Isabel spricht über Geld. Und ich finde gut, dass sie das macht, weil ich glaube, dass dieses “Über Geld spricht man nicht” zur Entsolidarisierung beiträgt: Wer nicht über Geld spricht, der baut einen Popanz auf, eine Wertigkeit, nach der Geld mehr ist als eine Entlohnung für geleistete Arbeit. Ist es aber nicht. Wir sollten alle mehr über Geld sprechen. Und dann festestellen, dass vieles, was hier abläuft, himmelschreiend ungerecht ist.

Aufklärungsbedarf? Naja. Isabel schreibt, dass ein befreundeter Autor dem Missverständnis entgegen treten wolle, dass er ausgesorgt habe, weil, er habe doch schon vier Bücher veröffentlicht. Solchen Missverständnissen begegne ich praktisch nie, eher Missverständnissen der Art, dass die Leute nicht glauben, dass man davon leben kann, also, vom Kulturjournalismus. Da muss ich aber kein Gegenteil beweisen: Doch, ist so, man kann davon leben, nicht fürstlich, aber man kann. Dann glauben sie es auch.

1. Redakteure werden nach Tarif (pdf-Link) bezahlt. Also, sollten sie. Nach Tarif würde bedeuten, dass ich um die 3900 Euro brutto im Monat verdienen würde, aber immer mehr Medienhäuser fliehen aus der Tarifbindung. Ob ich Tarif bekomme oder unter Tarif, darf ich laut Arbeitsvertrag nicht sagen, obwohl es Urteile gibt, nach denen entsprechende Klauseln im Vertrag nichtig seien, egal, ich sage es nicht. Wer mehr wissen möchte, darf gerne mal ein Bier mit mir trinken gehen, okay?

2. Freie Journalisten verdienen mal so, mal so. Manchmal werden sie pauschal pro Artikel bezahlt, mal nach Arbeitsaufwand, mal gibt es Zeilengeld. Es gibt Honorarempfehlungen (pdf-Link), aber erstens werden die nur selten eingehalten, zweitens sind die sehr, sehr ungenau gehalten: Die Empfehlung für ein Stundenhonorar bei einer Publikumszeitschrift liegt bei 50 bis 75 Euro, na danke, das ist ein Unterschied von 50 Prozent, wobei da noch nicht geklärt ist, ob Recherchezeiten eigentlich mit zum Stundelohn zählen oder tatsächlich nur die Zeit, die man einen Text konkret schreibt. Also: Das Honorar ist mehr oder weniger frei aushandelbar, und frei ausgehandelt wird es auch, in der Regel mit dem zuständigen Redakteur, dem, siehe oben, ebenfalls der Etatdruck im Nacken sitzt. Dazu kommt gerade gegenüber Freien eine teilweise üble Zahlungsmoral, Aussagen wie “Wir zahlen ein halbes Jahr nach Erscheinen des Textes” habe ich auch schon gehört. Da ist die Frage: Lässt man sich drauf ein oder nicht? Ich lasse mich drauf ein, weil ich das entsprechende Medium schätze und untersützenswert finde. Und weil ich nicht wirklich darauf angewiesen bin, dass das Honorar stante pede da ist, ich habe ja noch das Redakteursgehalt. Dass ich damit den freien Kollegen in den Rücken falle, den Kollegen, die sehr wohl auf pünktliche Zahlung angewiesen sind, ist mir bewusst. Macht mich nicht glücklich, echt nicht.

Mein monatliches Einkommen setzt sich zusammen aus dem Redakteursgehalt (dem mit Abstand größten Batzen), Honoraren von nachtkritik.de, junger Welt und Theater heute sowie ganz selten noch mal einem Goodie, einem Buchbeitrag, einem Moderationshonorar, solchen Sachen. Am Ende steht da ein Betrag, der mal höher, mal weniger hoch ausfällt (die Theater machen jetzt Sommerpause, also werde ich in den kommenden Monaten auch keine Artikel über Theater an den Mann bringen), der aber alles in allem schon ganz okay ist. Ab gehen Lohnnebenkosten, ab gehen Internet, Telefon und Handy, ab geht eine private Altersvorsorge, die laut Wirtschaftsseite des Hamburger Abenblatts ein Fass ohne Boden ist, dümmste Entscheidung ever. Und Steuern natürlich, ich bin Steuerklasse V, da geht eine ganze Menge ab.

Reich bin ich nicht, gerade in einer teuren Stadt wie Hamburg nicht. Andererseits: kein Auto. Keine großen Ansprüche, keine Luxuslaster. Keine allzu teure Wohnung. Ausreichend Selbstbewusstsein, die Begleitung eine Rechnung übernehmen zu lassen, weil ich weiß, dass die Begleitung mehr verdient. Doch, da bleibt noch was übrig. Eine Vorratsschrank mit Ökoprodukten etwa, oder ein spontanes Wochenende auf dem Darß. Wofür es nicht reichen würde: Wenn ich plötzlich krank werden würde und nicht mehr arbeiten könnte. Alt werden sollte ich auch nicht, das mit der Vorsorge habe ich ziemlich falsch angepackt.

(Und ich weiß, dass es mir viel, viel besser geht als vielen anderen in meinem Gewerbe.)

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