Hurra, Google ist wieder da! Keine Ahnung, woran das liegt, aber auf jeden Fall hat die Krakensuchmaschine dieses kleine Blog seit Mitte des Monats wieder gelistet. Was auf der einen Seite zur Folge hat, dass die Besucherzahlendurststrecke vom Juli vorbei ist, auf der anderen Seite aber auch, dass mir die Besucherstatistik von all den „sophia thomalla brust“-, „sophia thomalla titten“- und „simone thomalla sex“-Googlern verhagelt wird. Ach, was für unappetitliche Fetische es doch gibt!

Egal, jeder, der hier vorbei schaut, ist erstmal willkommen, zumal wenn er sich ordentlich benimmt! Und das tun die meisten ja auch, zumindest üble Beschimpfungen im Kommentarbereich gab es schon lange keine mehr. Und vielleicht kann ich auch ein paar Fragen beantworten, die hoffnungsfrohe Menschen ins Suchfeld ihres Browsers eingeben haben?

1. „kunst, sexualität und geschlechterkonstruktionen“ Immerhin fünfmal tauchte diese Anfrage in der Statistik auf, meine Lieblingsanfrage. Weil, Leute, die sich für solche Themen erwärmen, die will ich auf meiner kleinen, netten Seite haben – und eben keine Dumpfbacken, die sich nur dafür interessieren, ob Devid Striesow schwul sei (neun Anfragen). Letzteren sei zum x-ten Male um die Ohren gehauen: Nein, ist er, soweit ich weiß, nicht. Wobei „schwul“, „hetero“, „bi“: Solche Kategorien sind sowas von Neunziger! Beschäftigt euch mal ein wenig mehr mit Kunst, Sexualität und Geschlechterkonstruktionen, dann kapiert ihr, dass es Cooleres gibt, als nach der Veranlagung eines geschätzten Schauspielers zu googlen.

2. „filme mit sophie rois nackt ansehen“ Ich empfehle „Drei“ von Tom Tykwer, da ist die verehrte Frau Rois mehrfach nackt zu sehen (und mit ihr auch, als kleines Plus, Devid Striesow, ich meine ja nur!). Es gab auch mal einen alten, österreichischen Tatort mit nackter Rois, „Passion“, 2000 von Felix Mitterer gedreht. Oder verstehe ich die Frage falsch? Geht es darum, selbst nackt zu sein, während man einen Film mit Sophie Rois schaut? Oder gar darum, einen Film gemeinsam mit Sophie Rois zu schauen, und beide Zuschauer sind nackt?

3. „schmalste straße ulms“ Puh. Ich würde sagen, im Fischerviertel, ein Verbindungsweg zwischen Schwörhaus- und Fischergasse. Aber der ist nur für Fußgänger. Ob das als Straße zählt? Einfacher beantworten ließe sich die Frage nach der längsten Straße Berlins: Das ist das Adlergestell. Wollte nur niemand wissen.

4. „makler hamburg für weniger geld“ Die Frage ist falsch gestellt. Es gibt keine Makler für weniger Geld, weil Makler ihre Gebührenordnung haben und schön blöde wären, wenn sie von der abweichen würden. Eine andere Frage ist, wofür Makler eigentlich ihr Geld bekommen: fürs Vermitteln von Wohnungen. Nur vermitteln sie in einer Hochpreisstadt wie Hamburg gar nicht, sie schließen vielleicht die Tür bei der Wohnungsbesichtigung auf, sie sammeln die Selbstauskünfte ein, und die leiten sie weiter an den Immobilienbesitzer. Für diese extrem anspruchsvolle Tätigkeit kassieren sie drei Kaltmieten Courtage. Ist das gerechtfertigt? Falls man diese Frage mit „Nein“ beantwortet, sollte man sich eine zweite Frage stellen: Weswegen stütze ich dieses System dann eigentlich noch?

5. „wie macht man einen seitensprung“ Nunja, ich fürchte, das passiert einem einfach. Oder geht es hier tatsächlich konkret um eine Handlungsanweisung, so von wegen Ausziehen, Knutschen, Finger hier, Lippen dort und dann hoffentlich auch noch irgendwo ein Kondom?

6. „heidi brühl mädels vom immenhof duschszene“ Diese Anfrage habe ich Kid37 zu verdanken, der im Vormonat kommentierte, dass bei ihm ständig Leser nach besagter Duschszene suchen würden. Ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht einmal, was die „Mädels vom Immenhof“ sind, und dass die womöglich auch mal geduscht haben – mag sein, aber für mehr Informationen wäre es besser, wenn man bei berufenem Munde nachfragt: Das hermetische Café, ohnehin ein empfehlenswertes Blog.

7. „eheliche pflichten sex humor“ Das passt gar nicht zusammen, Sex und Humor. Und: „eheliche pflichten“, da geht es um Pflicht, da wird nicht gelacht, da wird die Pflicht erfüllt! Wegtreten!

8. „falk schreiber theater heute“ Ja, hier?

11. April 2012 · Kommentare deaktiviert für Was mir die Brüste von Sophia Thomalla sagen · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , , , ,

Einer der Vorteile von öffentlichen Verkehrsmitteln ist, dass man manchmal auf verwaisten Sitzen Lesestoff findet: mal eine Mopo, mal einen Spiegel, in Bussen der PVG gibt es sogar einen florierenden (und alles andere als unsympathischen) Tauschhandel mit ausgelesenen Büchern. Im Bus der Linie 37 (jener Linie, über die Matthias zumindest früher regelmäßig bloggte) allerdings finde ich heute keinen interessanten Lesestoff, sondern nur das Tageszeitungszeitungssurrogat aus dem Hause Springer, das ich hier ungern verlinke, das ich auch nicht berühren, nein, das ich nicht einmal anschauen möchte.

Von der heutigen Ausgabe allerdings grinsen mich zwei Frauenbrüste an, und da werfe ich dann doch noch einen Blick auf den Nebensitz (so weit, dass ich das Druckerzeugnis anfassen würde, geht mein Interesse aber doch nicht). Diese Brüste gehören anscheinend einer Sophia Thomalla, die ich nicht kenne, die aber, wie ich nach kurzer Recherche rausfinde, die Tochter der Schauspielerinnendarstellerin Simone Thomalla ist, und die ist ein Grund, wenn auch nicht der einzige, weswegen ich mich weigere, den „Tatort“ aus Leipzig zu schauen. Soweit, so uninteressant, ich wende den Blick ab und freue mich auch ein bisschen, als ein bulliger Typ an der Station Reeperbahn zusteigt und die Zeitung voller Verachtung auf den Boden pfeffert.

Nun ist es aber so, dass ich (von Berufs wegen, klar) verhältnismäßig häufig Fotos von nackten Körpern anschaue. Und im Vergleich ist zumindest das Foto der Thomallatochter recht bemerkenswert: weil überhaupt nicht klar ist, was die Fotografin (Irene Schaur, die eine ganze Strecke mit Thomalla für den Playboy fotografiert hat, den Playboy, der, nebenbei erwähnt, auch schonmal prominentere Models hatte als die Töchter von B-Promis) mit diesem Bild eigentlich will. Erst einmal geht es auf dem Bild nicht um Sex. Frau Thomalla ist zwar nackt, die Art, wie sie da sitzt (mit übereinander geschlagenen Beinen, anmutig, aber nicht paarungswillig, lüstern oder obszön) wirkt weniger lasziv als vielmehr verkrampft. Ich meine: die Armhaltung! Thomalla schaut dem Betrachter direkt in die Augen, das hat etwas Aufforderndes, aber auch nicht im sexuellen Sinne, eher so, dass man denkt, sie höre einem in einer angeregten Diskussion zu, man redet sich gerade um Kopf und Kragen, und sie weiß schon, dass sie gleich ein Bonmot bringen wird, das die eigene Argumentation wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt. Was aber nicht schlimm ist, wir sind hier zwar nicht einer Meinung, aber alles in allem geht es um einen gleichberechtigten Austausch von Argumenten, und sie hat einfach die besseren. Angeblich gab es vor einigen Jahren mal den Versuch, Nacktinterviews zu führen – vielleicht ist das Bild ja gar kein künstlerisches Aktfoto, vielleicht haben die Springer-Kollegen ja ein Nacktinterview geführt, und das ist einfach die Bebilderung, ein Foto von der Interviewsituation. (Blöde Idee, okay.)

Aber, gut, das Foto hat nichts mit Sex zu tun, und eigentlich muss es das auch gar nicht – es gibt ja noch andere Situationen, in denen man nackt ist. Unter der Dusche, im Bett, in der Sauna. Auf einem Thron, flankiert von zwei wolfsähnlichen Hunden. Äh, nein, das nun doch nicht. Nichts an diesem Bild passt, nicht die Nacktheit, nicht das eigenartige Ambiente (so ziemlich der gesamte Boulevardjournalismus weiß, dass es sich um das österreichische Schloss Moosham handelt), nicht das Setting. Das Foto ist weder sexy, noch ist es dokumentierend, noch ist es verschwiemelt, es ist eigentlich fast gar nichts. Das einzige, was man dem Foto zu Gute halten kann: Womöglich hat es tatsächlich einen eigenen Wert. Eine unmotivierte Nackte in einer unwirklichen Umgebung, flankiert von eigenartigen Hunden – das kann nur ein Traum sein. Und Irene Schaur wäre dann diejenige, die ein Bild für diesen Traum gefunden hätte, Irene Schaur wäre also eine Surrealistin. Die Renaissance des Surrealismus im Jahr 2012, auf einem Aktfoto in einem Erotikmagazin, das auch schon bessere Tage gesehen hat.

(Ich unterstütze Initiativen wie „Alle gegen Bild“. Und regelmäßiger Bildblog-Leser bin ich auch.)