„Privattheatertage“ ist ein eigenartiger Name für ein Festival. Eigenartig, weil „Privattheater“ eine ökonomische und keine ästhetische Kategorie ist: Ein Privattheater ist ein Theater in privater im Gegensatz zum Theater in öffentlicher Trägerschaft. Und weil private Träger Geld verdienen wollen, hängt diesen Bühnen der Ruf an, ein leicht verdauliches Programm zu fahren. Was zwar schon eine ästhetische Frage ist, allerdings verschleiert, dass Privattheater nicht völlig ohne Förderung durch die öffentliche Hand auskommen müssen, das heißt: ihre Dramaturgie nicht ausschließlich nach marktwirtschaftlichen Kriterien auszurichten brauchen.

Wer dieses Blog hin und wieder liest, der weiß, dass ich grundsätzlich kein Freund des Prinzips Marktwirtschaft bin. Wobei ich an manchen Stellen mit mir reden lasse, ob Markt nicht (wenn man ihn ernst nehmen würde) vielleicht zeitweise eine ganz akzeptable Organisationsstruktur des Zusammenlebens sein mag. An manchen – aber keinesfalls darf marktwirtschaftliches Denken meiner Meinung nach drei Bereiche prägen: 1.) Soziales/Gesundheit 2.) Bildung/Wissenschaft und 3.) Kultur. Das bundesrepublikanische System ist für mich nicht zuletzt deswegen eine Zumutung, weil es die ersten beiden Bereiche immer stärker marktwirtschaftlich durchmischt. Die Kultur hingegen funktioniert halbwegs als dem Markt enthobener Schutzraum, zumindest in manchen Disziplinen (Theater, Kino, öffentlich-rechtliches Fernsehen).

Entsprechend skeptisch besuchte ich vor vier Wochen die ersten Hamburger Privattheatertage, ein Festival, organisiert vom Altonaer Theater, das sich ziemlich viel darauf einbildet, zumindest nicht unmittelbar am Subventionstropf zu hängen, das sich aber gleichzeitig auch von der Staatstheaterszene unfair behandelt fühlt: Nie wird man zum Theatertreffen eingeladen, wo man doch so anspruchsvolles Theater mache! Wie gesagt, ich war sehr skeptisch. Und dann ziemlich angetan, vom Ballhaus Naunynstraße, vom Jungen Theater Göttingen, vom Grips. Und eben auch entsetzt, wie so ziemlich bei jedem Festival. Wie genau ich es fand, habe ich für die aktuelle Theater heute aufgeschrieben. (Link nur für Abonnenten zugänglich.)