08. Januar 2012 · Kommentare deaktiviert für Wo die Häuser von außen verkachelt sind · Kategorien: Kiste · Tags: , , , , , ,

Ach Köln. Viel gescholtenes Tatort-Team, treu nur dem Genre des Thesenkrimis, oft vorhersehbar, selten originell niemand mag euch. Und wenn ein Krimi wie der heutige „Tatort: Keine Polizei“ mal so richtig stark anfängt, klassisch aber stark, mit durchaus schluckenmachenden Härten und einer Reihe von Verdächtigen und einem Toten, von dem man erst gar nicht versteht, was er mit der Geschichte zu tun hat, wenn also ein Krimi so stark anfängt, nur um einen dann nach 60 Minuten auf die Uhr schauen zu lassen, „Was, der Film dauert ja noch eine halbe Stunde?“, eine halbe Stunde, in der die Kommissare zum ersten Mal auf die Idee kommen, das Umfeld des schnöde vergessenen ersten Toten zu checken … Dann weiß ich auch nicht mehr, dann habt ihr, Kölner Tatort-Macher (in dem Fall Kaspar Heidelbach als Regisseur und Norbert Ehry als Drehbuchautor) auch irgendwo selbst schuld dran, dass euch keiner mag.

Und doch, Köln, irgendwo mag ich euch. Das liegt nicht an den Krimis, bei Krimis wie heute abend möchte ich ins Sofapolster beißen, dass ich meine Zeit für sie verplempere anstatt, zum Beispiel, das Bad zu putzen. Das liegt auch nicht am Team, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), die machen ihren Job so, wie es die Kritiker immer wieder beschreiben, bisschen gut abgehangen, bisschen betulich, wahrscheinlich wirklich bisschen auserzählt, tut mir leid, da hilft auch die Tatsache nichts, dass die Drehbücher dem alten Max ein wenig Continuity in den Lebenslauf geschrieben haben, will sagen, eine feste Freundin (Juliane Köhler), die mittlerweile seit drei Folgen nervt, naja. Nein, irgendwie hat man den Eindruck, dass die Bücher und die Locationscouts sich in Köln Mühe geben. In den Kölner Krimis tauchen tatsächlich Figuren auf, die es gibt und die eine Geschichte erzählen, die über die Antwort auf das geblaffte „Wo waren sie gestern zwischen halb neun und zehn?“ hinaus geht, hier Handwerker, die  zunächst in den Ruin, dann in die Würdelosigkeit und schließlich in die Kriminalität getrieben werden – und zwar nicht etwa von bösen Verbrechern, sondern vom System. Vom System, das keine Unterschiede macht, ob es den Fahrlehrer trifft, den Malermeister oder gar den Besitzer einer Baufirma, der, als er Geld braucht, gerade mal 400000 zusammenkratzen kann, mehr ist nicht drin.

Und diese echten Figuren, die wohnen im echten Köln, dem Ort, wo die Häuser von außen verkachelt sind, wo ein „Park“ genannter Tatort eine Beton-Dreck-Fläche ist, wo man sich mit nahezu unerträglicher Sentimentalität gegen die Erkenntnis wehrt, dass dieser Ort die Hölle ist. Die Hölle, aus der man nie mehr raus kommt, selbst wenn man das große Ding noch schaffen sollte, die Entführung des Industriellensohns, „Eine Million, keine Polizei!“

Und weil „Keine Polizei“ eben immer wieder solche, nein, keine Figuren, solche Menschen zeichnet, und weil „Keine Polizei“ die Orte zeichnet, in denen diese Menschen leben, deswegen mag ich die Kölner Krimis doch irgendwie. Was ganz konkret diesen Krimi allerdings kein Stück weit besser macht.

(Abgründig: Christian Buß auf SpOn. FDP-mitleidig: Matthias Dell im Freitag. Erwachsen: Heinz Zimmermann auf tatort-fundus.de. Ein Hoch: der Wahlberliner. Verzwitschert: der Stadtneurotiker.)