08. Juni 2012 · Kommentare deaktiviert für All Things Must Pass (George Harrison) · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , ,

Das Beatles-Museum Beatlemania auf der Reeperbahn muss schließen. Ich finde das schade, weil sich hier das Klischee bestätigt: Hamburg weiß nichts richtig anzufangen mit seinem kunsthistorischen Erbe. Dass die Beatles in Hamburg einst ihre Karriere begonnen hatten, wurde bislang dokumentiert durch a) eine Erinnerungsplakette im Hinterhof eines Rotlichtbetriebs b) einen städtebaulich misslungenen „Beatles-Platz“ mit einer ästhetisch jämmerlichen Figurengruppe sowie c) besagtes privat betriebenes Museum. Beziehungsweise: letzteres eben ab Monatsende nicht mehr. Okay, ich konnte mit dem Museum wenig anfangen, überhaupt waren die Beatles nie eine Band, die mich so wahnsinnig interessierte. Ich kapierte schon, dass die wichtig waren in ihrer Zeit, von wegen Auflösung der Grenzen zwischen E und U, Neudefinition von Geschlechterrollen, all das. Bloß war das alles nicht meine Zeit. Ich verstehe, wenn Hamburg sagt, na gut, so wahnsinnig stolz sind wir eben nicht auf die Jungs, als dass wir uns heute über sie definieren müssten, unser Flughafen heißt „Hamburg Airport“ und nicht „Beatles Airport“, das ist in Ordnung. (Der Flughafen Liverpools heißt Liverpool John Lennon Airport, „Above us only Sky“.) Habe ich nichts dagegen.

Aber worauf ist Hamburg stolz? Michel, Alster, Hafen, Hafen, Hafen. Kulturelles? Irgendwas? Nichts. Hamburg vermarktet sich als Musicalstadt, Hamburg vermarktet sich als Sportstadt, Hamburg vermarktet sich als Wirtschaftsmetropole. Dass es hier tolle Theater, Clubs, Museen, Galerien gibt, merkt man erst, wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt. Und diese Ignoranz der Stadt gegenüber allem Kulturellen ist es, die der Beatlemania angeblich das Genick gebrochen hat. „Heute müssen wir erkennen, dass trotz des durchgängig positiven Feedbacks unserer Besucher und der Medien, das Interesse an den Beatles in der Stadt, von der John Lennon sagt, dass er in ihr erwachsen geworden ist, nicht so groß ist, wie wir erhofft hatten“, beklagt Konzertverantstalter Folkert Koopmans, die treibende Kraft hinter dem Beatles-Museum, auf der Museumswebsite. Es gab Finanzierungsprobleme, das schon, trotzdem: Subventionen habe man keine gewollt, aber zumindest demonstrative Unterstützung durch die Stadt, vielleicht eine Bushaltestelle vor dem Haus, vielleicht eine Beschilderung in der S-Bahn, vielleicht eine bessere Sichtbarkeit im (grundsätzlich unübersichtlichen) Stadtportal. Bekamen sie nicht, wie übrigens die gesamte Kulturszene diese Unterstützung nicht bekommt.

Ich werde die Beatlemania nicht vermissen. Aber ich ärgere mich über die Ignoranz, mit der meine Wahlheimat der Kultur gegenüber tritt. Ein Gutes mag die Geschichte aber haben: die Erkenntnis, dass privat finanzierte Museen, Theater, Kulturproduktion zum Scheitern verurteilt sind. Ein Museum braucht Subventionen, jeder, der behauptet, er könne ohne Subventionen etwas Kulturelles aufziehen, der macht sich und anderen etwas vor. Wenn Politik und Gesellschaft das aus dem Beatlemania-Scheitern gelernt haben sollten, dann weine ich dem Ding keine Träne nach.

Flohschanze, 3.7., 8 Uhr. Der Herr spielt „Get back“ auf einem Ton.
Flohschanze, 3.7., 8 Uhr 30. Der Herr spielt „Beinhart“ auf einem Ton.
Flohschanze, 3.7., 9 Uhr. Der Herr spielt „Hey Jude“ auf einem Ton.
Flohschanze, 3.7., 9 Uhr 30. Der Herr macht Pause.
Flohschanze, 3.7., 10 Uhr. Der Herr spielt „Paint it black“ auf einem Ton.
Flohschanze, 3.7., 10 Uhr 30. Der Herr spielt „Yellow Submarine“ auf einem Ton.

Jeder eingenommene Euro enthält 0,39 Euro Schmerzensgeld.