir kriegen uns nicht mehr ein, brauchen ein paar Minuten, um uns loszureißen, an den Schachtöfen vorbei, an einem Tunnel, der anscheinend einen Kanal zur Spree darstellt, zu einer Halle. Einer riesigen Halle, alles ist hier riesig, alles ist leer und einsam. Und nichts ist abgesperrt. Drinnen: eine Leiter, die auf ein Gerüst führt, unterm Dach. Wir klettern rauf und gehen ein paar Meter, das ist nicht gefährlich, es gibt ja ein Geländer. Ja? Plötzlich erscheint uns das Geländer nicht mehr wirklich Vertrauen erweckend, langsam, ganz langsam drehen wir uns um, Gott, ist das eng hier oben, ganz langsam setzen wir einen Fuß vor den anderen, zurück zur Leiter. Keine Ahnung, wie wir das überlebt haben.

Keine Ahnung, wie das funktionieren konnte.

Ich war seither nicht mehr in Rüdersdorf. Aber ich glaube, das Gelände wiederzuerkennen, im Video zu „Easy Leasing Superstar“ von Le Hammond Inferno, auch schon über zehn Jahre her:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=7XNgG7M8KzQ]

Es gibt solche Orte nicht mehr, nicht in Deutschland. Ferropolis in Sachsen-Anhalt: eine Eventlocation. Der Landschaftspark Duisburg-Nord: ein Spielplatz. Der ehemalige Brauturm der Dortmunder Union-Brauerei, das Dortmunder U: ein Kreativzentrum. Die gefluteten Tagebaue in Sachsen: ein Naherholungsgebiet namens Leipziger Neuseenland. Das ist alles gut, ich möchte das Museum am Ostwall nicht missen, auch dass der Museumspark Rüdersdorf mittlerweile mit Sicherheit professionalisiert arbeitet, dass mit Sicherheit niemand mehr unbeaufsicht aufs Gelände darf ist eine gute Sache. Wie gesagt, ich wundere mich immer noch, dass wir diesen Ausflug überlebt haben, und ich bin mir sicher, hätten sie so weiter gemacht, dann wäre irgendwann einmal jemand in einen ungesicherten Schacht gestürzt.
Und trotzdem bin ich traurig, und trotzdem fehlt mir jetzt etwas.
Mir fehlen die ungesicherten Orte. Industrieruinen, Abbruchhäuser, Urwälder. Einen Hauch dieses Ungesicherten spüre ich noch, jedes Jahr im August, beim Dockville-Festival in Hamburg-Wilhelmsburg. Musik hörend, zwischen aufgelassenen Hafenbecken, verlassenen Conatinerstellplätzen, runtergekommenen Lagerhallen. Aber jedes Jahr spüre ich weniger Zauber, jedes Jahr ist die Gegend aufgeräumter, jedes Jahr hat sich die Internationale Bauausstellung weiter vorgewagt, auf die Elbinsel Wilhelmsburg, auf diesen vergessenen Flecken Hamburg, der langsam aber sicher markiert wird, gesichert, eventisiert.

Das ist nicht schlimm. Aber etwas fehlt mir.

25. Juni 2011 · Kommentare deaktiviert für Und Boris Blank isst eine Brezel · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , , , , , , ,

Als Teenanger hörte ich manchmal die Schweizer Band Yello. Die schnellen, hektischen Titel, „Oh Yeah“, „Rubberbandman“, „The Race“, den einzigen echten Chartshit in der Bundesrepublik. Wobei ich diese Songs nicht als Techno-Vorläufer wahrnahm, auch nicht als Tribal-Exegese, sondern nur als lustige Rhythmusexplosion. Die andere, jazzige Seite Yellos, Songs wie „Desire“ oder „The Rhythm Divine“, fand ich schon damals langweilig, auf Plattenlänge aushalten mochte ich das Duo ohnehin nicht. Heute interessiert mich ein Stück wie das schnelle „Bostich“ gar nicht mehr, dafür finde ich „Desire“ plötzlich spannend, was wohl bedeutet, dass ich ein alter Sack geworden bin, der gerne ruhige Sachen hört, weil er mit ungestüm jugendlicher Rhythmik nicht mehr klar kommt.

So gesehen ist es ein wenig blöde, dass bei Dieter Meiers Ausstellungseröffnung in der Hamburger Sammlung Falckenberg lauter Videos zu schnellen Songs laufen. Was andererseits aber auch Sinn macht, weil der Sänger von Yello in diesen Promovideos eine Stopmotiontechnik anwendet, die selbstgemacht wirkt und gleichzeitig auch ausreichend Kunstcharakter hat, dass sie problemlos als Übergang zum Werk Meiers als Bildender Künstler funktioniert.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=F7-wSiuAvCo]

Dieter Meier ist bei Yello zuständig für Texte, Sprechgesang und alles Visuelle. Boris Blank ist zuständig für alles Musikalische. Das zerhackt zwar ein wenig das Rockband-Modell, das Ideal „Fünf Freunde müsst ihr sein“, das eröffnet Meier aber gleichzeitig auch eine Möglichkeit, mehr als nur Popmusiker zu sein: Filmemacher. Bildender Künstler. Konzeptkünstler. Wobei ein Teil dieser Konzeptkunst dann das Konzept „Band“ sein kann. Ein anderer wäre typische 70er-Jahre-Aktionskunst im öffentlichen Raum, das Beschreiten einer Linie im Stadtraum etwa, oder Meiers bekanntestes Werk im Kunstkontext, die Erstellung einer Tafel in Kassel zur documenta 1972 mit der Aufschrift „Am 23. März 1994 von 15.00-16.00 Uhr wird Dieter Meier auf dieser Platte stehen“ und der Umsetzung dieser Ankündigung, 22 Jahre später. Oder aber: das Geschichtenerzählen. Meier ist ein großartiger Fabulierer, der eine hinreißende Fotoreportage zur Besteigung des fiktiven „Monte Dorado“ erstellen kann und dabei den subversiven Schalk eines Erwin Wurm ausspielt, schön.

Zur Vernissage aber spielt Maier plötzlich wieder den Chansonnier, er ist ein älterer, gepflegter, ein wenig skurriler Protoschweizer mit leichtem Gilbert & George-Touch, ein lebendes Kunstwerk, das sich ans Mikro stellt und tatsächlich singt, begleitet von Gitarre und Violine. Yello-Sidekick Boris Blank derweil, der Mann für Samples und Maschinen und Dekonstruktion des Popduo-Konzepts, steht im Publikum und isst eine Brezel. Ganz kurz denkt man sich: Vielleicht weint er gerade.

Und dann nur leise Saalmusik. Und dann kaum Licht, und dann plötzlich viel Licht, undifferenziertes, hartes Licht. Und dann Nebel. Und dann diese Texte, auf Deutsch, naja, auf Austriakisch, auf Englisch, naja, sorry for my bad english/but my german’s even worse. Und dann gespenstische Visuals, schöne, nicht ganz daseiende Menschen unter der Kreuzberger Hochbahn. Und dann Rotwein direkt aus der Flasche, und dann Rückopplungen, und dann Blues und Jazz und Gospel und Indierock, ganz grauenhafte Genres, die einem da in Fetzen von der Bühne herabgeworfen werden, ein Fetzen Orgel bitte, ein Fetzen Gitarre, ein Fetzen Call and Response.

Ach, Ja, Panik waren in der Stadt, waren im Uebel & Gefährlich, waren wunderbar.

Ja, Panik, Kritikerband, über die mein verehrter Kollege Carsten zuletzt eine wahre Eloge schrieb, Querköpfe, Burgenländer (Kommander Kaufmann sagt, nirgendwo seien die Österreicher so schlimm wie im Burgenland, und die muss es wissen), die aus der Provinz nach Wien geschmissen wurden und aus Wien nach Berlin, wo sie den Nukleus bilden einer kleinen aus der Zeit gefallenen Szene um Hans Unstern und Christiane Rösinger (Ja, Panik-Sänger Andreas Spechtl war ein ganz wichtiger Protagonist auf Rösingers Solo-CD „Songs of L. and Hate“ und begleitete die Britta-Sängerin auch auf Tour am Piano, vor einem Vierteljahr am gleichen Ort). Aber auch: Ja, Panik, eine Band, die selbst das nicht gerade eine Riesenlocation zu schimpfende Uebel & Gefährlich gerade mal zu einem Drittel ausverkauft. Ah, Wurscht.
Denn Ja, Panik spielen, sie spielen diese schönen, diese zerstörten Songs, das herzzerreißende „Nevermind“, das chansoneske „Barbarie“ (zum Halbplayback vor Videostreichern), das slicke „Mr. Jones & Nora Desmond“, in einer guten Stunde alle Songs aus ihrer großen, schweren, aktuellen CD „DMD KIU LIDT“, zum Abschluss dann auch noch den abgründigen, kakophonischen, viertelstündigen Titelsong (der sagen will: „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“, groß!), sie lassen sich „Ficken für ein Handgeld“, sie schreien, sie fahren zur Hölle, und dann ist endlich Ruh‘.

Und dann kommen sie doch noch auf die Bühne, wieder, trinken Wein, verteilen Blumen ins Publikum, „Jetzt ist die Messe ja vorbei, da können wir wieder miteinander reden“, und dann schrubben sie noch ihre Hits runter, „Zwischen 2 und 4“, „Alles hin, hin, hin“, schnell und räudig, und man weiß gar nicht, ob man das jetzt gut finden soll, weiß man nicht, nein.

C. mag Olli Schulz nicht. Weil: „Ich kenn‘ den noch, von damals, als er immer im Grünen Jäger aufgelegt hat, da war der Typ schon immer so unglaublich arrogant!“ Ach, ich verstehe C., ich mag Olli Schulz auch nicht, habe ich auch schonmal geschrieben: konventionell finde ich ihn, rockistisch, sterbenslangweilig. Zumindest, wenn er mit Band auftritt, die dann versucht, möglichst passgenau US-amerikanische Songstrukturen nachzubauen, der deutsche Springsteen.

Weil Olli Schulz aber vergangenen Montag im Knust ohne Band unterwegs war, ganz alleine mit Akustikgitarre, weil er hier Raum hatte, dem Publikum zu schmeicheln, Witze zu erzählen, die keine Witze waren, rumzudengeln und den Loser mit Herz zu spielen, schlicht: eine Art Mike Krüger ohne CDU-Parteibuch zu sein, deswegen war der Montag doch ein recht schöner Abend. Auch wenn Onkelz-Fans und Indiemädchen natürlich ein einfaches Feindbild sind, ein viel zu einfaches Feindbild.

[vimeo 9756535]

Nein, Janelle Monáe, es liegt nicht an dir. Es liegt an mir, an meiner schlechten Laune, man. soll. einfach. nicht. zerstritten. auf. ein. konzert. gehen. Es liegt am Publikum, Hamburg halt, O-Ton C.: „So ein Musikliebhaber-Publikum, das immer noch Michael Jackson und den Jackson 5 hinterhertrauert“ (sic) (das allerdings in Bezug auf das Berliner Konzert am Vortag, Deutschland halt). Es liegt daran, dass es Getränke nur in diesen ekligen Plastikbechern gab. Es liegt daran, dass man kaum etwas sah (O-Ton K.: „Das ist immer das Problem mit HipHop-, Soul- und Funk-Konzerten, ach, grundsätzlich mit Konzerten, die ein Publikum mit Migrationshintergrund anziehen: Big Hair!“). Es liegt am Sound, der über eine halbe Stunde breiig durch die Halle suppte, ein Indie-Laden wie das uebel & gefährlich gerät eben an seine Grenzen, angesichts deines eklektizistischen Souls, nein?
Es liegt nicht daran, dass sich niemand Mühe gegeben hätte, aber: Wenn da Leute auf der Bühne längere Zeit eskalieren, und im Publikum eskaliert rein gar nichts, dann wirkt das ein wenig, hm, bemüht. Wie ein vorgespielter Orgasmus. Es liegt nicht an der Band, dass die Gitarre ein Rocktier bedient, das tut, als sei es Eddie van Halen in den frühen Achtzigern, wusste ich ja schon vorher. Wahrscheinlich liegt es wirklich: an mir. Dass mir so unglaublich langweilig war, während des Konzerts.

Ganz sicher aber liegt es nicht an der Musik. Songs wie „Tightrope“, „Sincerely, Jane“, „Cold War“, „Come alive (War of the roses)“ sind einfach zu toll, als dass ein missglückter Abend sie kaputt machen könnte. Und mal ehrlich: Macht ein einziger, irgendwie nicht so toller Sex denn eine Beziehung kaputt?

Eben.