05. Oktober 2012 · Kommentare deaktiviert für Alles für die Weltrevolution · Kategorien: Stoffe · Tags: , , , , ,

Matta, ein Künstler, der nur einen Bruchteil seines Lebens in Chile verbrachte, zunächst als Exilant in den Kunstmetropolen Paris und New York, später, nach einer kurzen Rückkehr nach Santiago, auf der Flucht vor der Militärdiktatur, wird hier eingemeindet in ein neoliberales Programm. Chile, das eng an die US-Wirtschaft angebundene Boomland, dessen regierendes Parteienbündnis Allianza por Chile seine jüngere diktatorische Vergangenheit praktisch gar nicht aufarbeitet, umarmt hier einen Künstler, der sich zu Lebzeiten wohl massiv solch einer Vereinnahmung verwehrt hätte. Daß das Ausstellungskonzept des Bucerius Kunst Forums solch eine Vereinnahmung ermöglicht, ist die große Schwachstelle einer ansonsten durch die Bank sehenswerten Retrospektive.

Ach ja. Zwei Wochen ist es her, dass die junge Welt mich unbedingt zur Vernissage von Roberto Matta im Bucerius Kunst Forum schicken musste, in eine Ausstellung, die ich mir sicher mal angeschaut hätte, aber mal ehrlich: zur Vernissage? Zwischen die bürgerliche Elite der Hansestadt, zwischen Exilchilenen und Botschafter, zwischen Geschäftemacher und Freunde des chilenischen Volkes, bei denen ich mir nie so recht sicher bin, ob für sie das Pinochet-Regime nicht womöglich das bessere Chile war. Aber gut, für die Weltrevolution mache ich viel mit, für die Junge-Welt-Revolution entsprechend auch. Und nein, ich ärgere mich auch nicht, dass die Redaktion meinen Artikel dann zwei Wochen lang auf Halde legte, weswegen auch.

Und dass der Artikel jetzt, wo er endlich erschienen ist, hinter einer Paywall verschwinden musste, ach das steck‘ ich auch weg. Ist ja für eine gute Sache.