Also war ich Vegetarier. Beziehungsweise: Vegetarier war ich ziemlich genau einen Monat lang, angeregt durch Frau Bogdans Übersetzerinnenbegeisterung für Jonathan Safran Foer und dem in diesem Zusammenhang stehenden Erweckungserlebnis, dass Veganes durchaus lecker sein kann. Mit Einschränkungen beim Nachtisch, aber da ist die Übersetzerin auch anderer Meinung als ich, sei es drum. Also war ich Vegetarier. Ausnahme war der Moment, als mir beim Abendessen einfiel, dass ja noch Wurst im Kühlschrank ist und es keinem Tier nutzt, wenn ich die verderben lasse. Eine Ausnahme war, als T. zu Besuch kam und essen wollte, und das einzige Gericht, das die Schauspielhaus-Kantine um 15 Uhr noch vorrätig hatte, „Meatballs Toscana“ waren. Und eine weitere Ausnahme war die Woche in Katalonien, als ich um keinen Preis auf die landestypische Küche verzichten wollte.

Aber ansonsten war ich also Vegetarier, vier, gut, drei Wochen lang. Mit Unterstützung der schönen, klugen Frau, die mir die Schultern stärkte, und die ihre Unterstützung vorgestern zurückzog, nachdem ich Couscous mit Hühnchen statt mit Hühnchen mit Tofu zubereitet hatte. Heute abend habe ich Wurst gekauft, Cabanossi und Paprikasalami und kalten Braten, und es war sehr, sehr lecker. Ich bin gescheitert, aber aus dem Scheitern ziehe ich meine Kraft.

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Außerdem bin ich seit fünf Monaten bei WordPress, Zeit für ein kurzes Resümee. Also: Ich werde wohl bleiben. Weil WordPress eine für meine Bedürfnisse ziemlich gute Bloggingplattform ist; mir machen die Beitragsstatistiken Spaß, die Besucher sind gut im Blick, der Schutz vor Kommentarspam funktioniert ganz akzeptabel. Natürlich sperrt mich WordPress in ein enges, manchmal zu enges, Korsett, aber das ist das ewige Problem mit formatierten Strukturen, da muss ich wohl mit leben.
Womit es mir schwerer fällt, zu leben, das ist das Umfeld: WordPress zieht allem Anschein nach politisch schwierige Blogger an, das geht los mit dem sozialchauvinistischen FPÖ-Parteiblog „SOS Österreich“ (wird wie alle anderen Rechtsblogs nicht verlinkt, weil ich die Brüder nicht hierher in den Kommentarbereich locken will) über die Nazi-„Rapperin“ „DeeEx“ und rechte Verschwörungstheoretiker wie den „Honigmann“ bis hin zu klassischen Islamfeinden wie „Tangsir 2569“ und Israelfreunden wie „Heplev“. Das ist alles nicht schön, wenn ich schon beim Einloggen sehe, wie „SOS Österreich“ schon wieder als „Heute angesagtes Blog“ gelistet wird. Andererseits: Es gibt sie ja, die Freiheitlichen, die Verschwörungstheoretiker und die Islamhasser, und wo soll ich sie treffen, wenn nicht im Internet? Wo soll ich ihre Argumente hören, ihre Selbstgewissheit und ihre rhetorische Unbedarftheit, wenn nicht hier? Ich will nicht mit diesen Idioten leben, aber ich muss mit ihnen leben, hilft alles nichts.

Und ansonsten ist es hier ja auch wirklich schön.

Ich esse Fleisch. Ich bin da nicht stolz drauf, eigentlich würde ich gerne auf Fleisch verzichten, aus preislichen, aus gesundheitlichen, vor allem aber aus moralischen Gründen, ich mache es nicht. Dabei ist es nicht so, dass etwa der soziale Druck zu hoch wäre, im Gegenteil, in meinem Umfeld gibt es viele Vegetarier, niemand würde mir mit der duftenden Lammkeule vor der Nase herumwedeln, „Hmm! Möchtest du auch?“ Auch die Erziehung ist nicht schuld, bei meinen Eltern gab es zwar Fleisch, aber nicht ideologisch, also, nicht, dass jeden Tag ein Braten in dunkler Soße auf dem Tisch hätte stehen müssen. Nein, wahrscheinlich ist es so: Mir schmeckt Fleisch schlicht. Schweinfleisch, Rind, Geflügel, Lamm, vor allem Lamm.
Allerdings: Ich esse wenig Fleisch. Und wenn ich welches kaufe, dann meistens aus dem Bioladen, oder zumindest aus der Bioabteilung des Discounters. Ich weiß, ich lüge mir damit in die eigene Tasche, Fleischfressen ist Fleischfressen, und Discounterkram ist gleich nochmal übler, egal ob Bio oder nicht. Ich könnte auf Fleisch verzichten, Vegetarismus, kein Problem, wichtig sind mir Gewürze, wichtig sind mir, nicht zuletzt, Milchprodukte. Ohne Milch, ohne Sahne, ohne Käse könnte ich nicht. Ein Vegetarier zu sein, das könnte ich mir vorstellen, ein Veganer – nein.

Der US-amerikanische Romancier Jonathan Safran Foer hat ein Sachbuch über den Fleischverzehr geschrieben, „Tiere essen“. Und gestern lasen die Übersetzer Brigitte Jakobeit, Ingo Herzke sowie die wunderbare Isabel Bogdan im Restaurant Trific in Hoheluft aus „Tiere essen“. Und zwischen den einzelnen Passagen servierte Oliver Trific ein dreigängiges veganes Menü. Vegan! Und das war auch noch lecker! (Wenn man davon absieht, dass ich den Apfelstrudel zum Nachtisch ein wenig trocken fand und die Schöne sich nicht mit der Sojamilch im Cappuccino anfreunden wollte). Ich aber esse Fleisch, bald wieder.

Das Foto zeigt den Nachtisch, Strudel mit Zimtsorbet. Keine Ahnung, wie man so etwas vegan hinbekommt, ich würde es auf keinen Fall schaffen.