Versuchsanordnung:
1. Reisgries herstellen. So: Reis in einer Pfanne ohne Öl braun rösten und dann im Mörser zerstoßen. Wahrscheinlich ist mit „Reis“ keine Mischung aus Natur- und Wildreis gemeint, egal, insbesondere der Wildreis gibt sich störrisch, am Ende hat man aber trotzdem halbwegs tauglichen Gries. Wir benötigen zwei Esslöffel.
2. 500 g in kleine Würfel geschnittenes Hühnerfleisch (angeblich funktioniert es auch mit Schwein und Rind, dann heißt das Gericht aber Larb Moo beziehungsweise Larb Nua. Ich hielt mich ans Hähnchenbrustfilet) mit vier (in meinem Fall riesigen) fein gehackten Frühlingszwiebeln und drei in dünne Scheiben geschnittenen Schalotten kurz in wenig Öl anbraten. Mit einer halben Tasse Hühnerbrühe (ich nahm den Brühwürfel aus dem Ökoladen, selbst gemacht schmeckt’s wahrscheinlich besser, aber, ach!) ablöschen. Würzen: mit je einem kleinen Bund Minze und Koriander (jeweils fein geschnitten), einer halben getrockneten Chilischote (ebenfalls fein geschnitten. Was soll ich sagen: Man schmeckte sie raus, aber höllisch scharf war’s nicht. Eine ganze Schote wäre vielleicht besser gewesen), drei bis vier Zitronenblätter (zwischen den Fingern mehr oder weniger zerkleinert), dem Saft einer halben Limette, eineinhalb Esslöffeln thailändischer Fischsauce und ein bis zwei Esslöffeln Chilipulver. (Eigentlich sollte auch noch eine klein geschnittene Stange Zitronengras rein, die ich auch besorgt, dann aber vergessen habe.) Reisgries zugeben. Köcheln, bis das Fleisch durch ist.
3. Mit Reis (authentisch wäre Klebereis, ich nahm die bereits erwähnte Mischung aus Natur- und Wildreis) servieren.

Ergebnis: Optisch ging das gar nicht. Sah aus, als hätte ich Fleisch und Zwiebeln in Spülwasser geworfen. Geschmacklich aber durchaus spannend: eine Mischung aus sauer und scharf, tricky. Nachwürzen muss man praktisch gar nicht, trotz des Verzichts auf Salz. Das nächste Mal vergesse ich das Zitronengras nicht und traue mich an mehr Chili, dann wird das. Für die Optik vielleicht: ein paar kurz angebratene Schnitte roter Paprika?

Gesamtnote: 2

11. Januar 2011 · Kommentare deaktiviert für Ästhetik des Scheiterns (3): Kohl · Kategorien: Ästhetik des Scheiterns · Tags: , , , ,

Ich bin aufgewachsen mit Helmut Kohl. Als ich anfing, mich für Politik zu interessieren, war er da, als mich die Politik zu frustrieren begann, war er immer noch da, Kohl durchzog meinen politischen Sturm und Drang, und Kohl durchzog mein Politikstudium. Irgendwie war kein Entkommen, vielleicht ist das der Grund, weswegen mich Kohl kulinarisch weniger interessiert. Obwohl er ja gut schmeckt, muss ich sagen, es gibt keinen Grund, Kohl nicht mit Freuden zwischen den Zähnen zu spüren. Nur beschäftigen möchte ich mich nicht mit ihm.

Daher: mein Dank an die Kollegen von der Beef!, einer Zeitschrift, die ich längst nicht so schlecht finde, wie mir immer alle einreden wollen (Hallo! Das ist doch eine gute Idee, ein Männermagazin, das das Mannsein nicht an der Frage „Welche meiner großbusigen, intimrasierten Sekretärinnen vernasche ich denn heute abend?“ festmacht, sondern an der Frage „Was soll ich denn heute abend kochen?“). Dankeschön, dass ihr in der Ausgabe 3/2010 die Renaissance des Kohls einläutet. „Beef! befreit Rot-, Grün und Rosenkohl aus ihrem matschigen Beilagendasein und erklärt sie endlich zum Hauptgericht“, das ist doch mal ’ne Ansage!
Und dann das: Das Rotkohl-Rezept (hier gehts zum pdf-Download, ich rate aber vom Nachkochen ab) ist eine schwere Enttäuschung.

Versuchsanordnung:
1. Einen Kopf Rotkohl (im Rezept stand 600 Gramm, meiner war geringfügig schwerer, egal, ich nahm auch von den übrigen Zutaten ein wenig mehr) putzen etc., in feine Streifen schneiden. Zwei (in meinem Fall also drei) Zwiebeln ebenfalls in Streifen schneiden und in drei Esslöffeln Butter andünsten, in einem (bzw. zwei, ich lass‘ das jetzt mit dem Umrechnen, schreibe immer nur auf, was ich tatsächlich genommen habe) Esslöffel braunem Zucker glasieren lassen. Kohl und 60 Gramm getrocknete Cranberrys zugeben, kurz andünsten. 350 Milliliter Cranberrysaft zugeben (ihr wolltet 300 Milliliter, aber daran konnte es doch nicht gelegen haben, dass das Gericht nahezu ungenießbar war. Cranberrysaft, das ist un-glaub-lich sauer, meintet ihr vielleicht Sirup? Oder irgendein Mischgetränk? Oder ganz was anderes? Rotwein vielleicht?), drei Lorbeerblätter zufügen, bei schwacher Hitze zugedeckt dünsten. (Wie lange, stand da nicht, ich dünstete einfach, bis der Kohl weich war und dann noch eine Ecke weiter.)
2. Inzwischen 75 Gramm Nüsse (ich nahm einfach die Nussmischung, die noch übrig war, laut Beef! hätten es Walnusskerne sein sollen … Wahrscheinlich eine gute Idee, die Walnüsse in der Mischung waren am Ende die mit Abstand leckersten) ohne Fett rösten, dann grob hacken. Fruchtfleisch von acht reifen Feigen grob zerkleinern. Alles zusammen unter den Rotkohl mischen. Mit Balsamico, Zucker (wegen des Cranberrysafts: viel Zucker!), Salz, Pfeffer und drei Teelöffeln Pfefferkuchengewürz (im Rezept stand Lebkuchengewürz, ist das nicht dasselbe? Diese komischen norddeutschen Produkte in diesen komischen norddeutschen Regalen bringen mich immer noch durcheinander, trotz mittlerweile knapp zehn Jahren Hamburg) abschmecken. Kurz vor dem Servieren eineinhalb Esslöffel kalte, fein gewürfelte Butter unterrühren.

Ergebnis:
Wie schon angedeutet: an der Grenze zum Ungenießbaren. Viel zu sauer, und das lag nicht an meinen leichten Abwandlungen des Rezepts, das lag am Cranberrysaft. Auch optisch wenig ansprechend, alles in allem eine rote, undefinierbare Pampe. Mal ehrlich, Beef!, wäre nicht das Anschlussrezept Brokkoli mit Feta nicht zumindest halbwegs essbar gewesen (wenn auch nicht weltbewegend … Also, mich hätte man damit nicht ins Bett kochen können, zumindest nicht ohne eine gewisse Grundsympathie), dann wärst du als Medium für mich, hihi, gegessen gewesen.
So aber: Eine Chance hast du noch. Weil ich, wie gesagt, die Idee hinter dir als Zeitschrift nicht ohne Reiz finde.

Also war ich Vegetarier. Beziehungsweise: Vegetarier war ich ziemlich genau einen Monat lang, angeregt durch Frau Bogdans Übersetzerinnenbegeisterung für Jonathan Safran Foer und dem in diesem Zusammenhang stehenden Erweckungserlebnis, dass Veganes durchaus lecker sein kann. Mit Einschränkungen beim Nachtisch, aber da ist die Übersetzerin auch anderer Meinung als ich, sei es drum. Also war ich Vegetarier. Ausnahme war der Moment, als mir beim Abendessen einfiel, dass ja noch Wurst im Kühlschrank ist und es keinem Tier nutzt, wenn ich die verderben lasse. Eine Ausnahme war, als T. zu Besuch kam und essen wollte, und das einzige Gericht, das die Schauspielhaus-Kantine um 15 Uhr noch vorrätig hatte, „Meatballs Toscana“ waren. Und eine weitere Ausnahme war die Woche in Katalonien, als ich um keinen Preis auf die landestypische Küche verzichten wollte.

Aber ansonsten war ich also Vegetarier, vier, gut, drei Wochen lang. Mit Unterstützung der schönen, klugen Frau, die mir die Schultern stärkte, und die ihre Unterstützung vorgestern zurückzog, nachdem ich Couscous mit Hühnchen statt mit Hühnchen mit Tofu zubereitet hatte. Heute abend habe ich Wurst gekauft, Cabanossi und Paprikasalami und kalten Braten, und es war sehr, sehr lecker. Ich bin gescheitert, aber aus dem Scheitern ziehe ich meine Kraft.

+++

Außerdem bin ich seit fünf Monaten bei WordPress, Zeit für ein kurzes Resümee. Also: Ich werde wohl bleiben. Weil WordPress eine für meine Bedürfnisse ziemlich gute Bloggingplattform ist; mir machen die Beitragsstatistiken Spaß, die Besucher sind gut im Blick, der Schutz vor Kommentarspam funktioniert ganz akzeptabel. Natürlich sperrt mich WordPress in ein enges, manchmal zu enges, Korsett, aber das ist das ewige Problem mit formatierten Strukturen, da muss ich wohl mit leben.
Womit es mir schwerer fällt, zu leben, das ist das Umfeld: WordPress zieht allem Anschein nach politisch schwierige Blogger an, das geht los mit dem sozialchauvinistischen FPÖ-Parteiblog „SOS Österreich“ (wird wie alle anderen Rechtsblogs nicht verlinkt, weil ich die Brüder nicht hierher in den Kommentarbereich locken will) über die Nazi-„Rapperin“ „DeeEx“ und rechte Verschwörungstheoretiker wie den „Honigmann“ bis hin zu klassischen Islamfeinden wie „Tangsir 2569“ und Israelfreunden wie „Heplev“. Das ist alles nicht schön, wenn ich schon beim Einloggen sehe, wie „SOS Österreich“ schon wieder als „Heute angesagtes Blog“ gelistet wird. Andererseits: Es gibt sie ja, die Freiheitlichen, die Verschwörungstheoretiker und die Islamhasser, und wo soll ich sie treffen, wenn nicht im Internet? Wo soll ich ihre Argumente hören, ihre Selbstgewissheit und ihre rhetorische Unbedarftheit, wenn nicht hier? Ich will nicht mit diesen Idioten leben, aber ich muss mit ihnen leben, hilft alles nichts.

Und ansonsten ist es hier ja auch wirklich schön.

Ich esse Fleisch. Ich bin da nicht stolz drauf, eigentlich würde ich gerne auf Fleisch verzichten, aus preislichen, aus gesundheitlichen, vor allem aber aus moralischen Gründen, ich mache es nicht. Dabei ist es nicht so, dass etwa der soziale Druck zu hoch wäre, im Gegenteil, in meinem Umfeld gibt es viele Vegetarier, niemand würde mir mit der duftenden Lammkeule vor der Nase herumwedeln, „Hmm! Möchtest du auch?“ Auch die Erziehung ist nicht schuld, bei meinen Eltern gab es zwar Fleisch, aber nicht ideologisch, also, nicht, dass jeden Tag ein Braten in dunkler Soße auf dem Tisch hätte stehen müssen. Nein, wahrscheinlich ist es so: Mir schmeckt Fleisch schlicht. Schweinfleisch, Rind, Geflügel, Lamm, vor allem Lamm.
Allerdings: Ich esse wenig Fleisch. Und wenn ich welches kaufe, dann meistens aus dem Bioladen, oder zumindest aus der Bioabteilung des Discounters. Ich weiß, ich lüge mir damit in die eigene Tasche, Fleischfressen ist Fleischfressen, und Discounterkram ist gleich nochmal übler, egal ob Bio oder nicht. Ich könnte auf Fleisch verzichten, Vegetarismus, kein Problem, wichtig sind mir Gewürze, wichtig sind mir, nicht zuletzt, Milchprodukte. Ohne Milch, ohne Sahne, ohne Käse könnte ich nicht. Ein Vegetarier zu sein, das könnte ich mir vorstellen, ein Veganer – nein.

Der US-amerikanische Romancier Jonathan Safran Foer hat ein Sachbuch über den Fleischverzehr geschrieben, „Tiere essen“. Und gestern lasen die Übersetzer Brigitte Jakobeit, Ingo Herzke sowie die wunderbare Isabel Bogdan im Restaurant Trific in Hoheluft aus „Tiere essen“. Und zwischen den einzelnen Passagen servierte Oliver Trific ein dreigängiges veganes Menü. Vegan! Und das war auch noch lecker! (Wenn man davon absieht, dass ich den Apfelstrudel zum Nachtisch ein wenig trocken fand und die Schöne sich nicht mit der Sojamilch im Cappuccino anfreunden wollte). Ich aber esse Fleisch, bald wieder.

Das Foto zeigt den Nachtisch, Strudel mit Zimtsorbet. Keine Ahnung, wie man so etwas vegan hinbekommt, ich würde es auf keinen Fall schaffen.

04. September 2010 · Kommentare deaktiviert für Schlunzküche · Kategorien: Ästhetik des Scheiterns · Tags: ,

Hurra! Frau Schwadroneuse ist wieder da! Mit einem neuen, einem, ähem, Kochblog: Kochen mit Schwadroneuse! Kochblogs, das geht ja eigentlich gar nicht, aber hier ist es was anderes, weil nämlich: Frau Schwdaroneuse pflegt ihre bekannte und geliebte Schlunzigkeit. Ihr Desinteresse. Dosenfraß. Wunderbar. Jetzt auf der Blogroll.

26. Juni 2010 · Kommentare deaktiviert für Ästhetik des Scheiterns (1): Schweinefleisch mit Bratreis · Kategorien: Ästhetik des Scheiterns · Tags: ,

Versuchsanordnung:
1. Gehackten Ingwer (im Rezept stand 1 Esslöffel, ich nahm deutlich mehr), 100 ml Sherry (das Rezept verlangte eigentlich chinesischen Kochwein) und 200 ml Hoisin-Sauce einige Minuten einkochen lassen. 400 g in Streifen geschnittenes Schweinefilet zugeben, ungefähr 5 Minuten braten, bis das Fleisch durch ist.
2. Währenddessen eineinhalb Tassen gekochten Jasminreis bereitstellen (laut Rezept funktioniert das mit jedem Reis, aber was gibt es gegen Jasminreis einzuwenden? Ich habe ihn mit ca. 1 Esslöffel Butter und einer Prise Salz gekocht). In 2 Esslöffeln Sonnenblumenöl (laut Rezept Erdnussöl, das ich aber nicht im Haus hatte) eine gehackte rote Chilischote (besser mehr, mein Ergebnis war alles andere als scharf) und sechs klein geschnittene Frühlingswiebeln eine Minute anbraten. Reis zugeben, u.U. ein wenig salzen. Rund 5 Minuten braten, dabei ständig umrühren.
3. 6 Stangen grünen Spargel (das Rezept verlangt Pak-Choi, allerdings war ich zu faul, zum Asiaten zu gehen, und auf dem Markt gab es keinen, also habe ich ein anderes längliches und grünes Gemüse genommen – Fehler!) ein wenig schälen und zum Reis geben. Weitere 3 Minuten unter Rühren braten.
4. Fleisch auf dem Bratreis anrichten. Mit Sojasauce am Tisch würzen.

Ergebnis:
Schmackhaft, überraschenderweise optisch sehr ansprechend. Ich nahm gerne Sojasauce, die Liebste verzichtete, ging beides. Größte Fehlerquelle war der Spargel: Man hätte ihn vor dem Anbraten kochen müssen, dann wäre er aber wahrscheinlich in der Pfanne mit dem Reis zerfallen. Oder hätte man ihn besser seperat servieren sollen? Am Besten wäre natürlich gewesen, man hätte doch irgendwo Pak-Choi besorgt. Oder, von mir aus, Mangold. Spinat wäre nicht gegangen, den mag die Liebste nicht. Aber Spargel, nee. Ebenfalls ein Problem: Sonnenblumenöl ist schlicht kein Erdnussöl, trotzdem funktionierte das Anbraten ganz gut. Und die Schärfe? Ließe sich ebenfalls noch optimieren.

Gesamtnote: 2,5