02. August 2013 · Kommentare deaktiviert für Ein kurzes Gespräch über Gentrifizierung · Kategorien: Ästhetik des Scheiterns · Tags: ,

Ort: Die Metrobuslinie 13, die „Wilde 13“, zwischen dem S-Bahnhof Veddel und Kirchdorf Süd. Ayshe und Samir, ein Paar um die 20, er in T-Shirt und Shorts, sie mit Kopftuch, etwas stärker als zurückhaltend geschminkt, sitzen an einem Viererplatz. Horst, Mitte 50, leicht angetrunken, steigt am Stübenplatz zu. Samir spricht ihn an.

Samir: Hallo Horst.

Horst: Ach. Hallo Nachbarn. Schon ewig nicht mehr gesehen. Wo kommt ihr denn her, um die Zeit?

Ayshe: (stolz) Samir hat mich von der Arbeit abgeholt.

Samir: Ja, Ayshe hat Arbeit.

Horst: Wirklich? Ach, Kindchen, das freut mich aber! (Er erhebt sich, anscheinend möchte er Ayshe umarmen, aber gerade in diesem Moment macht der Bus einen Ruckler, Horst verliert kurz das Gleichgewicht. Und dann geht ihm auf, dass eine Umarmung vielleicht gar nicht angebracht wäre. Kurz berührt er Ayshe an der Schulter, dann lässt er sich wieder auf seinen Platz fallen.) Und was für eine Arbeit ist das?

Ayshe: Bei Budni am Hauptbahnhof, an der Kasse.

Horst: Am Hauptbahnhof! Da musst du ja jeden Tag weit fahren!

Samir: Ach, geht. Mit der S-Bahn ist das schnell, von Veddel aus.

Horst: Jaja, die S-Bahn, das ist schon gut, mit der. (Pause) Ach, Ayshe, ich freu‘ mich wirklich. Aber schade, jetzt, wo du Arbeit hast, zieht ihr sicher bald weg aus Wilhelmsburg.

Samir: Wieso denn? Ist doch schön hier.

Horst: Ja, schön ist es schon. (Schaut aus dem Fenster, Projekte der Internationalen Bauausstellung ziehen vorbei.) Die haben auch viel gemacht mit Wilhelmsburg, in den letzten Jahren, da ist viel besser geworden. (Pause) Nur die Mieten, die werden bald steigen. Die werden steigen. Aber, Ayshe, wenn du Arbeit hast, dann stört euch das ja nicht mehr.

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