Ich mag Thees Uhlmann einfach nicht.

Früher habe ich dieses Nichtmögen damit erklärt, dass mir Uhlmanns Band Tomte immer zu konventionell war, also zu rockistisch, zu maskulin, zu muckerhaft. (Stimmt ja alles, aber da gibt es natürlich Schlimmeres. Viel Schlimmeres. Und selbst das höre ich.) Aber, nein, ich mag Thees Uhlmann vor allem aus einem Grund nicht: Der ist wie ich. Also, der hat eine ganz ähnliche Geschichte wie ich, und damit meine ich jetzt nicht das frühe Studienziel, Deutschlehrer werden zu wollen. Sowohl Thees Uhlmann als auch ich kommen von dort, wo nicht primär die Musik spielt: er vom Dorf, ich aus der kleinen Großstadt. Aber während ich da immer fort wollte, während ich mich immer distanzierte, stellte Uhlmann immer klar, dass er (trotz zeitweilig Berliner Wohnsitz) der Junge aus dem niedersächsischen Hemmoor, irgendwo in der Einöde zwischen Cuxhaven und Bremervörde, geblieben ist. (Das Fiese daran ist, dass er ja recht hat: „Du kriegst den Jungen aus dem Dorf aber nicht das Dorf aus dem Jungen“, trotz Jahrzehnten in der Ferne bekomme ich den schwäbischen Zungenschlag nicht los, trotz aller Distanzierung geht es in diesem Blog, ja, wahrscheinlich in all meiner journalistischen Arbeit, immer nur um mein Nicht-Loslassenkönnen von den Spielplätzen meiner Jugend. Womöglich macht das sogar die Spannung dieses Blogs aus: das Scheitern an der Distanzierung. Und eben auch die Lust am Scheitern.)
Ich mag Thees Uhlmann nicht, und das liegt an diesem offensiven Betonen der Herkunft. Diesem: Ich bin was Besseres, weil, ich bin am Boden geblieben, und der Boden ist der sandige Boden Niedersachsens. Das kommt bei mir unglaublich arrogant rüber, so arrogant, wie Uhlmann wahrscheinlich in Hemmoor gilt, der Studierte, der Antibürgerliche, der Rocker, der Sensible. Wenn mein Studium zu etwas gut war, dann zur Distanzierung von Ulm, wenn der Lebenslauf Uhlmanns zu etwas gut war, dann zur Distinktion innerhalb Hemmoors. Das ist mir fremd. Und ich bin neidisch, weil ich doch weiß, Typen wie Uhlmann kommen immer leichter durchs Leben wie ich. Ich mag ihn nicht.

Ein paar Impressionen aus der Provinz? In Uhlmanns erstem Solo-Video „Zum Laichen und Sterben ziehn die Lachse den Fluss hinauf“? Bitteschön.

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