Der etwas andere Wahlzettel: Einladung zur Olaf-Matzel-Ausstellung im Hamburger Kunstverein.

Der etwas andere Wahlzettel: Einladung zur Olaf-Metzel-Ausstellung im Hamburger Kunstverein.

Nicht wählen.

Weil man keine Lust hat, weil man sich nicht identifiziert, weil man keine Rechte gegenüber diesem Land, diesem Volk, diesem System hat, keine Rechte, keine Pflichten.

Wegen Merkel, wegen Trittin, wegen Steinbrück, wegen Rösler.

Nicht wählen, nicht wählen, weil.

Weil die Deutschen doch den Bach runter gehen sollen. Sollen sie doch AfD wählen, jedes Land hat die Politiker, die es verdient, und wenn Deutschland nicht Bernd Lucke verdient hat, wer denn sonst?

Nicht wählen: weil alles so hässlich ist. Die atemberaubende Hässlichkeit des Kapitalismus. Die Hässlichkeit dieser Visagen. Die Hässlichkeit des Feelgood, des Alles-wird-gut-Positivismus. Die hässlichen Menschen, die hässlichen Städte, die hässlichen Gedanken. Nur gute Nachrichten, Springerpresse, Schweine, Schweine.

Nicht wählen, weil, ich bin längst woanders.

21 Kommentare

  1. Wählen.
    Weil ich hier gern lebe. Weil ich hier nicht verhungern muss. Weil ich hier meine Meinung sagen kann ohne dass man mir dafür den Kopf einschlägt.

    Weil wir eine der längsten Friedenszeiten in der Weltgeschichte, eine friedliche Revolution und den Zusammenschluss früherer Todfeinde nach dem 2. Weltkrieg nicht einfach dem Geld überlassen sollten. Nicht der Hässlichkeit des Kapitalismus. Nicht den Schweinen und nicht der Springerpresse.

    Weil wir nicht selbst zu Schweinen werden sollten, nur weil andere uns dazu machen wollen.

    Deshalb wählen. Auswählen. Entscheiden. Verantwortung übernehmen. Nicht Opfer sein – Täter werden. Wählen.

    • Gute Gegenargumente.

    • Michael Gheorghe

      Sorry, so denkt ein Untertan, der glaubt, Wählen wäre sein Mittel der Interessenverfolgung. Jedes Interesse, jeder Wunsch, jede Hoffnung beim Wählen noch angestellt, wird aber gerade durch das Kreuzchen eliminiert. Man wählt nämlich keine Inhalte, sondern Personen und Parteien. Die sind nur ihrem Gewissen verpflichtet und nicht dem Willen des Untertanen.

      In einer Konkurrenzgesellschaft wird eben auch die Macht über Konkurrenz entschieden, zum Wohle staatlicher Interessen, die den Interessen der Bürger grundsätzlich entgegenstehen. Daher hat sich der Wähler längst an das Einseifen gewöhnt und will nur noch den besten und sympathischsten Führer haben. Und in der Sekunde des Kreuzchenmachens ermächtigt er ihn dazu. Dann darf der Eine regieren und der Andere wird regiert. Und das ist genau im Sinne des Erfinders, also des modernen demokratischen Staates, wenn er das Wählen nicht nur gewährt, sondern sogar zum Wählen aufruft. Falls jemand einwendet, dass es ein Akt der Freiheit wäre, Wählen gehen zu dürfen, dem sei gesagt, wer Freiheit gewährt, der definiert sie auch.

      Es bleibt dabei, wie bei jeder vergangenen Wahl, das Stimmvieh wählt, die Politik bekommt die Macht, so ist’s gedacht. Dankeschön.

      • Sören Fenner

        Nein, nein, ich bin nicht der Untertan, ich bin der Souverän. Ich entscheide, wer mich vertritt. Das hat die FDP bitter lernen müssen.

        Sie brauchen sich gar nicht zu entschuldigen für Ihren Text. War mir ein bißchen zu theoretisch. Daher ich wüsste schon gern, was denn Ihre Alternative ist. Ich hätte gern man ein Zukunfskonzept das mehr ist als: alles Scheiße hier und ich weiß alles besser. Oder sind Sie so ein Foren-Troll?

        • Michael Gheorghe

          Ja, Sie sind souverän, nämlich genau in der Sekunde, in der Sie das Kreuzchen machen und damit die Politikerclique ermächtigen, Sie regieren zu dürfen. Sie sind vorher nicht souverän und nachher nicht souverän. Fazit: Der Inhalt Ihrer einsekündigen Souveränität ist, diese brav abzugeben. Darum: Wählen ist verkehrt!

          Was es gegen Theorie zu meckern gibt, weiß ich nicht, aber wenn ich Ihre Zeilen lese, kommt mir das auch ziemlich theoretisch bzw. abstrakt vor, nur in recht gestelzten Worten abgefasst. Und dass Sie mit ihrer millionstel Stimme irgendetwas abgewählt haben, auweia, das ist ja eine Rechenleistung, mit soviel Einbildung glänzt nur jemand, der aber auch alles frisst, was ihm die Herrschaft an Ideologiefutter zuwirft. Im Sinne: die herrschenden Gedanken sind die Gedanken der Herrschenden … you know?

          Sie fragen mich nach einer Alternative? Machen Sie doch mal folgende Rechnung auf, nämlich die, wie viele überzeugte Leute es geben muss, die Staat und Wirtschaft mal so richtig alt aussehen lassen würden. Da braucht es nicht so viele, die müssen nur zusammenhalten und an der Reichtumsproduktion beteiligt sein. Diese Leute sollten wissen und es auch erklären können, warum die Kosten der Marktwirtschaft für Mensch und Natur zu hoch sind, notwendigerweise zu hoch sind. Dann gilt nur noch die Forderung, ab jetzt anders mit den Erträgen umzugehen und zur Abwechslung mal den Reichtum allen zugänglich zu machen und die Leute nicht durch den immer knappen Lohn davon auszuschließen.

          Man nennt es Schritt 2: Streik! Schritt 3 wäre die Umwälzung der Verhältnisse! Doch das ist alles Zukunftsmusik, wenn Schritt 1 fehlt: nämlich nicht mehr auf den parlamentarischen Zirkus reinzufallen und zu glauben, man wäre der Staat, man wäre souverän oder noch blödere Unterwerfungsideologien seien das Wahre, sondern sich endlich mal die Welt richtig zu erklären. Da ist streiten erlaubt und notwendig und Kritik erwünscht und nützlich. Wie zum Beispiel diese: Wählen ist kein Instrument der Interessensverfolgung, daher verkehrt!

          Nichts für ungut!

          • Das alles beantwortet nicht die Frage, welche „Verhältnisse“ Dir vorschweben nach erfolgreicher Umwälzung. Was genau folgt denn auf die parlamentarische Demokratie, wenn die Regierung in Deinem Sinne gestürzt, Staat und Wirtschaft aufgelaufen, Streiks vollzogen und die Gesellschaft umgewälzt worden sind? Sind dann alle legitimiert, alles zu tun (denn Wahlen gibt es ja nicht mehr und legitimierte Machtträger auch nicht) – oder wie?
            Machtträger im weitesten Sinne existieren überall – egal ob in einem 20-Personen-Urwaldvolk oder in modern organisierten Staaten. In dem Moment, wo Menschen miteinander leben – und seien es nur zwei – treten früher oder später Interessenskonflikte auf. Wie bitte soll damit einigermaßen gerecht umgegangen werden, wenn es keinerlei Struktur gibt, keinerlei Vorgaben oder Reglungen? Und falls Dir doch so etwas wie eine Struktur vorschwebt: Wie genau soll eine Struktur umgesetzt werden, wenn es keine Machtträger gibt?

            Streiten und Kritik sind übrigens hierzulande durchaus erlaubt. Niemand zensiert Dich in Deiner Behauptung, wählen sie kein adäquates Instrument der Interessenverfolgung. Und das, Wertester, ist eine Errungenschaft, die ich durchaus zu schätzen weiß. Ich bin froh, hier und nicht zum Beispiel in China zu leben, wo es mir passieren kann, dass ich nicht nur zensiert, sondern eingesperrt und gefoltert werde, wenn ich eine unbequeme Meinung zum besten gebe. Nicht, dass ich Deine Kritik an der Marktwirtschaft für unangebracht halte; aber ganz ehrlich, diese unreflektierte Pauschalverteufelung aller demokratischen Instrumente ist ziemlicher Bullshit und ganz bestimmt kein Weg zu einem sozial gerechteren Miteinander.

          • Michael Gheorghe

            Zu Esther: „Das alles beantwortet nicht die Frage, welche ‚Verhältnisse‘ Dir vorschweben nach erfolgreicher Umwälzung usw. ….“

            Das ist schon lustig, dass du gar nicht auf die Idee kommst, selber mal darüber nachzudenken. Dein Abfragen, wie soll es danach ausschauen, zeugt von totalem Desinteresse an dem von mir kritisierten Zustand des Hier und Jetzt. Falls dir nämlich an meiner Kritik was aufgefallen wäre oder dir sogar was gefallen hätte, würdest du nie und nimmer das beiseite legen und den Gegenstand wechseln, in dem du in die Zukunft schielst und Lösungen forderst.

            Meine abweichenden Meinungen zur Demokratie und Marktwirtschaft nimmst du nur zum Anlass, das Thema zu wechseln und mir den Staatsmann zu unterstellen, der alle wissen lassen will, wie es in der Zukunft zu laufen hat. Andersrum wird aber ein Schuh daraus. Die Leute, die verstanden haben, dass die Kosten der Freiheit in einer Demokratie schrecklich und notwendig sind, die werden das auch erklären und andere darüber aufklären können. Wenn es genug Leute gibt, die das auch so sehen, beginnen sie die Geschicke ihres Lebens wirklich selbst in die Hand zu nehmen.

            Wenn man die Verhältnisse kapiert hat, dann – und nur dann – ergeben sich die Perspektiven für eine andere Zukunft, d. h. jeder ist dann gefordert, auch du, nachzudenken, mitzugestalten und im Sinne einer neuen Einsicht das Zusammenleben zu organisieren. Was dafür getan werden muss, ist je nach Lage eben zu checken. Ob es Polizei, ein Gericht oder die freiwillige Feuerwehr gibt, entscheiden nun aber wirklich wir, weil wir einen gemeinsamen Zweck haben, nämlich den Reichtum der Gesellschaft mit den Bedürfnissen der Produzenten (Arbeiter etc.) zusammen zu bringen.

            Organisiert wird der Verlauf dieser neuen Zwecksetzung durch Arbeitsteilung und alles was dafür notwendig ist, sollte auch gemacht werden. Und weil es notwendig ist, wird jeder notwendigerweise im gleichen Maße am geschaffenen Reichtum beteiligt. Der Arzt muss diagnostizieren und die Therapie bestimmen, die Krankenschwester muss die Therapie leiten und den Patienten pflegen, die Putzfrau muss für saubere Verhältnisse sorgen, der Maurer baut das Krankenhaus, in dem das alles geschehen kann und der Ingenieur ist für die wichtigen Instrumente verantwortlich, ohne die der Arzt nicht arbeiten kann. Warum soll da einer zu kurz kommen?

            Wer sich entschieden und dafür gekämpft hat, in Zukunft ein gemeinsames Auskommen zu zimmern, der hat die Charaktermaske eines Konkurrenzmenschen längst abgeschüttelt und stellt auch nicht mehr Fragen, wie das alles ohne Konkurrenz gehen soll …

            Fazit: Ohne zu wissen, was unsere Verhältnisse im Inneren zusammen hält, erscheint einem jeder Lösungsvorschlag als Utopie oder Traumtänzerei und das ist genau der Zweck des Abfragens nach dem berühmten Morgen. Oder anders ausgedrückt, wenn man sich zur Gegnerschaft der Verhältnisse aufgrund seiner Einsichten entschieden hat, wird die Frage nach einer Lösung überhaupt erst plausibel. Alles Abfragen ist daher meist auch pure Heuchelei.

      • Was wäre denn aus Deiner Sicht die Alternative? Der Verzicht auf jede Form der Hierarchie? Ein friedlicher Monarch? Dikatatur? Auge um Auge, Zahn um Zahn auf einem freiheitlichen Schlachtfeld der ungebremsten Handlungskompetenzen für alle? Anders gefragt, glaubst Du im Ernst, es sei gerechter, im Namen der Freiheit auf eine Regierung zu verzichten?

        Ja, Demokratie ist nicht hundertprozentig gerecht. Ja, ihr Prinzip ist Machtausübung durch gewählte Regierende. Und ja, Macht birgt immer die Gefahr des Machtmißbrauchs. Was bedauerlich ist.

        Dennoch läuft die Annahme fehl, ein friedliches Miteinander könne durch einen anarchischen Freiheitsbegriff besser sichergestellt werden als durch demokratische Gewaltenteilung. Du willst Inhalte statt Personen und Parteien. Was aber sind gewählte Inhalte wert, ohne Personen, die befugt sind, sie umzusetzen? Politische Inhalte sind eben immer auch an Personen geknüpft, die sie vertreten und durchsetzen, ob das nu Ulrike Meinhof ist oder Angela Merkel. Ist niemand befugt, Macht auszuüben, üben Unbefugte sie trotzdem aus. Und zwar auf gnadenlose und ungerechte Art und Weise. Und ohne jede soziale Kontrolle. Konkurrenz gäbe es nämlich so oder so.

        Ist es also nicht sinnvoller, im Rahmen der Möglichkeiten, die uns die Demokratie als geringstes Übel auf dem Markt der mehr oder weniger ungerechten Systeme liefert, Verantwortung zu übernehmen statt unter dem Deckmantel ideologisch verbrämter Machtkritik auch noch das zu torpedieren, was wir an Gerechtigkeit haben? Niemand muß sich zum Untertanen machen. Jeder darf und kann sich innerhalb oder ausserhalb der politischen Parlamente engagieren. Und wer das nicht möchte, kann eben wenigstens die legitimieren, die aus seiner Sicht am besten geeignet sind.

        Mir erschliesst sich nicht, was ein Verzicht aufs Wählen zu irgendwelchen Bürgerinteressen beitragen sollte.

        • Michael Gheorghe

          Esther fragt: „Was wäre denn aus Deiner Sicht die Alternative? Der Verzicht auf jede Form der Hierarchie?“

          Die Alternative habe ich schon in wenigen Worten dem Sören geschrieben, kannst du dort nachlesen. Hierarchie oder Organisationsstrukturen sind unterschiedliche Sachen und haben immer was mit dem Zweck zu tun, der dahinter steht. Beim DFB, beim Hitler, bei der Kirche, bei Scientology, in der Demokratie und auf Kuba gibt es Hierarchie. Beginne mal zu unterscheiden und schere nicht alles über einen Kamm. Die einzige Hierarchie im Übrigen, die nicht durch Gewalt aufgrund Interessensgegensätzen entsteht, ist die des Wissensstandes und des fachlichen Know-hows.

          Ich werde mich z. B. immer einem Bergführer unterordnen und auch bei einem Handwerker der Handlanger sein. Merkst du den Unterschied? Hierarchie in einer Gesellschaft, egal ob klein und groß, kann es immer mal wieder geben, wenn gemeinsame Zwecke fachliche Kompetenz suchen. Aber ist der Zweck erfüllt, war’s das mit oben und unten. In einer Demokratie ist der gemeinsame Zweck nicht vorhanden, da gibt es staatliche Zwecke, die grundsätzlich den Zwecken des Michels (und wenn er noch so ein willfähriger Untertan ist) entgegenstehen. Warum?

          Ein demokratischer Staat reagiert im Interesse der Nation auf den Gang der weltweiten Geschäftemacherei, man nennt das Staatenkonkurrenz. Jeder Staat betrachtet die ganze Welt als Anlagesphäre seines nationalen Kapitals. Damit sich dieses in der Welt gut durchsetzen kann, braucht es Hilfe an der heimischen Front. Also muss der Staat tun, was erforderlich ist für Deutschlands Erfolg. Und dann werden eben Lohnarbeiter verarmt, wenn es nötig ist. Denn alles, was den deutschen Unternehmern nützt, schadet jenen, die für deren Reichtumsproduktion malochen. Und die Parteien, egal ob Schwarz-Rot-Senf-Grün oder Lila sorgen dafür, das diese grundsätzliche Sache flutscht. Egal ob die Fabriken mit erneuerbarer Energie oder Braunkohle befeuert werden.

          Auch wenn es unpopulär ist, der Arbeitnehmer arbeitet für den geringen Wert seiner Arbeitskraft (Lohn), stellt sämtlichen konkreten Reichtum her (inkl. dein Fahrrad, deine Uhr, deinen Kühlschrank etc.) Du kaufst aber nicht ihm die Sachen ab, sondern den Siemens und Consorten. So schafft der Arbeiter und schwitzt, wird immer ärmer im Vergleich zum geschaffenen Reichtum, weil er eben größtenteils kostenlos malocht, damit eben der Gewinn in die Kassen der deutschen Wirtschaft fließen und der Staat schön daran partizipieren kann. Letzteres vor allem, um in der Staatenkonkurrenz immer besser dazustehen. Und ein grüner Wähler kämpft dafür, dass diese Gemeinheiten mit sauberem Strom und Nachhaltigkeit geschehen? Brrr!

          Es wird immer, egal von welcher Partei, Politik für „Deutschland“ gemacht und das ist allemal schlecht für die Untertanen, die glauben es nur nicht. Klar will die Herrschaft zu jeder Schweinerei eure Zustimmung, die gebt ihr durch eure Wahl und seht das auch noch als eure Pflicht, peinlich peinlich …

          Ich halte es für fair, jetzt erstmal Schluss zu machen, damit Einwände gegen meinen Text zu Worte kommen können. Aber ich bin gerne bereit, auch die vielen anderen Punkte deines Briefes genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn da ist soviel Falsches dran, dass es sich lohnt nachzuhaken.

          • Ich will hier nicht reingrätschen, die Diskussion ist nicht uninteressant, und natürlich freue ich mich, wenn meine Artikel Widerspruch, Bestätigung, irgendeine Reaktion auslösen … Aber die Wahl ist nun eben vorbei, es haben mehr Leute gewählt als man zuvor annehmen durfte, auch ich habe mich aufgerafft. Und dass das Gespräch jetztt erst geführt wird, lässt die Diskussion ein wenig im luftleeren Raum erscheinen. Oder?

          • Michael Gheorghe

            Zu admins „Reingrätschen“ (unten): Armut, die Ruinierung von Mensch und Natur, Kriminalität, Kriegsgetümmel, Rassismus und andere Ungemütlichkeiten dieser Welt und in unserem Lande hören doch nicht mit der Wahl auf. Der Wahltag ist nur der Stichtag, an dem sich der Staat die Zustimmung der Bürger für sein Tun einholt, dessen Kosten (Armut, Ruinierung etc.) dann der Bürger zu tragen hat.

            Aber der Sinn und Zweck einer Wahl ist eben auch, dass der Wähler sich am Wahltag ruhig als Souverän fühlen soll, in dem er eine oder mehrere Parteien ermächtigen darf, Politik für Deutschland zu machen. Und der Bürger tut dem Staat den Gefallen, ergreift die vermeintlich einzige „Chance“ des Einmischens, um dann das ganze niederträchtige Wesen dieser Politik nach seiner Ermächtigung nicht mehr zur Kenntnis nehmen zu müssen, zumindest nicht kritisch. Das ist sowieso die Krux des untertänigen Mitmachens, sich immer den Schaden als Chance einzubilden.

            Falls sich jetzt jemand einbildet, dass WIR alle doch Deutschland bzw. der Staat wären und man sich durchs Nichtwählen nur ins eigene Knie schießen würde, hilft nur noch dieses Argument: Die Untertanen die auf die Mär der Identität von Volk und Führung reinfallen wollen, die haben sich schon längst ins Knie geschossen, damals vor 70 Jahren und jetzt wieder.

  2. Ich stimme zu… aber Sören. Ich lebe derzeit in der Schweiz, trotzdem bin ich als Deutsche bei der Bundestagswahl stimmberechtigt. Ich musste RECHTZEITIG Formulare ausdrucken, zweifach ausfüllen, als eidesstattliche Erklärung abschicken …um mich wieder in mein letztes Wahlregister eintragen zu lassen und die Briefwahlunterlagen geschickt zu bekommen.
    Nicht weil ich aus Begeisterung wähle… es bleibt die Wahl des geringeren Übels. Laut Wahl-o-Mat habe ich eine 70%ige Übereinstimmung mit der Partei meiner Wahl… Überzeugung heisst 100%.
    Warum dann trotzdem?
    Wahlrecht ist ein Privileg mit dem ich geboren wurde. Es ist keine Selbstverständlichkeit, ich sollte es schätzen, indem ich es ausübe… ich werde darum von hunderten Millionen Menschen in anderen Ländern beneidet… und daraus erwächst indirekt eine Verantwortung dem Privileg nachzukommen.
    Ich bin wirklich gerade woanders, ganz real, nicht in Deutschland… aber die Weichen, die jetzt gestellt werden bestimmen die Gleislegung in einem Land, zu dem ich schließlich vielleicht auch mal zurückkehre, wer weiß das? Und ich will mit an diesen Gleisen hebeln, damit sie in eine Richtung zeige, die ich für gut befinde.
    Nächster Punkt… wenn alle Freigeister nicht wählen, weil ihnen die Prozedur zu hässlich geworden ist… dann wählen nur noch die, die das Ergebnis hässlich machen. Und ob sie wollen oder nicht, das haben dann auch die Freigeister mit an der Backe. Wer will das? Nein, umgekehrt wird ein Schuh ‚draus… je unzufriedener ich mit Abläufen bin, desto mehr muss ich jeden Einfluss darauf nutzen.
    Und letztlich… ich habe kein Recht auf Beschwerde über das Staatsgeschehen, wenn ich die Abstimmung darüber anderen überlasse. Wer sich passiv treiben lässt muss nehmen wohin er gespült wird und voll damit einverstanden sein, egal wohin. Das ist der Deal, wenn man seine Beteiligung verweigert – und den Deal gehe ich nicht ein. Demokratie funktioniert nicht über Sitzstreik… Demokratie heisst: die sind am Ruder, die die meisten Stimmen bekommen. Das ist ein aktives Geschehen von vielen. Und da darf, ja muss, sich jeder angesprochen fühlen… und was dazu sagen – mit seinem Stimmzettel.

  3. Ich wähle Utopia 2012 in Kombination mit der Stammheim-Fototapete als Direktkandidatin für mein Wohnzimmer. Wen muß ich eigentlich am Sonntag wählen, um im Falle einer Inhaftierung Homeknast geltend machen zu können?

    • Ich fürchte, ich habe die Pointe nicht einmal annähernd verstanden.

      • Hm … es handelt sich bei dem Kommentar nur um den offenbar mißlungenen Versuch, eine verbale Verknüpfung zwischen dem Foto und dem tatsächlichen Wahlereignis am Sonntag herzustellen. Die Pointe habe ich dabei wohl verfehlt …

        • Ah, okay, das Foto! Das hatte ich beim Freischalten des Kommentars gar nicht mehr in Erinnerung. So gesehen macht das Sinn … Mein Fehler!

  4. Michael,

    ich bin ganz bei Dir, wenn Du sagst, fachliche Kompetenz sei ein sinnvolles Kriterium bei der Vergabe von Handlungs- und Entscheidungsbefugnissen. Bedenke aber, dass es auch innerhalb fachlich qualifizierter Kreise zu Meinungsverschiedenheiten und Interessenskonflikten kommt. Und dass es Entscheidungen gibt, die mit fachlicher Qualifikation gar nichts zu tun haben, sondern ganz banal mit persönlichen Interessen, die divergent sind. Da ist das Mehrheitsprinzip womöglich nicht das non plus ultra, aber das Gerechteste, was mir einfällt.

    Deine Kapitalismuskritik ist nicht unberechtigt. Du formulierst sie aber so pauschal, dass nur noch Schwarz-Weiß-Ideologie dabei heraus kommt. Du teilst mit Marx’schem Vokabular (Der Arbeiter, Der Staat, Der Kapitalist, Der Untertan usw) die Welt in Kategorien ein, die einfach nicht geeignet sind, die sie in ihrer Komplexität zu erfassen. Welt und Wirtschaft, die Du glaubst, mir erklären zu können, funktionieren komplexer als nach dem Prinzip des vom grundbösen „Staat“ ausgebeuteten „Arbeiters“. Ich bestreite nicht, dass die freie Marktwirtschaft das Problem birgt, dass unterschiedliche Startbedingungen und Machtmißbrauch zu sozialer Ungerechtigkeit führen. Ich bestreite aber, dass der Verzicht auf Parteien und Parlamente, wie Du ihn vorschlägst, eine sinnvolle Lösung darstellt. Menschen, die (aus den genannten Gründen) die parlamentarische Demokratie wertschätzen, als gehirngewaschene Untertanen einzuordnen und ihnen die selbständige Reflexion generell abzusprechen, ist sicher eine bequeme Möglichkeit, Deine Haltung unangreifbar zu machen. Denn wenn alle Einwände einer Gedankenmanipulation durch den grausamen Staat zuzuordnen sind, gibt es ja im Grunde keine ernst zu nehmenden Kritiker, nicht wahr?

    @Falk,

    ich finde, dass der Diskurs hier durchaus einen guten Platz hat. Denn der Eingangsbeitrag meint ja hoffentlich nicht nur ein einmaliges Wahlereignis, sondern die Frage, wie Wahlen generell zu bewerten sind, oder nicht? Sowieso finde ich es wünschenswert, gerade nicht abzuschalten, sobald der Wahlsonntag gelaufen ist. In diesem Sinne hoffe ich, dass es für Dich ok ist, wenn weiter kommentiert wird.

    • Michael Gheorghe

      Esther, hier Punkt für Punkt eine Entgegnung deiner Argumente:

      Ganz ehrlich, die Charakterschwäche, die du mit Recht auch den fachlich qualifizierten Kreisen unterstellst, die aus persönlichen Interessen das Fachliche aus den Augen verlieren, dieses Phänomen hast du doch aus der bürgerlichen Berufswelt aufgeschnappt. Dort gibt es in der Konkurrenz in der Tat jede Sekunde einen Grund, sich dämlich und gegen die Sache zu verhalten. Am Arbeitsplatz, egal auf welcher Etage, kommt jemand nur an sein Interesse, indem er die Interessen anderer beschneidet. In unseren Verhältnissen werden Interessensunterschiede überhaupt erst zu Interessensgegensätzen gemacht.

      Die Angestellten, Arbeiter und mittleres Führungspersonal buhlen um Anerkennung, um den Arbeitsplatz zu sichern oder in der Lohngruppe nach oben zu kommen. Gelingt das nicht, weil es dem anderen gelungen ist, dann werden Mobbing und Intrigen das scheinbar probate Mittel den momentanen Gefechtsstand zu korrigieren. Dieses schäbige Ansinnen ist ganz klar dem Konkurrenzkampf geschuldet, du aber verlegst es gleich in die Menschennatur.

      Denn: Nicht die Verhältnisse nötigen in deinem Argument dem Subjekt der Konkurrenz die schlimmen Umgangsweisen auf, sondern der Mensch als solcher, ganz allgemein ist halt so und kann nicht anders. Daher braucht er die Angst vor Not, Gesetze die ihn deckeln, Polizei die ihn kontrollieren und den Staat der ihn, die Bestie Mensch, im Zaum hält. So führst du im Nachhinein den Staat und seine Gewalt als dem Menschen gemäß ein, weil du vorher beim Beobachten menschlichen Treibens den Staat und seine Nötigungen brav heraus gestrichen hast.

      Marxsches Vokabular ist auch wieder so ein Ding. Als ob es keine Arbeiter, keinen Staat, keinen Kapitalisten (den hab ich gar nicht erwähnt) geben würde. Nein, es es sind natürlich „Kategorien“, was ja auch noch nicht zu kritisieren wäre, doch du meinst natürlich sowas wie Schubladendenken. Weißt du, dass man Komplexität genau durch Kategorien erst mal unterscheidet, dann die einzelnen Momente davon nach „wesentlich“ und „unwesentlich“ sortiert und Urteile fällt, die man dann logisch zusammenbringt und schwupps ist das Komplexe durchschaut und die Welt diesbezüglich geklärt. Dann hat man auch keine blöde moralische Verurteilung des Staates geleistet (dass er böse wäre) sondern seine ruinösen Zwecke für Mensch und Natur als notwendige Konsequenz bewiesen.

      Merkwürdig ist auch, dass immer bei der Kritik der Verhältnisse sofort ein Generalverdacht ausgesprochen wird. Hinter der abweichenden Meinung zur Demokratie steckt Marx, hinter Marx steht Kommunismus, hinter Kommunismus steht Stalin, hinter Stalin steht der Teufel und hinter dem Teufel steht seine Großmutter. Es zeugt vom Demokratie-verdorbenen Charakter, immer nach der Herkunft der Argumente zu schielen, statt nach dem Inhalt der Argumente
      zu urteilen.

      Schwarzweiß lese ich übrigens jeden Tag in der Zeitung und sehe es im TV, egal in welcher Zeitung oder in welchem Programm, es ist sogar immer dasselbe Schwarzweiß: Standort Deutschland muss gesichert werden (Lohndumping), Deutschland muss in der Welt Verantwortung übernehmen (Krieg führen), Schutz des Privateigentums ist Staatspflicht (Legalisierung von Ausbeutung), Freiheit ist das höchste Gut (für das man gerne sterben tut), Konkurrenz belebt das Geschäft (inkl. zigtausender Pleiten, Pech und Pannen), und und und … da bringen meine abweichenden Argumente zur Lage der Nation doch mal richtig Farbe ins Programm. :)

      Noch was zur Gehirnwäsche, sowas gibt es nicht. Der freie Wille richtet sich in seiner Unterdrückung schon noch selber ein. Er legt sich halt alles so zurecht, erfindet für alles Unzumutbare gute Gründe, um sich mit der Illusion, er wäre seines Glückes Schmied, an den nervigen Verhältnissen abzuarbeiten. Dass er das freiwillig macht, liegt an der Nötigung (stummer Zwang der Verhältnisse) und einer fehlenden praktischen Alternative. Man muss schon lernen und überhaupt Interesse haben, über den eigenen Tellerrand zu schauen, dann wird die Nötigung nicht mehr als Naturgesetz betrachtet, sondern als etwas, das man ändern und bekämpfen kann.

  5. Schon klar, Michael. Du bist der einzige, der hier durchblickt, während die Dummchen, also die, die demokratische Prinzipien auch nur ansatzweise wertschätzen, Opfer ihres gegeißelten freien Willens geworden sind und somit nicht ernst zu nehmen. Schlechte Basis für ein gewinnbringendes Gespräch, was? Ich hab keine Ahnung, ob Du Dich mit Marx identifizierst, aber Dein Vokabular weist nachweislich Schnittmengen auf 😉 Und nein, man ist nicht entweder Arbeiter oder Kapitalist. Viele Menschen sind mittlerweile beides, zumal es die Arbeiterklasse in dem Sinne eh nicht mehr gibt.

    Du gehst davon aus, dass es ein einziges gemeinsames Interesse gäbe, das (wären die Verhältnisse nur richtig) jeden Interessenkonflikt und jede Konkurrenz aufhöbe. Ich gehe davon aus, dass widersprüchliche Interessen nicht die Folge einer sozialen Schieflage sind, sondern ihre Ursache in der Heterogenität der Menschheit zu suchen ist, die einfach naheliegt, weil es mehr als 7 Millionen von uns gibt. Interessenkonflikte beschränken sich ja nicht auf die Frage der materiellen Gleichberechtigung. Sie tauchen auch im Zusammenhang mit Weltanschauungsfragen und Wertesystemen auf. Und ich finde, dass der beste Umgang damit eine Kompromissfindung auf der Basis demokratischer Prinzipien ist. Da werden wir keinen Konsens finden. Ich stimme Deiner Gesellschaftskritik in Teilen ja sogar zu. Nur, schon dass ich eine andere Lösung vorschlage als Du, macht mich in Deinen Augen zur herrschaftshörigen Untertänin, die sich blind und beliebig allen Vorgaben unterwirft … und, wie soll ich sagen, da drängt sich der Eindruck einer sagen wir etwas eindimensionalen Denke eben irgendwie auf.

    • Michael Gheorghe

      Ich überspringe mal deinen persönlichen Angriff und komme gleich zum sachlichen Teil. Wer hat denn gesagt, dass es nur Arbeiter und Kapitalisten gibt, wie kommst du darauf? Ich mache gerne mal eine kleine Aufzählung der verschiedenen, bunten Karrieren in unserer Gesellschaft. Da gibt es neben dem Arbeiter den Angestellten, den Arbeitslosen, den Hilfsarbeiter, den Obdachlosen, den Hartz-IV-Empfänger, den Wiedereingegliederten, den Pfarrer, den Beamten, den Privatier, den Unternehmer, den Selbstständigen, den Manager, den Politiker, den Soldaten, die Hausfrau, den Dienstleister, den Journalisten, den Wissenschaftler, den Künstler und noch andere Krümel demokratischer Existenzen. Schwirrt da einem nicht der Kopf? Versuchen wir mal genauer hinzuschauen und grob zu sortieren (in elf kleinen Absätzen), um die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten, deren Zusammenhänge und Zufälligkeiten zu verstehen.

      Der Arbeiter ist ein Lohnabhängiger, der sich im Dienst am Kapital verdingt und das zur Zeit auch darf. Der Arbeitslose gehört wohl auch dazu, nur nicht ausschließlich und er steht zur Zeit eben in keinem Dienst. Der Obdachlose hat sich von der Lohnabhängigkeit insofern verabschiedet, als dass er schon zu lange nicht mehr für einen Lohn dienen durfte und es daher es auch jetzt nicht mehr kann. Er ist auf die Wohlfahrt der Fußgänger und der staatlichen Fürsorge angewiesen. Der Hilfsarbeiter kann aus Mangel an Qualifikation für alle niedrigen Dienste und für noch niedrigeren Lohn eingesetzt werden. Es sind Dienste, die immer mehr gefragt sind, weil die Unternehmer sich durch moderne Maschinen von Fachkräften und von den individuellen Geschicken der Arbeiter längst emanzipiert haben. Sie brauchen Menschen halt nur noch als Anhängsel ihrer Maschinen.

      Dann gibt es den Angestellten, der im Dienstleistungsgewerbe seine Aufwartung macht. Er ist auch erwerbsabhängig, aber sein Job hängt ab vom Erfolg des produktiven Kapitals (jenes, das Produkte aller Art herstellen lässt). Denn das ganze Dienstleistungsgewerbe ist eine outgesourcte Abteilung des produktiven Kapitals. Event- und Werbeagenturen, Steuer- und Anwaltskanzleien, Versicherungs- und Bankgewerbe, Putzkolonnen und Cateringfirmen etc. beziehen ihre Erträge vom Gewinn des produktiven Kapitals (der natürlich dadurch schrumpft) oder von anderen Dienstleistungsunternehmen, die wiederum vom Gewinn des produktiven Kapitals leben. Ein Gewinn, den übrigens die Arbeiter durch die Diskrepanz des Werts ihrer Arbeitskraft (Lohn) und ihrer tatsächlichen Wertschöpfung ganz nebenbei erwirtschaftet haben (Mehrwert).

      Dann gibt es den Pfarrer, der über die Kirchensteuer (Abzug von Lohn und Gehalt) und Spenden finanziert wird. Der Privatier ist auch arbeitslos, aber eben nicht erwerbsabhängig, seine Apanagen „erwirtschaftet“ er durch sein Vermögen, in dem er Rendite-Anlagen in das produktive Kapital oder im Dienstleistungsgewerbe tätigt, auf deren Erfolg/Misserfolg er an der Börse spekuliert. Er kann sein Vermögen auch in Immobilien anlegen und profitiert dann von Mieteinahmen (Abzug von Lohn/Gehalt).

      Der Unternehmer steckt aktiv sein Geld in ein gewinnbringendes, weil mehrwertträchtiges Geschäft. Sein Geld schafft Arbeitsplätze, kauft Maschinen, besorgt Rohstoffe und sucht billige Energie – und Ware entsteht – die dann auf dem Markt versilbert wird. Dass die meisten Unternehmer das nicht mehr selber tun, liegt am Manager, der den Beruf des Unternehmers ausführt und für viel Kohle (Abzug vom Gewinn) Leute einstellt, entlässt, rationalisiert und versucht, die Konkurrenten aus dem Markt zu drängen.

      Der Selbstständige dient sich auch an, sein Andienen läuft zwar unter Eigenregie, er mag dabei aber neben sich auch keine anderen Diener haben, die ihm doch glatt die Butter vom Brot stehlen würden. Die Hausfrau ist Reproduktionsgehilfin des Lohn/Erwerbsabhängigen, wäscht, kocht, zieht die Kinder auf und hält die Haushaltskasse zusammen. Die Hausfrau des Privatiers ist keine Reproduktionsgehilfin, sie ist schlicht Frau Privatier und die private Dienerin des Pfarrers ist die Pfarrersköchin.

      Der Beamte wird vom Staat alimentiert, weil er besondere Leistungen tätigen muss, die dem Staat so wichtig sind, dass er das nicht dem Markt überlässt. Daher hat der Beamte einige Vorzüge, vor allem den einer gewissen Jobsicherheit. Was ist so Besonderes an der Tätigkeit eines Staatsdieners? Je nun, es gilt z. B. junges Menschenmaterial in eine fürs Geschäft proportional ausgewogene, bürgerlichen Karrierenwelt zu verweisen (Lehrer), die Staatsgeschäfte zu verwalten (Finanzbeamter etc.) und sie zu führen (Politiker).

      Es gilt die inneren Feinde, Störenfriede, Querulanten und Gesetzesbrecher im staatlichen Hoheitsgebiet aufzuspüren, zu verfolgen und zu verhaften (Polizei), sie abzustrafen (Richter, Staatsanwalt) und sie je nach Interpretation des Gesetzesbruches oder der Störung aus dem Verkehr zu ziehen (Gefängnis und Psychiatrie). Für den äußeren Feind stehen Geheimdienstler, Diplomaten und Soldaten auf der staatlichen Gehaltsliste.

      Künstler und Journalisten sind auch keine Ausreißer, auch wenn sie das von sich glauben. Die einen werden durch Überschüsse privater Geldbeutel oder des Staatssäckels ernährt (Letzteres abgepresst durch Steuern auf Gewinn und Lohn), die anderen, die „freien“ Meinungsmacher finanzieren sich durch die Etats der Anzeigenkunden und woher dieses Geld herkommt, ist oben erklärt.

      Was hat das nun mit Demokratie zu tun? Die demokratische Verfassung gewährt und schützt ausnahmslos den gesellschaftlichen Reichtum in privater Hand. Mit diesem Schutz des Privateigentums setzt er einen prinzipiellen Ausschluss von Reichtum durch und lässt so erst das Erpressungsverhältnis zwischen Mittellosen und Bemittelten wirken. Dass das im höchsten Maße und ohne Störung gelingt, dafür schafft der ideelle Gesamtkapitalist (Staat) seine Gesetze, die alle Leute dazu zwingen, sich nur in diesem erlaubten Rahmen für die Reichtumsproduktion stark zu machen, eben jeder auf seine Weise und alles fürs erfolgreiche Geschäft.

      Die Menschen richten sich ganz freiwillig für diesen einzig erlaubten Zweck ein, konkurrieren dafür gegeneinander (weil sie es müssen), entwickeln dafür ihre hässlichen Charaktermasken, werden zu willfährigen Subjekten der Konkurrenz, deren Maschen und Touren die bürgerlichen Politologen, Psychologen und Soziologen an den Lehrstühlen dann aus der menschlichen Seele deduzieren dürfen oder sie einfach einer Heterogenität der Menschheit in die Schuhe schieben. Als ob Interessensunterschiede der Menschen (die, egal ob 7 Millionen oder Milliarden, so groß nicht sind) plötzlich der Grund wären, dass man sich gerne ausbeuten lässt oder andere ausbeutet. So zu denken, so das menschliche Miteinander auf den Kopf zu stellen, so darin aufzugehen, genau so geht Demokratie!

  6. PS: Milliarden soll es natürlich heißen, nicht Millionen 😉