Depri erzählt: Wie er als Ensemblemitglied in einer europäischen Ethnokitschshow um einen Teil der Gage geprellt werden sollte. Und wie er es schaffte, fürs gesamte Ensemble den gerechten Lohn zu erstreiten: indem er zur „Ratte“ wurde, zum ökonomisch ultrarational agierenden Individuum. Leider ist Depri nicht ausschließlich Ratte, sondern zu mindestens genauso großem Teil Verrückter. Und während die Ratte das verdiente Geld in Form eines Gebrauchtwagens nach Abidjan verschiffte, setzte sich der Verrückte ausgerechnet am Silvesterabend ans Steuer, obwohl doch jeder weiß, dass die westafrikanischen Straßen da voller Geister sind. Gute Geschichte, das.

Mal ehrlich: Ist das doof, wenn ich hier ständig auf Seitensprünge verlinke, also, auf Texte, die ich anderswo veröffentlich habe? In diesem Fall: auf meine Besprechung von „Insisitieren“, dem neuen Stück von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen, das gestern abend auf Kampnagel Premiere hatte und das ich heute früh auf nachtkritik.de besprach? Oder ist das vielleicht trotzdem okay, weil: Ich habe ja nur ein bestimmtes Maß an Worten, irgendwann versiegt der kreative Fluss, und dieses Maß ist ja eigentlich reserviert für meinen Brotjob, dann für die Abnehmer, die mir ein bisschen Geld pro Text zahlen, und wenn dann noch was über ist, dann kommt das in dieses kleine, lustige Blog, die Kür, die Bandschublade. Weil gerade aber ziemlich viel andernorts los ist, würde die Bandschubalde verwaisen, und das will doch auch niemand, oder? Also: Linkschleuder, für die, die das mögen.

Außerdem verweise ich auf ein recht spannendes Interview, das ich vergangenes Jahr mit Monika Gintersdorfer fürs uMag geführt habe.

Du musst dein Leben ändern. So wie es ist, ist es gut, aber gut ist nicht wirklich gut. Die Sehnsucht nach dem anderen, der Wunsch, auszubrechen, das war hier schon einmal Thema. Und weil sich schon das Jahr geändert hat, ändert sich auch das Leben, kurzfristig, man hört mit Rauchen auf, man verzichtet auf Fleisch, man macht Sport, zweimal die Woche, so etwa. Man singt Lieder.
Ein Wunsch fürs neue Jahr meinerseits: Das, was ich als „intellektuelle Ungebundenheit“ meines Berufs bezeichne, also quasi den einzigen echten Vorteil, den ich habe, endlich wieder ausleben. Fremd küssen, im übertragenen Sinne. Einem fremden Medium einen Text schreiben, bestenfalls: einen Text, wie ich ihn zuhause, im geschätzten, angestammten Medium so nicht schreiben würde. Zum Beispiel eine Theaterrezension.

Das ist Arbeit.

Was nicht unter solch einem Seitensprung leiden darf: das eigentliche Zuhause, will sagen mein echter Arbeitgeber. Was ich mache, soll ein Spiel sein, kein Sprung, sondern ein Tanz zur Seite. Was ebenfalls nicht leiden darf: mein Privatleben. Bleibt ein Drittes: die Bandschublade. In der wird zukünftig wohl weniger los sein, jetzt, wo wir 2012 haben und entsprechend alles anders wird. Was ein wenig schade ist, gerade erst wurde umgezogen auf die neue, eigene Domain, da soll hier schon die große Langeweile einkehren? (Obwohl, heute abend kommt ein Tatort, da wird vielleicht noch eine Rezension drin sein, und wie wir wissen, wird nichts in der Bandschublade so ausdauernd gelesen wie die Fernsehkritik.)

Zunächst geht es erst einmal um alles und um nichts, darum, Rollen auszuprobieren, Theater zu spielen, sich einmal ganz und gar ehrlich Gemeinheiten ins Gesicht zu sagen.

Ich habe einen Text geschrieben, für das geschätzte Internetfeuilleton nachtkritik.de: „Im Zombiewunderland“, eine Kritik zur Uraufführung von Oliver Klucks „Leben und Erben“, gestern abend im Hamburger Schauspielhaus. Es muss ja weiter gehen, irgendwie.