31. März 2011 · Kommentare deaktiviert · Kategorien: Was die Bandschublade sein könnte · Tags:

Liebe Frau Kommander Kaufmann, nein, es ist nicht so, dass ich dir auf deinen sinnvollen Einwurf vorgestern nicht geantwortet hätte. Wohl habe ich, nur ist meine Antwort seit gestern abend verschwunden. Weg. Noch tippe ich auf einen Bug bei WordPress und nicht etwa auf Zensur. Denn: Ein Bloghoster, der Läden wie SOS Österreich oder Quotenqueen (wie gewohnt ohne Verlinkung) untätig gewähren lässt, den kann ich doch nicht verärgern, oder?

(Aber wo mein Text hin ist, weiß ich immer noch nicht.)

Edit: Da isser wieder. War im Papierkorb, keine Ahnung, wie er da reingeraten ist, ich habe ihn auf jeden Fall nicht reingeschoben. Hm.

Also war ich Vegetarier. Beziehungsweise: Vegetarier war ich ziemlich genau einen Monat lang, angeregt durch Frau Bogdans Übersetzerinnenbegeisterung für Jonathan Safran Foer und dem in diesem Zusammenhang stehenden Erweckungserlebnis, dass Veganes durchaus lecker sein kann. Mit Einschränkungen beim Nachtisch, aber da ist die Übersetzerin auch anderer Meinung als ich, sei es drum. Also war ich Vegetarier. Ausnahme war der Moment, als mir beim Abendessen einfiel, dass ja noch Wurst im Kühlschrank ist und es keinem Tier nutzt, wenn ich die verderben lasse. Eine Ausnahme war, als T. zu Besuch kam und essen wollte, und das einzige Gericht, das die Schauspielhaus-Kantine um 15 Uhr noch vorrätig hatte, “Meatballs Toscana” waren. Und eine weitere Ausnahme war die Woche in Katalonien, als ich um keinen Preis auf die landestypische Küche verzichten wollte.

Aber ansonsten war ich also Vegetarier, vier, gut, drei Wochen lang. Mit Unterstützung der schönen, klugen Frau, die mir die Schultern stärkte, und die ihre Unterstützung vorgestern zurückzog, nachdem ich Couscous mit Hühnchen statt mit Hühnchen mit Tofu zubereitet hatte. Heute abend habe ich Wurst gekauft, Cabanossi und Paprikasalami und kalten Braten, und es war sehr, sehr lecker. Ich bin gescheitert, aber aus dem Scheitern ziehe ich meine Kraft.

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Außerdem bin ich seit fünf Monaten bei WordPress, Zeit für ein kurzes Resümee. Also: Ich werde wohl bleiben. Weil WordPress eine für meine Bedürfnisse ziemlich gute Bloggingplattform ist; mir machen die Beitragsstatistiken Spaß, die Besucher sind gut im Blick, der Schutz vor Kommentarspam funktioniert ganz akzeptabel. Natürlich sperrt mich WordPress in ein enges, manchmal zu enges, Korsett, aber das ist das ewige Problem mit formatierten Strukturen, da muss ich wohl mit leben.
Womit es mir schwerer fällt, zu leben, das ist das Umfeld: WordPress zieht allem Anschein nach politisch schwierige Blogger an, das geht los mit dem sozialchauvinistischen FPÖ-Parteiblog “SOS Österreich” (wird wie alle anderen Rechtsblogs nicht verlinkt, weil ich die Brüder nicht hierher in den Kommentarbereich locken will) über die Nazi-“Rapperin” “DeeEx” und rechte Verschwörungstheoretiker wie den “Honigmann” bis hin zu klassischen Islamfeinden wie “Tangsir 2569″ und Israelfreunden wie “Heplev”. Das ist alles nicht schön, wenn ich schon beim Einloggen sehe, wie “SOS Österreich” schon wieder als “Heute angesagtes Blog” gelistet wird. Andererseits: Es gibt sie ja, die Freiheitlichen, die Verschwörungstheoretiker und die Islamhasser, und wo soll ich sie treffen, wenn nicht im Internet? Wo soll ich ihre Argumente hören, ihre Selbstgewissheit und ihre rhetorische Unbedarftheit, wenn nicht hier? Ich will nicht mit diesen Idioten leben, aber ich muss mit ihnen leben, hilft alles nichts.

Und ansonsten ist es hier ja auch wirklich schön.