23. Februar 2011 · Kommentare deaktiviert für Und jetzt weiter mit Werbung (2) · Kategorien: Aus der Produktion · Tags: , ,

Tipp.

Ab Morgen ist das neue uMag am Kiosk. Was noch nicht so bemerkenswert ist, das passiert ja eigentlich jeden Monat, aber. Diesen Monat gibt es einen Text, in dem ich beschreibe, wie ich der Comiczeichnerin Jule K. begegne, und Jule K. kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen. Die ist nämlich ganz großartig, campy und kitschig und feministisch und, ach! Wer das uMag nicht am Kiosk kauft sondern im gut sortierten Buchladen, der könnte sich dann auch gleich Jule K.s aktuellen Band „Love Rehab“ mitnehmen, nur mal so als Vorschlag. Oder zumindest drin blättern. Und sich dann vielleicht zum Kauf entscheiden.

Die ist toll, nämlich.

Ich mag Andreas Michalke. Also, nicht unbedingt als Musikblogger, sondern als Comiczeichner, und wenn er seine Site endlich zum Laufen bekommen hätte, dann könnte ich ihn auch in die Blogroll aufnehmen, endlich, und müsste nicht den Myspace-Umweg nehmen, um zu verdeutlichen, was Michalke so macht.
Also, Michalke macht kurze Zeitungsstrips, meist die klassische Vier-Panel-Ästhetik, in erster Linie für die Jungle World, die ich aus ideologischen Gründen eigentlich gar nicht lesen dürfte. (Hihi, Ideologie, lese ich natürlich trotzdem, nicht zuletzt wegen Michalke.) Auf den ersten Blick sind die Strips eigentlich abschreckend, Funnies, die Gags transportieren, die mal lustig sind, mal weniger. Hauptfiguren: der Mittfünfziger Markus, ein wandelndes Gerippe, das im x-ten Semester Soziologie studiert und begeistert linke Phrasen drischt. Markus‘ Freundin Fricka, ein bärenähnliches, adipöses Wesen, dessen charakterliche Vorzüge sich erst nach und nach entblättern. Markus‘ Ex Sandra, Halbiranerin, Fernsehmoderatorin, spitzohrig (ein Luchs?), hübsch und lieb und ein bisschen doof. Markus‘ Bruder Michael, ein Zündholzkopf, der noch bei den Eltern lebt und sein linkes Bewusstsein lebt, indem er Waffen nach Israel, Nordkorea und Tansania verschifft (und damit allem Anschein nach nicht schlecht verdient). Plus diverse Mitbewohner, Liebschaften, nach und nach auch Kinder. Gerade ist der zweite Band dieser „linken Lindenstraße“ unter dem Titel „Bigbeatland 2: Der Kampf geht weiter“ bei Reprodukt erschienen, und wenn man ihn zum ersten Mal in die Hand nimmt, kapiert man rein gar nichts.
Überhaupt, man kapiert nur etwas, wenn man sich eine Weile mit linken Diskursen auseinandergesetzt hat. Weswegen sich beispielsweise Antideutsche und Antizionisten über die Frage Israel-Palästina bis aufs Blut streiten (interessanterweise, indem beide Seiten einander vorwerfen, über den linken Umweg zu Rechten geworden zu sein), das kapiert man nur, wenn man diese unvorstellbar ermüdenden Diskussionen selbst wieder und wieder geführt hat. Und das ist das Schöne an Andreas Michalkes Comics: Er ist nicht voraussetzungsfrei, er schreibt für Leute, die sich zwar nicht zu 100 Prozent mit der Szene identifizieren müssen, die aber zumindest die Diskurse der Szene kennen müssen. Und auf Basis dieser Diskurse macht er dann einen (manchmal gehörig billigen) Witz.
Einmal versucht Fernsehluchs Sandra, ein Statement abzugeben: „In meiner Sendung könnte ich tatsächlich mal Position beziehen, vielleicht zu dieser Israel/Palästina-Sache …“ Der Schlumpf und der Kater, Poplinke mit großen Brillen, coolen Frisuren und obskurem US-Punk im Plattenschrank, widersprechen: „Bloß nicht. Leute, die in so einem verfahrenen Konflikt Position beziehen, sind Idioten.“ Leider bekommen sie dafür am Ende von beiden Seiten aufs Maul: „Genossen, habe mit eigenen Ohren gehört, wie der Kater und der Schlumpf in Bezug auf den Nahost-Konflikt eindeutig Position für keine Position bezogen haben. Das ist nicht unsere Position. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Das Dilemma der Poplinken: „Circle that A, Motherfucker!“ „@?“

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Übrigens habe ich die Blogroll mal wieder aufgeräumt. Das Nollendorfblog ist raus, nicht, weil es mir plötzlich nicht mehr gefallen würde, nur gab es in Schöneberg schon seit über einem Monat keine Aktualisierung mehr … Schad‘. Dafür kam MondoPrinte neu hinzu, ein deutsches Blog, das die Israel-Palästina-Geschichte zwar ein wenig anstrengend, dafür aber erstaunlich differenziert und eben nicht eindeutig begleitet. Womit sich der Kreis ganz elegant schließt, nech?

Es gibt ein paar Veränderungen auf meiner Blogroll. Will sagen: Ein paar Blogs, die ich immer ganz gerne hatte, sind verschwunden, aus Gründen. Als da wären:

Kochen mit Schwadroneuse. Der letzte Beitrag ist vom 7. September und hieß „Warum mich dieser ganze Food & Lifestyle Scheiß nicht interessiert“. Ich fürchte: Frau Schwadroneuse bloggt erstmal nicht mehr. Wobei natürlich klar ist, dass sie sofort wieder auf die Roll käme, finge sie wieder an. Ich schätze sie nämlich. Sehr.
Lisa Neun hat ebenfalls Anfang September das letzte mal gepostet. Und ebenfalls würde sie mit offenen Armen wieder aufgenommen werden, hätte sie interesse. Schade finde ich diesen (zeitweiligen) Ausstieg, weil Lisa Neun zu den wenigen Bloggerinnen gehört, die mich auf ihre Roll gesetzt und mir damit schon mehr als einen interessierten Leser rübergeschickt haben. Also: Bloggen Sie doch wieder! Bitte!
Doppeltim. Ein Comicblog, von dem ich mir, leider, mehr erwartet habe. Tscha.

Okay, einen Neuzugang gibt es auch, bei den Empfehlungen des Hauses: Das Hurra-Blog von Eva Schulz, einer Studentin aus Friedrichshafen, die insbesondere sehr, sehr hübsche Videos dreht, ein wenig sehr freundlich vielleicht, aber alles in allem unglaublich charmant.